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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 537 -
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53710. Oktober 1845 neulich sprach ich felix schwarzenberg, der auf der durchreise hier war. ich war schon bald 14 tage nicht in Baden, ein unerhörtes ereigniß, auch treibt es mich schon wieder hin, um mich ein wenig zu retrempiren. es hat in diesen tagen eine menge todesfälle gegeben: so heute tatit- cheff, sonst Bothschafter hier, in franzensberen [sic] fml droste, Bruder des erzbischofs von köln und obersthofmeister des jungen erzherzog ferdi- nand von modena, und was mir wirklich leid thut, meine freundin virginie orloff in florenz. natalie Palfy ist wieder hier und soll einen krebs an dem schönen Busen haben. fritz chorinsky, der arme teufel, ist auch in einer Art von Auflösung begriffen, und diese canaille von seiner frau scheint die größte freude dar- über zu haben. [unter sankt veit bei Wien] 10. oktober ich habe in diesen letzten Wochen ein ziemlich langes opus geschrieben, nämlich einen Artikel über die geschichte des consulates von thiers. die- ses miserable hundsföttische machwerk hatte schon seit lange meinen Zorn gereizt, und nebstdem sprachen mir e. Bethlen und Andere zu, dagegen zu schreiben, und so that ich es, nachdem nun die 4 ersten Bände heraus sind. ich glaube, etwas ganz gutes geschrieben zu haben. Bethlen, der neulich eigens herauskam, und dem ich es vorlas, fand es sogar vortrefflich. meine Absicht wäre, es hier unter hiesiger censur (wenn sie mir nämlich nicht gar zu viel streichen) erscheinen zu lassen, zugleich aber, um ihm eine größere verbreitung zu sichern, es in der Allgemeinen Zeitung mitzutheilen.1 Aber ich bin darüber noch nicht recht einig. Welsch läßt es jetzt abschreiben, und dann werden wir das Weitere überlegen. der Artikel ist gut geschrieben, im ultragermanischen und mitunter stark antifranzösischen sinne, ziem- lich heftig und hochmüthig gegen thiers, ich wüßte also nicht, was es hier Anstößiges haben sollte, als hie und da ein bischen geschimpfe gegen die Bureaukratie und ein Anstrich von fourieristischer Weltanschauung, der das ganze trägt, welche sie aber hier gar nicht verstehen werden. kurz, die schrift ist ich selbst, wie es „oesterreich etc.“ im Jahre 1841 gewesen ist. Wir haben bis nun den schönsten herbst von der Welt, leider habe ich diese tage in der stadt so viel zu thun gehabt, daß ich wenig davon genießen konnte. mittwoche den 15. hoffe ich auf 12–14 tage zu eduard A[ndrian] nach neuhaus gehen zu können, und mittlerweilen wird auch meine stadt- wohnung in ordnung seyn. Am 30. vorigen monats war ich für dieses Jahr zum letzten mahle in Baden, welches nun ganz verlassen ist. 1 die Arbeit erschien als anonyme, selbständige Broschüre: herr m. A. thiers und seine geschichte des consulats und kaiserreichs (leipzig 1846).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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