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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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55513. Jänner 1846 auf den bewußten abgebrochenen heirathsplan gelenkt haben. der kaiser aber unterbrach ihn und sagte: c’est chose finie, n’en parlons plus. dagegen soll die großfürstinn olga dem erzherzog leopold sehr gefallen haben. unsere kriegshelden in friedenszeiten aber, z.B. erzherzog Albrecht, lato Wrbna, carl lichtenstein etc. sind durch die Anwesenheit ihres Pa- trons noch immer ganz confus. gabrielle kam am 4. hier an, ich holte sie auf dem Bahnhofe ab, sie wohnte Anfangs bey der stadt frankfurt, hat aber jetzt ihre Wohnung am mehlmarkte bereits bezogen, es ist noch immer ungewiß, wie sich ihre sache gestalten wird. den sylvester Abend brachte ich geladen bey frau v. ritter zu, deren sa- lon mir übrigens heuer weniger homogen ist, den ich also auch weit seltener besuche als voriges Jahr, da sie sich mit lauter langweiligen obscuren jungen leuten umgibt, eine Art von fürstinn thérèse [esterházy] zweyten ranges. damals war auch emmy eskeles da, die mir sehr sympathisch ist, wiewol sie nichts weniger als geistreich ist, ich habe in der letztern Zeit einigemale bey ihr gegessen, unter andern gestern mit einer superben frau, einer mrs. Welbanke. Auch Wilhelmine Auersperg habe ich neulich bey ihrer tante kinsky ken- nen gelernt. der fasching hat am 8. mit einem hofballe begonnen, auf welchem ich aber nicht erschien, es zirkulirt von diesem Balle eine lächerliche Anecdote von einem ungar, der auf louis szechenyi (der ihn nicht kannte) zugestürzt kam und durchaus flore oder mich sprechen wollte, um zwischen ihr und einem sigmund Almásy, den ich nicht kenne, eine heirath zu stiften. dieser Almasy soll obergespann seyn, und schon im sommer wurde ich in seinem nahmen, wenigstens hieß es so, befragt, ob flore geneigt seyn würde ihn zu heirathen? ich aber sagte nein und vergaß auf die ganze geschichte. nebstdem wird an den montagen bey stourdza, dienstag bey o’sullivan, freytag bey clary getanzt. mittwoche sind Picknicks, etc. edmund Zichy als neuer vortänzer amusirt uns im club mit seiner Agitation. ich war neulich wieder einmahl einen Abend bey malfatti, der lange mit mir über sein Buch sprach, es ist ein sonderbarer poëtisch-philosophischer schwärmer, noch so viel Phantasie in einem so hohen Alter! die Brochure über thiers ist endlich heraus, d.h. ich habe 2 exemplare davon per Post erhalten. das Andere kömmt per fuhrmann nach, ziemlich schlecht gedruckt und voll druckfehler, ich habe davon eine liste drucken lassen, die hinten angeheftet werden soll. ich bin neugierig, wie sie aufge- nommen werden wird. Andreas schumacher, der redacteur der gegenwart, dem ich meinen Ar- tikel über das recht der Arbeit zusandte, machte mir neulich einen 2stündi-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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