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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 569 -
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56921. März 1846 entwicklung, als fingerzeig des schicksales, willkommen, nur nicht dieses stillschweigen. ich habe mich endlich doch, schanden halber, über den Juif errant von eug. sue gemacht,1 es ist ein Buch von vielen interessen, zwar entsetzlich gedehnt, für die Jesuiten aber allerdings eine wahre calamität. neulich war ich mit flore in einem von list’s Abendkonzerten2 und fand, daß er einen weit geringern eindruck auf mich machte als in frühern Jah- ren, es schien mir, als hätte er an Affektation zu- und an empfindung abge- nommen. [Wien] 21. märz Auch der Artikel über die preußischen reformen ist nicht zum drucke zuge- lassen worden, er war in fürst metternichs händen gewesen, und dieser las, was zwischen den Zeilen geschrieben stand. und so geht es einer meiner Arbeiten nach der andern. Wer hier über Poli- tik schreiben will, muß entweder in das horn der regierung blasen oder sich so blaß und matt ausdrücken, daß man seine eigentliche Ansicht errathen muß. Beydes aber ist mir nicht gegeben, letzteres schon deßwegen nicht, weil es mir nicht darum zu thun ist, meine Ansicht auszusprechen, sondern An- dere zu überzeugen und hinzureißen. göthe hat doch recht gehabt: ich hab’ mein sach’ auf nichts gestellt drum ist mir so wohl auf dieser Welt.3 Werde ich es jemals bis zu dieser Philosophie bringen? Also auch dieser schöne Plan zu Wasser geworden, ich hatte gehofft, daß es mir gelingen würde, auf diesem Wege einige gedanken ins Publicum zu werfen und so die öffentliche meinung zu praepariren. Jetzt, da sich bey uns Alles regt, ständisches element, litterarischer geschmack und politischer sinn, kurz Alles, nur die regierung nicht, wäre der moment sehr günstig gewesen. Aber wenn auch in keiner andern sache, so sind unsere regierer doch in der niederhaltung des geistes von einer eisernen consequenz, und gegen die scheere der censur gibt es kein mittel. es kreuzen sich nun die verschiedensten gedanken in meinem kopfe: das Beste aber wäre, ich sagte diesen „erbländern“ der dummheit lebewohl und ginge nach ungarn, um 1 eugène sue, le juif errant. 10 Bde. (Paris 1844–1845). 2 gemeint ist der Pianist und komponist franz liszt. 3 die Zeilen lauten im original: ich hab’ mein sach’ auf nichts gestellt, Juchhe! / drum ist’s so wohl mir in der Welt, Juchhe!
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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