Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 575 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 575 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Bild der Seite - 575 -

Bild der Seite - 575 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Text der Seite - 575 -

57516. April 1846 habe ich mir geschenkt, à quoi bon? meine nerven werden täglich schwä- cher, und ich kann den July kaum erwarten, um in einem seebade kräfti- gung und vor Allem Zerstreuung zu suchen. Pepi erberg ist vor einigen tagen wahnsinnig geworden. ich war in diesen tagen ein paar mahle bey fürstinn christiane colloredo, an einem andern Abende war eine soirée bey eskeles, wo liszt, ein clavier- spieler rubinstein etc. waren. heute vor acht tagen gab man zum schlusse vor den osterferien ernani mit der tadolini, fraschini, collini und rodas, so vollkommen, wie ich seit lange nichts gehört habe, ein wahrer genuß. [Wien] 16. April das lange erwartete kaiserliche Patent wegen der robothen in galizien ist endlich erschienen, wie zu erwarten war, eine halbe, jämmerliche maßre- gel. die weiten fuhren (über eine tagreise) und die Aushülfs-robothtage (zur erntezeit etc.), welche letztere ohnehin ungesetzlich und ein abusus waren, sind abgeschafft, und den Bauern das recht eingeräumt, sich ge- gen Bedrückungen der herrschaften unmittelbar beym kreisamte zu be- schweren, statt wie bisher einen vorläufigen Vergleichsversuch beym resp. Wirtschaftsamte machen zu müssen. und damit glaubt man, den durch und durch aufgeregten Bauernstand beruhigen zu können!! – – die Bauern verweigern in ganz galizien zu robothen, in den kreisen, die ganz ruhig waren, erklären sie nun den Beamten, daß sie nicht schlechter daran seyn wollten als ihre Brüder im tarnower und Bochniaer kreise, wo, wie sie behaupten, steuerfreyheit und gütertheilung publicirt sey, und geben den herrschaftlichen Beamten eine ganz kurze Bedenkzeit, um sich zu entfer- nen, widrigenfalls sie ebenfalls mit Aufstand drohen. erzherzog ferdinand hat die faiseurs hier breitgeschlagen und kehrt in sein gouvernement zurück. Alles ist über die beyspiellose verblendung un- serer regierung indignirt. ich bin überzeugt, daß, ehe 2 monathe vergehen, der spektakel von neuem, nur dießmahl weit furchtbarer losgeht. es ist merkwürdig, wie klar es in den letzten sechs Wochen Allen geworden ist, daß unser „großer staatsmann“ am Ballplatze ein misérabler schafskopf ist! mir sollte dieses eigentlich ganz recht seyn, cela chauffe, und hoffent- lich fällt die ganze Baracke um einige Jahre früher über den haufen, als sonst geschehen wäre. Aber doch gewinnt zuweilen meine indignation über so entsetzliche dummheit in mir die oberhand. indessen aber ist unser sonst so schweigseliger „Beobachter“1 plötzlich ein wüthender Polemiker geworden, schlägt nach allen seiten aus, antwortet jedem Journalartikel in ganz europa und behält natürlich überall unrecht. 1 Der Österreichische Beobachter, die offiziöse Zeitung der Staatskanzlei.
zurück zum  Buch „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“