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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 579 -
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57913. Mai 1846 vielleicht geht es einstweilen auf dem kürzeren Wege einer Privatüberein- kunft mit dem Pächter und redakteur der Preßburger Zeitung, ich habe deßhalb gesprochen und werde vielleicht bald mit Bethlen nach Presburg fahren. ich lese jetzt Prutz geschichte des deutschen Journalismus,1 ein herrli- ches Buch, soviel ich bis jetzt davon kenne, voll hoher schöner Ansichten, interessant durch inhalt und anziehend durch seine schreibart, kurz weit mehr als das Werk eines gewöhnlichen deutschen Büchergelehrten. vergangenen sonntag war redoute, ziemlich leer und langweilig. Auch dieser spaß (the last of mohicans) fängt an abzufallen. übrigens ist mein leben jetzt ziemlich ruhig: ich gehe viel in die italienische oper, nach der- selben noch meistens ins casino, sehr oft zu meiner lieben Bujanovics, wel- che aber am 4. nach steyermark aufs land geht, von salons aber gehe ich beynahe nirgend anders hin als zu fürstinn christiane [colloredo] und zu ritter. in den auswärtigen Zeitungen und selbst hier von sonst gutunterrichte- ten Personen hört man von bevorstehender Aufmunterung unserer politi- schen Presse, von der Absicht der regierung, in politischen dingen künftig- hin größere öffentlichkeit walten zu lassen, sprechen. das ist aber lauter larifari, ich schlug neulich bey clemens hügel deßhalb auf den strauch und überzeugte mich bald, daß die leute jetzt nicht um ein haar anders denken als vor 4 monathen. Wien 13. may 1846 ich spiele jetzt seit einigen tagen eine komödie, deren Ausgang erst die folge zeigen wird. ich habe nämlich meine entlassung aus dem staatsdienste verlangt, nicht in der Absicht, daß mir dieselbe ertheilt werde, jedoch mit dem festen entschlusse sie anzunehmen, falls sie mir nicht verweigert wer- den sollte. das endlose Warten hat endlich meine geduld ermüdet und mehr noch meine eigenliebe gekränkt, so geringfügig es an sich selbst ist, ob ich gubernialsekretär oder hofsekretär heiße, so ärgerte mich doch die rück- sichtslosigkeit, welche aus einem so langen hinhalten hervorleuchtete, um nun diesem Zustande ein ende zu machen, war ich vor ungefähr einem mo- nathe, bey gelegenheit da michael strasoldo in die Wirklichkeit eingerückt war2 und sich folglich meine nachrückung von selber zu verstehen schien, bey graf inzaghy gewesen, und hatte ihm vorgestellt, wie empfindlich mir 1 robert eduard Prutz, geschichte des deutschen Journalismus. Zum 1. male vollständig aus den Quellen gearbeitet. theil 1 (hannover 1845). 2 er wurde wirklicher hofsekretär, d.h. er erhielt eine im Beamtenschema systemisierte stelle mit entsprechendem Jahresgehalt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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