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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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58113. Mai 1846 digt, und ich weide mich an der verlegenheit des schafskopfes inzaghy, welche ich zwar nicht sehe, mir aber vorstellen kann. und wenn wider alle Wahrscheinlichkeit dennoch meine entlassung angenommen würde, so wäre mir, glaube ich, erst recht leicht um das herz. etwas zu bereuen, ist ein- mahl meine sache nicht, mein Blick geht nach vorwärts, und so würde ich denn getrost und freudig ein neues leben anfangen, den nähmlichen Zweck im Auge, wenn auch auf verschiedenen Wegen. mag nun die gegenwärtige episode ausgehen wie sie will, jedenfalls habe ich dabey die überzeugung gewonnen, daß ich einer solchen veränderung meines schicksales keck ins Auge sehen darf, und soviel ist dabey jedenfalls gewonnen. daß ich in diesem Augenblicke mit allen diesen dingen so beschäftigt bin, daß mir für wenig Anderes Zeit und sinn bleibt, ist natürlich. doch war schumacher neulich ein paar stunden lang bey mir, um mir von seinen Journalzuständen zu sprechen, welche ziemlich mißlicher natur sind, er bath mich um meinen Aufsatz über die galizischen gemeindeverhältnisse, welchen er censurge- recht machen und mir dann wieder vorlegen will. übrigens habe ich in dieser letzten Zeit nichts geschrieben und wenig gelesen. Wenn ich zu letzterem komme, so lese ich die histoire de dix ans von l. Blanc, ein merkwürdiges manifest des republikanismus in frankreich, und meinen großen fourier. Auch die ungarischen Zeitungsprojekte ruhen, Josika, Apponyi und ich, wir sind jetzt alle 3 mit unserer eigenen haut zu sehr im spiele, und eme- rich Bethlen ist von einer indolenz, welche ohne einen täglichen nie nach- lassenden impuls zu keiner thätigkeit zu bewegen ist, ich glaube übrigens, auch seine tage sind gezählt, und das ist seine einzige entschuldigung dafür, daß er mit so vielen gaben sein leben damit zubringt, bis 5 uhr zu hause zu sitzen in unproductiver meditation, und dann bis spät in die nacht einer tarokparthie im club zuzusehen. lazzi festetics ist gestern gestorben, und constant Palfy liegt schon seit 8 tagen zwischen leben und sterben in Pesth, ich hoffe für ihn und seinen armen vater, daß er davon komme. mathilde Berchtold ist von mailand da und wie natürlich noptsa mit ihr, auch gustav neipperg ist heute angekommen, jedoch ohne castle. Wir haben das herrlichste Wetter von der Welt und so warm wie im som- mer, den Prater besuche ich jedoch ziemlich selten, neulich frühstückte ich da. gestern fuhr ich mit flore und Alex. Amade (welche die erklärte Braut ferdinand Wurmbrand’s ist) nach dornbach, eine himmlische gegend. tante toni und caroline Waldstein gehen in 8 tagen fort, onkel toni war auf ein paar tage hier. um den großherrn,1 welcher eine reise nach rumelien unternimmt, in rustchuk zu becomplimentiren, ist fml hess und mit ihm rudi lichten- 1 Padischah, titel des sultans des osmanischen reichs.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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