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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 589 -
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58913. Juni 1846 schlüsse des landtags rücksichtlich der übertritte der katholiken zum Pro- testantismus und vice versa ganz unaufgefordert auf die griechen ausge- dehnt hat, eine verfügung, welche erstlich inconstitutionell und dann, wie sich nun zeigt, höchst ungeschickt war. die nichtunierten griechen erhalten ihre Bücher, gebethe, liturgie etc. aus rußland, sie bethen täglich für ihren kaiser nicolaus etc. etc.!!! o schafsköpfe! die Josika’sche komödie ist noch immer nicht beendigt, sondern ganz in statu quo. dagegen sind im militär eine menge veränderungen geschehen: fml Zannini durch eine intrigue gestürzt,1 etc. fml hess und edmund Zichy sind endlich gestern, mit dem nischan2 dekorirt, von rustschuck zu- rückgekehrt. die Andern gehen über constantinopel und Athen. ich habe neulich ein sehr interessantes dokument zu lesen bekommen: der Jahresbericht unseres consuls rothschild in Paris über alle gegen- stände der nationalökonomie, finanzen, handel, Ackerbau, industrie, fa- brikwesen, Proletariat etc. und einige andere, wie z.B. Poenitentiarwesen, welche eigentlich in das Bereich [sic] des consulates nicht gehören. Alles mit zahlreichen Belegen. das hauptevénement der letzten Zeit aber ist die gründung einer Akade- mie der Wissenschaften, welche ganz unerwartet, ohne daß irgend Jemand, nicht einmahl die studienhofkommission und hofkanzley etwas davon wußte, auf einen vortrag fürst metternichs erfolgte, es sah fast aus wie ein coup de tête. die weitern Bestimmungen, die statuten, ersten ernennungen etc. aber sollen am 16. dieses monats publicirt werden. es herrscht großer Jubel unter der hiesigen litterarischen Welt, und unläugbar haben wir da- mit einen großen fortschritt gemacht, und ich kann eine Zeile meines sün- denblattes: pia desideria, streichen. Am 16. soll also das monument kaiser franz, welches ich am 9. ankom- men sah, enthüllt werden. die heutige, unentgeltliche Austheilung der kar- ten war so ungeschickt veranstaltet, daß in dem entsetzlichen getümmel mehrere verwundungen und, wie man sagt, ein todschlag vorfiel, und eine menge militär herbeygeholt werden mußte. daß uns doch im kleinen der fluch der dummheit gerade so begleiten muß wie im großen. die russische kaiserinn war in linz sehr aimable mit der unserigen, in Prag, wo sie 2 tage blieb, war sie gegen erzherzog stephan ziemlich kalt, was aber gegen das ende immer mehr abnahm, und beym Abschiede an der böh- mischen grenze sagte sie ihm vor allen leuten: Je regrette infiniment que 1 General Peter Zanini (nicht Zannini) trat offiziell aus Gesundheitsgründen von seinem Pos- ten als vorstand der militär-Zentralkanzlei des hofkriegsrats zurück, behielt aber sitz und stimme im hofkriegsrat. 2 türkisch orden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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