Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 599 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 599 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Bild der Seite - 599 -

Bild der Seite - 599 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I

Text der Seite - 599 -

59915. Juli 1846 wußte bereits seit ein paar monaten durch Welsch, daß ich der verfasser etc. sey, und erzählte mir eine menge détails über den druck, die verbrei- tung, Aufnahme etc. des Buches. er schlug mir vor, dr. schuselkas, wel- cher hier lebt, Bekanntschaft zu machen, und da dieß ohnehin in meiner Absicht lag, so gingen wir denn tags darauf morgens zu ihm. schuselka ist meiner Ansicht nach kein großes talent, aber ein gentlemanly character, sehr viele vaterlandsliebe und die beste Absicht, dabey aber viel eingelern- ter enthusiasmus und (leerer) Wortschwall, auch ein mehr oberflächliches und zerstreutes Wissen, kurz mehr Belletrist, aber von gesinnung und ach- tungswerth. er nennt sich einen republikaner, freute sich aber nichtsdesto- weniger herzlich, in mir den eingefleischten Aristokraten kennen zu lernen, gegen den er, ohne ihn zu kennen, öfters angefochten hat, und als solcher stand ich ihm auch bey seinen extremen meinungen natürlicherweise gegen- über. übrigens nannte er mich den „vater der reform“, der ich durch meine schrift den ersten und bedeutendsten Anstoß gegeben habe, und daß er sich mit einer Aristocratie, welche viele solche menschen besäße, versöhnen könnte etc. etc. dennoch aber erklärte er, meine Proposition nicht anneh- men zu können. ich meinte nämlich, seine theoretischen Ansichten mögen seyn, welche sie wollten, so sey jetzt, praktisch, ein wünschenswerther um- schwung der österreichischen Zustände nur dadurch zu erreichen, daß man als Basis derselben die trias: Aristokratie, intelligenz und gemeindereform annehme, daher die ständischen verfassungen entwickle und zeitgemäß re- formire, Preßfreyheit oder doch eine annähernd freye censur einführe und das unterrichtswesen umgestalte, endlich eine möglichst freye municipal- verfassung einführe. dahin, meinte ich, sollte er mitwirken, und gab ihm dazu mehrere Wege an: eine geschichte der österreichischen landstände seit ferdinand 2., eine vergleichende darstellung der municipalverfassung der sachsen in siebenbürgen etc. Andererseits aber forderten er und campe mich dringend auf, wieder et- was in meinem sinne über oesterreich zu schreiben. schuselka meinte gar, ich solle meinen nahmen beysetzen, das würde um so mehr Wirkung ma- chen. Jeder gebrauchte hierbey seine besonderen Argumente: schuselka sprach von der Pflicht, meine kräfte der guten sache zu weihen, und von den wahrscheinlichen resultaten für oesterreich. campe meinte, wenn ich die Zeit versäumte, würde der nimbus, der jetzt noch an meinen schriftstelleri- schen nahmen geknüpft sey, vergehen, ein Anderer mir vielleicht den rang ablaufen etc. Alles dieses und manches Andere wurde in langen gesprächen zwischen uns durchgearbeitet, namentlich bey einem diner zu dreyen, wozu ich die beyden herrn in victoria hôtel geladen hatte, welches aber campe, ohne daß ich etwas davon wußte, bereits bezahlt hatte. campe zeigte mir mehrere
zurück zum  Buch „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“