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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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6075. August 1846 exclusivität nicht los werden, so sehr ich auch in der theorie dagegen bin. ob mir dieser Widerspruch, den ich nicht überwinden kann, nicht noch ein- mahl den hals bricht?! – – neulich waren wir einmal in großer gesellschaft im grünen Wasser, dem hiesigen sport,1 wo ich den damen zu liebe mit ungeheuerem geldaufwande einen reel tanzen ließ. die holsteinischen geschichten, der „offene Brief“, die versammlung zu neumünster und die Adresse der stände zu itzehoe beschäftigen hier alle gemüther, und Alles spricht sich energisch gegen den könig aus.2 in Preußen ist mündliches verfahren ohne öffentlichkeit eingeführt (ganz ein machwerk à la hanswurst friedrich Wilhelm 2.). magnifique sind die discussionen in der badischen 2. kammer, Welcker, hecker etc. etc., obwol mir die Angriffe gegen das wirklich wohlmeinende ministerium manchmal zu weit gehen. Aber es leidet keinen Zweifel: die eigentliche politische und intellektuelle hegemonie deutschlands ist bey Baden. kufstein predigte mir neulich lange über die sächsischen verhältnisse, der mann hat es noch weit bis zum genie. [helgoland] 5. August heute früh sind Breuners und fugger weg, und in ihre Wohnung ist der Banquier todesco aus Wien leider ohne seine schöne frau eingezogen, doch da sie in hamburg ist, will ich hoffen, daß sie ihren mann besuchen werde. die hitze wird immer ärger und um so unleidlicher, als man sich in den hiesigen häusern ohne fensterläden, Jalousien etc. davor gar nicht zu schützen weiß. dabey sind die Bäder kaum anders als Wannenbäder, so ru- hig und still ist die see. gestern Abends hatten wir das schönste schauspiel von der Welt: eine Beleuchtung der inselgrotten bey herrlichstem mondschein, welcher dem ef- fect nicht nur keinen Abbruch that, sondern das romantische der szene so- gar erhöhte. eine masse von Barken war in Bewegung, die Bademusik auch mit, ich mit den Breuners, die ganze fahrt dauerte von 9 bis nach 11 uhr. gestern morgen lag in folge der entsetzlichen hitze ein dichter nebel auf 1 die volkskneipe „Zum grünen Wasser“ auf helgoland. 2 könig christian viii. von dänemark hatte im „offenen Brief“ v. 8.7.1846 die erbfolge für den fall des absehbaren Aussterbens seines hauses in der männlichen linie (sein einziger sohn und kronprinz frederik war kinderlos) neu geregelt, indem er schleswig und lau- enburg zu integralen teilen der dänischen krone erklärte. damit wären diese länder wie das königreich selbst an die weibliche linie gefallen, lediglich holstein wäre an den herzog von Augustenburg gekommen. gegen diese neuregelung und die mögliche trennung ver- wahrten sich volksversammlungen und landstände, schleswig-holstein wurde dadurch zu einem symbol für die deutsche einheitsbewegung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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