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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher620 Appartement enthält mit allen reliquien seiner Zeit, also costume, Waffen, meubles, geschmeide, nippes etc. unsere eleganten damen könnten sich da die hübschesten kleinigkeiten aussuchen. Auch ein instrument wurde mir gezeigt, mittelst dessen christian 4. sich bey seinen Abwesenheiten der treue seiner maitressen versicherte, ob mit erfolg? ist nicht bekannt. Auch bestieg ich am selben tage noch den thurm der trinitatiskirche, von wo man das ganze Panorama von copenhagen und der umgegend sieht. langenau und ich verfehlten uns übrigens gegenseitig, und so fuhr ich um 5 mit dem geyser, einem sehr schönen, obwohl nicht ganz so schönen dampf- schiffe wie die stadt copenhagen, ab. An Bord traf ich castenschiold, welcher von seinem urlaube nach Wien zurückkehrt, um löwenstern abzulösen. Auch sonst war die gesellschaft sehr gut, namentlich ein herr v. gröditzberg aus Berlin (ein alter theater- mann à la Pachta), ein paar hübsche Wienerinnen etc. die see ging ziem- lich hoch, obwohl das Wetter herrlich war, und es gab mehrere seekranke, ich aber schlief vortrefflich. um 7 uhr früh waren wir in swinemünde, von da ging es auf der swine weiter, dann in das haff, welches über 3 stunden währte, eine langweilige fahrt, endlich die oder hinauf, bis wir gegen 1/2 12 in stettin waren. diese stadt hat sich seit 1843 so verschönert, daß ich sie kaum wieder erkannte. ich aß mit castenschiold im hôtel de Prusse, dann gingen wir zu einem conditor und vertrieben uns die Zeit bis 4, wo die eisen- bahn abgeht, wir fuhren allein mit gröditzberg und kamen gegen 9 uhr in Berlin an, wo wir in meinhards hôtel abstiegen. ich habe heute unsern chargé d’affaires handel besucht, aber weder Briefe noch sonst etwas neues gefunden, was mich einigermaßen désap- pointirt. castenschiold, der morgen weiter geht, und ich aßen heute ziemlich schlecht bey mielentz, sahen dann im königsstädter theater: überall Jesu- iten, eine recht gute kurze Posse, und fuhren dann in den kroll’schen gar- ten, der aber meinen erwartungen nicht entsprach. ich habe hier mehrere Wiener getroffen: graf kornis, major hein etc. [Berlin] 30. August die Zeit ist mir hier außerordentlich schnell und recht angenehm vergangen. Berlin ist eine stadt, die ich immer gerne hatte, und seit 1843 scheint es sich noch bedeutend gehoben zu haben. es lebt sich hier recht behaglich, und das ganze hat einen Anstrich von civilisation und höherer Bildung, welcher in Wien in manchen stücken noch immer abgeht. übermorgen den 1. wird die eisenbahn von hier bis Breslau eröffnet, und ich werde sogleich mit dem ersten Zuge fahren, am 2. bis troppau fahren und am 3. Abends zu hause eintreffen. dann kommt die reihe ans Arbeiten, wir wollen sehen, wie es mir damit von statten gehen wird.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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