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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 623 -
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6232. September 1846 troppau 2. september 8 uhr Abends eine schöne Bescheerung, in den grenzboten steht groß gedruckt zu lesen, daß ich der verfasser von österreichs Zukunft bin, und daß ich selbst, wie es scheine, länger kein geheimniß daraus mache.1 vorgestern, am letzten tage meines Aufenthaltes in Berlin, meldete es mir kuranda, sich halb und halb entschuldigend und mit dem Beysatze: ich könnte, wenn ich wollte, eine erwiederung darauf in sein Blatt einrücken lassen. Wie er das erfahren hat, weiß ich nicht, glaube jedoch, daß es eine gutgemeinte indiscretion doblhoffs gewesen ist. mir ist die sache hauptsächlich deßwegen unangenehm, weil sie während meines Aufenthaltes in deutschland geschah, es also scheinen könnte, als hätte ich den Artikel selbst veranlaßt. Andererseits sind aber wieder mehrere ungenaue Angaben über mich, selbst über meinen nahmen (er nennt mich graf Andriani), welche jenem verdachte entgegen stehen. Je- denfalls werde ich mich hüten, der sache, die jetzt ohnehin die runde durch die deutschen Zeitungen machen wird, durch eine erklärung ein noch größe- res gewicht zu geben. ich bin nun neugierig, was man in Wien für gesichter machen wird. so war es von mir nicht gemeint, als ich von meinem frühern absoluten stillschweigen abging, einige sollten es wissen, Andere es ahnen, aber es an die große glocke der Publicität zu schlagen, das hatte ich nicht beabsichtigt. übrigens ist es nun geschehen und nicht mehr zu ändern, und aus diesem gesichtspunkte antwortete ich auch kuranda. dieser schleppte mich noch eine volle stunde herum, legte mir ein vollkommenes glaubens- bekenntniß ab und bath mich, ihm manchmal Artikel für die grenzboten zu schicken. Am Abend war ich im königstädtischen theater, wo die italienische opernsaison herzlich schlecht mit nabucco von verdi eröffnet wurde. für- stinn thérèse esterhazy war auch da, und ich führte ihr handel auf. in den gängen traf ich kuranda, der mich nach dem theater noch sprechen und mir ein Paket für doblhoff mitgeben wollte, ich entschuldigte mich aber, weil ich ein engagement zu fürstinn thérèse hätte, in der that aber, weil ich frühe zu Bette gehen wollte. er sagte, er würde mir das Paket in den Bahn- hof bringen, was aber nicht geschah. gestern früh 7 uhr also fuhr ich mit der eisenbahn ab, über frankfurt, guben, sorau, Bunzlau und liegnitz nach Breslau. Auf der neu eröffneten strecke von frankfurt bis Bunzlau hatten wir alle Augenblicke Aufenthalt, 1 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 5 (1846), ii. semester, iii. Bd., 349: notizen: graf Andriani: „Jetzt weiß man den verfasser mit Bestimmtheit und da er selbst kein geheimniß daraus zu machen scheint, so dürfen wir ihn wohl nennen. es ist der graf Andriani, ein geistreicher, Wiener edelmann, aus einem süd-tyroler geschlechte und in niederösterreich begütert.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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