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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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64115. November 1846 mein husten plagt mich noch immer und will bey dieser trockenen kälte nicht besser werden, es ist so kalt wie im Jänner. mathilde Berchtold war einige tage hier, ich sah sie fast alle Abende. charlotte Zichy war ebenfalls da und wohnte mit ihr. nun sind sie Alle fort, so auch, gott sey dank, die Baroninn [hruschowska]. dagegen sah ich in diesen tagen fanny cerrito, die aus Pesth kam, wo sie tanzte, und nach Berlin ging. Auch einen andern alten Bekannten, Perceval robins, traf ich neulich zufällig auf der straße. meine dienstesgeschichten haben sich endlich und zwar ziemlich nach meinem Wunsche gestaltet, ich war also neulich bey hartig, welcher, ohne ein besonderes interesse an mir zu nehmen (er brachte u.a. das gespräch auch auf das gerücht einer Autorschaft, ich aber gab darauf eine auswei- chende Antwort, und so fiel die sache zu Boden), mir doch rieth, ehe ich meine entlassung begehrte, mit inzaghy darüber zu sprechen. das that ich denn auch, und inzaghy meinte, ich solle nicht quittiren, sondern er wolle mich als im supernumeraren stande befindlich ansehen, in der civilkarrière ein vorgang ohne Beyspiel. damit konnte ich natürlich leicht einverstanden seyn, und so schieden wir. Wir wollen nun sehen, wie lange dieses interim dauern wird und welchen einfluß das erscheinen des 2. theiles darauf ha- ben wird, einstweilen gehe ich in 5–6 Wochen nach Ansbach, spreche unter- wegs in Augsburg mit kolb, denn ich will mich nun ganz in die Publicistik werfen, mit gottes hülfe sollen, ehe ein paar Jahre ins land gehen, diese leute mich bitten und beschwören, wieder dienste zu nehmen und zwar unter meinen Bedingungen und nach meinen grundsätzen, und dann, wills gott, wird es besser werden in oesterreich. in lewald’s europa steht als Wiener correspondenz eine lange ge- schichte, wie mich inzaghy über höhern Auftrag über meine Autorschaft befragt und, als ich es eingestanden habe, mir – ein dramatischer moment – das schon fertige entlassungsdekret überreicht habe.1 Wieviel dummes Zeug wird doch heutzutage geschrieben! Aber auch hier und selbst von Beamten, die doch unsere verhältnisse kennen sollten, habe ich schon die verrückte- sten geschichten über diesen gegenstand hören müssen. 1 europa. chronik der gebildeten Welt 1846/2, heft 19 v. 7.11.1846, 93f.: Briefwechsel und tagebuch. Aus Wien d. 20. october. Am ende dieses Artikels schreibt der anonyme Autor von zwei gerüchten über Andrian, deren erstes er übergehe, da es „von einer Art unglaub- licher kabinetsjustiz spricht.“ das zweite schildert er – anders als es Andrian zusammen- fasst – so: Andrian sei vom obersten kanzler befragt worden, ob er der Autor von österreich und dessen Zukunft sei, und als er dies nicht leugnete, „gab ihm der kanzler den wohlmei- nenden rath, sogleich um seine entlassung aus dem staatsdienste anzusuchen.“ die Zeit- schrift wurde seit 3.10.1846 nicht mehr von August lewald, sondern von f. gustav kühne herausgegeben und seither auch in leipzig (statt wie bis dahin in karlsruhe) verlegt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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