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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 660 -
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Tagebücher660 faschingstage war ein recht animirter Ball im casino, wo ich wieder mit der crailsheimschen cotterie soupirte und wir die lustigkeit so weit trie- ben, daß wir im tanzsaale, wo unser tisch stand, noch eine halbe stunde lang sitzen blieben, während die Andern um uns herum tanzten. da wurden gesundheiten getrunken, auf mein Wiederkommen nächsten fasching und dergleichen wahrscheinliche dinge mehr. Am nämlichen tage hatte ich ein langweiliges diner mit dem onkel und eduard bey taxis, der mir auch noch am tage meiner Abreise eine stundenlange stehende visite machte. das gerücht meiner Autorschaft hat sich auch hier verbreitet, und ge- neral lesuire, einer der gescheidtesten leute, die ich hier getroffen, sagte mir neulich sehr schmeichelhafte dinge darüber. übrigens war das haupt- gespräch jener letzten tage der rücktritt sämmtlicher minister, welcher in folge der vom könige an sie gestellten forderung, ein dekret wegen indige- natsverleihung an lola montez und einer dotation an dieselbe aus staats- mitteln, am 12. dieses monats stattgefunden hat. der könig, für dessen ver- stand man ernstlich zu fürchten anfängt (er soll schon 2 mal betrunken auf der straße gefunden worden und überhaupt in einer fortwährenden fieber- haften Aufregung, wohl eine folge von gebrauchten stimulantien, seyn), hat den minister Abel, der ihm doch so viele opfer auf kosten seiner ehre und seines gewissens gebracht hat, ohne weiters mit 2500 fl pensionirt, schrenk noch dazu gehöhnt (hart, mein lieber schrenk, nur 3 monate minister ge- wesen seyn und mit 700 fl pensionirt werden), den übrigen ministern aber nur einen urlaub bewilligt, Bray zu einer reise nach neapel. indessen sucht er nach neuen ministern, die achtungswerthesten männer aber haben sich geweigert, und die krisis ist noch nicht zu ende. mittlerweilen haben durch die impertinenz und fingerfertigkeit der lola die ärgsten excesse stattge- funden, und die Aufregung bey hoch und niedrig ist ungeheuer. Quos deus perdere vult, dementat. von campe erhielt ich ebenfalls Antwort. das Buch fand abermalige An- stände und kann also erst gegen den 11. oder 12. nach Wien gekommen seyn, er meint wie onkel ferdinand, daß es weniger gefallen werde als der 1. theil, darauf erwiederte ich mit einem langen exposé de principes, worin ich mich hauptsächlich auf den praktischen standpunkt stelle: ich sey jetzt weniger Aristokrat als vor 5 Jahren, aber um etwas zu erreichen, müsse man mit den Wölfen heulen, um diesen etwas abzugewinnen etc. das ganze theils wahr, theils für schuselka berechnet, mit dem ich es nicht verderben will.1 das entsetzliche thau- und regenwetter, welches in den letzten tagen eintrat, machte mir viel sorge, da ich fürchtete, dadurch aufgehalten zu wer- 1 Julius campes schreiben vom 10.2.1847 ist nicht erhalten, Andrians Antwort aus Ansbach vom 28.2.1847 ist gedruckt bei rietra, Wirkungsgeschichte, 203–205.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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