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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher668 gestern stand mein erster Artikel über die letzte niederösterreichische ständeversammlung in der Allgemeinen Zeitung, heute ein ganz ähnlicher, und was mich wunderte, sehr anerkennender Artikel von Zedlitz, eigent- lich fries.1 Beyde haben viel Aufsehen gemacht, und heute kam Pilat zu fries und sprach ihm eine stunde lang von den ständen und ihrer großen Zukunft, und ein gesandter versicherte ihn sogar, fürst metternich habe erklärt, sich an die spitze der ständischen Bewegung stellen zu wollen!! gewiß ist, daß noch nie eine so allgemeine muthlosigkeit geherrscht hat, und daß niemand ein hehl daraus macht, so sprach auch heute sedlnitzky zu vesque, so neulich kolowrat zu frau v. ritter, die mich mit enthusias- mus empfangen hat und, wie mir scheint, mit dem gedanken umgeht, mich mit kolowrat zu verkuppeln, ich habe ihr aber ganz offen gesagt, daß ich zu einem untergeordneten Posten nicht tauge und ihn auch nicht will, daß aber die dinge noch nicht so weit gediehen seyen, um daß man mir einen solchen Platz geben werde, wie ich ihn anspreche und annehmen würde. seitdem hat sie kolowrat gesprochen und hat mir etwas zu sagen, ist aber eben unpäßlich. doch kann da für jetzt durchaus nichts herauskommen. Auch Zedlitz drängte sich neulich bey fürstinn esterhazy mit einer ent- setzlichen freundlichkeit an mich und hielt mich beynahe 2 stunden fest, sprach viel von meinem Buche, mit dem er sich in den meisten dingen einverstanden erklärte, nur hinsichtlich ungarns nicht, versicherte mich, wie liberal gesinnt er sey und wie er deßhalb von der Bureaukratenclique sedlnitzky, hartig etc. gehaßt würde, ich hielt diplomatisch an mich, denn dem manne ist nicht zu trauen. übrigens gefällt mein Buch in den höch- sten kreisen (sogar den erzherzogen) sehr, beynahe zu sehr, so daß ich gar nicht recht damit zufrieden bin. Erzherzog Johann empfing mich neulich auf das freundlichste und machte mir eine selbständige profession de foi, beynahe buchstäblich so wie ich geschrieben. erzherzog stephan, bey dem ich gestern war, ging noch weiter und sprach mir ganz ohne rückhalt da- von. übrigens gehen die ideen dieses letzten nicht weiter als auf eine admi- nistrative büreaukratische reform: gute, aufgeklärte, redliche Beamte mit energie und strenger verantwortlichkeit. das langt lange nicht. Wer mehr in ihm sucht, irrt sich, seine carrière in Böhmen hat ihn verdorben, man kann nur mehr auf seine grenzenlose eitelkeit rechnen oder auf die konsti- tutionelle Praxis, die er in ungarn durchmachen wird. doch ist dieses letz- tere noch nicht so gewiß, eben jetzt stehen die chancen beynahe dagegen, er will freyere hand haben und den nächsten landtag placide durchführen, wo hingegen Apponyi etc. den enthusiasmus der Palatinuswahl dazu ex- 1 Allgemeine Zeitung v. 14.3.1847, 581f., datiert Wien 9. März; und v. 15.3.1847, 588f., da- tiert Wien 10. märz.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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