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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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67128. März 1847 ich habe die lind ein paar mahle im „feldlager in schlesien“ gehört,1 ohne weder von der oper noch von ihr besonders entzückt zu seyn. neues gibt es sonst wenig. die Politik wächst dem geträtsch über den kopf, im club hat man mich zum censor ernannt, neulich war ich als loyale de- monstration beym kirchendienste und trage überhaupt große loyalität zur schau, im übrigen aber spreche ich ganz offen und gegen Jedermann meine Meinung aus und finde fast überall Anklang, nur die dummen Ungarn wol- len ihren lächerlichen deutschenhaß nicht ablegen, und es wird mir manche Arbeit kosten, die interpellation wegen Wiederherstellung unseres verfas- sungsmäßigen Zustandes (von der ich so viel gutes erwarte) am nächsten landtage in der Art wie ich sie wünsche durchzubringen. Jedenfalls mache ich diesen sommer eine längere reise nach ungarn und siebenbürgen. gestern war ich mit edmund Zichy bey lord Ponsonby, der feyerlich empfing. gegen mein Buch übt die Polizey die äußerste strenge (!!) und hindert wirklich in mancher hinsicht seine raschere verbreitung, à la longue aber nützt Alles nichts. ich contreminire unter der hand, da mein Buchhändler vortreffliche Wege zum Hereinbringen hat. Aber an 300 Exemplare liegen auf der Censur und dürften wohl confiscirt werden. die letzten ereignisse in münchen begreife wer kann, ich nicht, totaler umschwung in des königs Politik, ein liberales cabinet, entfesselung der Presse, plötzliche angebliche Popularität des königs, und die lola [montez] ganz gesichert in ihrer stellung, ja sogar durch maurer’s contersignirung naturalisirt, das muß die folge aufklären. vor wenig tagen ist ein Allerhöchstes handschreiben an die hofstel- len ergangen, worin seine majestät befehlen, die ständische Wirksamkeit künftig mehr zu berücksichtigen und ihren Bestrebungen möglichst entge- gen zu kommen. – – – [Wien] 28. märz ich sitze alle tage bis 2, auch 3 uhr zuhause und komme dennoch wenig dazu etwas zu lesen, da ich beynahe immer Besuche habe, und zwar immer solche, die auf meine neue stellung Bezug haben. eigentlich erfülle ich so meinen Beruf am besten, indem ich dem einen rath, dem dritten Anre- gung, dem andern Beyfall ertheile und so ein thätiger mitarbeiter an dem großen Werke bin, doch kann ich nicht läugnen, daß die sache zuweilen sehr anstrengend ist, überhaupt ist meine stellung, besonders jetzt im An- fange, keine leichte. ich muß einen Jeden, welcher zu mir kömmt, um mir 1 Jenny lind sang bereits in der uraufführung dieser oper von giacomo meyerbeer am 7.12.1844 in der Berliner hofoper die für sie geschriebene rolle der vielka.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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