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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
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Tagebücher688 ich habe mich oben geirrt: die steuerfrage ist in Böhmen nicht still- schweigend beseitigt (was eben die Partey der halben, Procop lazanzky, der hofrath, an der spitze, wollte), sondern ausdrücklich und im Principe anerkannt worden. Auch die veröfftlichung der verhandlungen ist, und zwar in der (meiner Ansicht nach viel zu barschen) form angenommen worden, daß sie via facti Berichte in die Prager Zeitung schicken, und falls diese binnen 8 tagen nicht erschienen, in eine auswärtige Zeitung einrük- ken lassen zu wollen erklärten. die gereiztheit auf beyden seiten ist groß. lamberg war wieder der Wüthendste, und alle leute sagen, ich sey sein lehrmeister, er hat ein Budget, öffentlichkeit der Justiz und gott weiß was noch begehrt. Auf seine motion ist auch ein comité zur entwerfung einer gemeindeordnung ernannt und angewiesen worden, sich mit dem hiesigen zu gleichem Zwecke niedergesetzten in verbindung zu setzen, wieder ein schritt zur vereinigung. Zur urgirung der hypothekenbank ist eine per- manente (!!) deputation in Wien ernannt worden. ich frühstücke fast täglich im Paradiesgarten,1 wo sich immer zahlrei- che Gesellschaft findet, darunter E. Bethlen, und so mache ich schon in aller frühe manches ab. überhaupt bin ich fast fortwährend im geschirre, meine nerven fangen wieder an sich zu melden, woran wohl das veränderli- che Wetter schuld ist, der may war entsetzlich heiß, bis auf 28° r., und jetzt seit 8 tagen ist es wieder sehr kühl und naß. meine sommerprojekte sind noch unbestimmt, in ein seebad will ich nicht gehen, nach Berlin aber muß ich, da ich dort verschiedenes drucken lassen will: alte ständische doku- mente, die Brochure über das ungarische Programm, vielleicht auch etwas über den böhmischen und niederösterreichischen landtag etc. [Wien] 11. Juny heute ist der hiesige, am 7. eröffnete, landtag zu ende gekommen, die haupt resultate waren: die Zulassung des 4. standes zu den Berathungen über die Postulate, welche der landmarschall in folge der im märz gefaß- ten Beschlüsse via facti verfügt hat. montecuccoli erweckt überhaupt bey den ständen allgemeine Zufriedenheit, und ich habe ihm vielleicht unrecht gethan. der 4. stand verhielt sich übrigens, hauptsächlich auf die Bitte des Bürgermeisters czapka, ganz ruhig. Weiter wurde ein comité zur Bera- thung eines Preßgesetzes niedergesetzt, die veröffentlichung des finanz- etats von der regierung begehrt etc. im ganzen bin ich mit dem verlaufe sehr zufrieden, sind es ja doch größtentheils meine vor sechs monathena ausgesprochenen ideen, welche nach einander selbst bis in ihre détails zur 1 das kaffeehaus im „Paradeisgartel“ auf der löwelbastei. a korrigiert von Wochen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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