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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 703 -
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7034. August 1847 durch alle Zeitungen gehen dumme Artikel über meine neuliche vorla- dung vor der Polizey, wie sie dahinter gekommen sind, ist mir ein räthsel, denn ich habe es niemand gesagt. Auch habe ich mich dadurch veranlaßt gefunden, ein paar Zeilen an herrn v. Born zu schreiben, um ihm dieses zu sagen. Zugleich schickte ich an gervinus einen kurzen Artikel, worin (als correspondenz aus Wien) die irrigen thatsachen berichtigt und namentlich mein ehrlicher deutscher nahme von seiner italianisirenden verstümmelung rehabilitirt wurde. der Artikel ist auch schon erschienen. übrigens kann ich mich an diese öffentliche nennung meines nahmens noch immer nicht recht gewöhnen, besonders wenn dieses cavalièrement geschieht. ich habe leider eine verwundbare seite, und diese ist meine vermögenslosigkeit, verwund- bar nicht nur für meine eitelkeit, sondern auch für meine politische stellung, wie aber aus dieser lage heraus kommen? das beschäftigt mich seit gerau- mer Zeit, und deßhalb denke ich jetzt eben zum ersten mahle in meinem le- ben an die möglichkeit einer heirath, aber bis jetzt nur mit Widerwillen. ich lese jetzt dahlmanns Politik,1 viel gewäsch, so etwas kann man schreiben ohne dahlmann zu seyn, über oesterreich stellt er die schwierig- keiten hin ohne sie zu lösen, das ist freylich bequemer. mit Arnim hatte ich neulich eine lange conversation, er ist ein ganz ge- scheidter, außerordentlich belesener mann, gehört aber zu der, mir so un- angenehmen, schule von mystisch-mittelalterlichen, katholizisirenden (ob- wol er Protestant ist) schwärmern, welche nur immer negiren, ohne eine positive praktische richtung, deren koryphäen der könig von Preußen und herr v. radowitz (Arnims chef und Abgott) sind. Arnim will durchaus, ich solle radowitz’s Bekanntschaft machen, er ist in carlsruhe, doch weiß ich im voraus, daß unsere Ansichten zu verschieden sind, als daß wir an einan- der gefallen finden könnten. doch eben habe ich mir dessen letztes Buch: die gespräche über kirche und staat2 (worüber schon diesen Winter leo thun in den doblhoffschen soiréen soviel langweiliges Zeug schwäbelte) an- geschafft und will es lesen. diese ganze richtung, welche in deutschland sowohl durch stellung als Anzahl ihrer Anhänger bedeutend ist, hat Al- brecht v. haller verschuldet, mir aber ist sie, von Allem Andern abstrahirt, schon deßhalb verhaßt, weil sie sich zum katholizismus, den ich so gründlich hasse, hinneigt. Auch hier verfolgt mich der ruf meiner neuen stellung, und leute, von denen ich es am wenigsten erwartet hätte, sprechen mir davon, damen, franzosen etc. mit georges esterhazy sprach ich neulich lange darüber. 1 friedrich christoph dahlmann, die Politik, auf den grund und das maß der gegebenen Zustände zurückgeführt (Bonn–leipzig 1847). 2 Joseph m. v. radowitz, gespräche aus der gegenwart über staat und kirche (stuttgart 1846).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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