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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 718 -
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Tagebücher718 es solle der größtmöglichste lärmen geschlagen werden, sie selbst aber, d.h. die böhmischen stände, würden vor der hand gar nichts thun, sondern zahlen, nicht der einzelne, sondern nur der versammelte landtag habe das recht, die rechte des landes zu wahren, und je gemäßigter sie sich jetzt be- nähmen, desto kräftiger und effektvoller werde dann ihre sprache am land- tage seyn können.1 das ist nun ganz gegen meine Ansicht, und in diesem sinne antwortete ich dann auch in einer langen epistel an deym, und da ich gerade an Albert nostitz etwas zu schicken hatte, auch an diesen: wenn sie die Achtung und sympathie und daher die mitwirkung der übrigen Provinzi- alstände und namentlich ungarns nicht verscherzen wollten, so müßten sie jetzt gleich eine energische rechtsverwahrung einlegen, und nicht bis zum nächsten, vielleicht nicht vor may statthabenden, landtag warten, da eine solche stumme unterwerfung jetzt ohne Weiters als furcht und schwäche ausgelegt werden würde. unter einer solchen rechtsverwahrung verstände ich eine passive Zahlungsrenitenz à la John hampden, oder aber eine collec- tive Protestation etc. Zu Beyden seyen sie als individuen sehr wohl berech- tiget, ja verpflichtet, denn eine von den ständen nicht bewilligte steuer sey kein gesetz, folglich nicht verbindlich, und in der gesetzlichkeit und ver- fassungstreue jedes einzelnen liege am ende die garantie einer jeden ver- fassung, ebenso berechtigt seyen sie zu einer collectivprotestation als stän- demitglieder, nicht als ständekörper, denn ihr mandat als landesvertreter ruhe nach constitutionellen Principien nie. im interesse des ständewesens selber könne man nur in dem falle lärmen schlagen und die Augen von eu- ropa auf sie richten, wenn sie den entschluß hätten, sich kräftig und würdig zu benehmen etc. etc. Wir wollen nun sehen, was meine Briefe für eine Wirkung haben, einst- weilen aber habe ich bereits Alles gethan, damit diese schreyende rechts- verletzung im Auslande den eindruck mache, welchen sie verdient, ich habe an lerchenfeld und gervinus geschrieben, jenem meinen Aufsatz für das Journal des débats, diesem zwey Artikel, einen erzählenden und einen räsonnirenden, für seine Zeitung geschickt, und beyde ersucht, der sache die größtmöglichste verbreitung zu geben, selbst wegen einer etwaigen in- 1 graf friedrich deym an Andrian, lieblitz 30.9.1847 (k. 114, umschlag 663): „die hauptsa- che ist nur, daß das köstliche ereigniß verständig ausgebeutet und nach allen richtungen besprochen wird, nicht nur sollen alle Zeitungen und zwar liberale sowohl als antiliberale des kürzern und des Breitern davon sprechen, sondern Broschuren müßten den faden ausspinnen, vorzugsweise aber müßten die inländischen kammern, ungarn an der spitze, lärm schlagen und demonstrationen machen. in diesen Beziehungen denn rechne ich vor- zugsweise auf deine thätige mitwirkung, dagegen werden wir hier zu lande vorerst gar nichts weiter thun, als in der minorität des Ausschusses wenigstens remonstriren und pro- testiren.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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