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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band I
Seite - 725 -
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72530. Oktober 1847 eine fruchtbare idee hat deym übrigens mitgebracht (obwohl ich sie schon lange hatte und nur froh bin, daß sie von Jemand anderm als ich aufs tapet gebracht worden ist) und hier ins Werk gesetzt, nämlich die einsetzung eines stehenden comités, welches quasi die oberaufsicht über die ständische Bewegung in den verschiedenen Provinzen führen und de- ren mittheilungen und verbindung mit den andern Provinzen inclusive ungarn vermitteln soll. einstweilen haben doblhoff, deym und ich uns als gründer und erste mitglieder constituirt, und sie haben mich als central- punkt (das ist der Ausdruck) aufgestellt. Wir sollen dann aus jeder Provinz ein, höchstens 2 mitglieder aussuchen, welches an uns mittheilungen zu machen und die unserigen zu empfangen hat, für mähren denke ich an egbert [Belcredi], wenn ihm seine heirath Zeit läßt, für steyermark frank etc. nur mit ungarn bin ich noch unentschlossen, weil es dort trotz der vielen brillanten und geistvollen männer keinen soliden durchgebildeten verläßlichen, d.h. eigentlichen staatsmann gibt, wenigstens so weit ich sie jetzt kenne. mit lazzi teleki, welcher auf der durchreise einen tag sich hier aufhielt und mich aufsuchte, brachte ich deym zusammen, persönliche Berührun- gen anzuknüpfen ist vor Allem nothwendig. doch sind hüben und drüben ganz verschiedene elemente: deym sprach stundenlang von steuerzuschuß, formalitäten etc., und teleki machte wieder auf ihn den eindruck eines menschen, der nichts weniger als ein durchgebildeter staatsmann ist. übri- gens ist deym ohne Zweifel ein mensch von unendlichem geiste, einer merk- würdigen rührigkeit und redefertigkeit, und der über die verschiedensten gegenstände tief nachgedacht und die originellsten Ansichten hat, so z.B. über seine constituirung des reiches in 4 königreiche mit gaugrafen (ober- gespäne), vertretung nach interessen anstatt nach ständen, consultativem geheimenrathe und öffentlichkeit, Ausschließung jeder Wahl, und ihre er- setzung durch das loos etc. etc. in ungarn geht Alles vortrefflich, die opposition hat eine eclatante majo- rität von 31 gegen 22 stimmen, ein resultat, welches sich niemand träumen ließ, die idee unserer reconstituirung ist sehr populär, die Angelegenheit der 50.000 fl, welche überhaupt großes Aufsehen und allgemeine mißbilli- gung erregt, ist bereits in mehreren congregationen zur sprache gekommen. in der Adresse sollen unsere Angelegenheiten einen Artikel bilden, den kos- suth übernommen hat, und ich sammle und praeparire jetzt material für diese discussion, die hoffentlich lang und glänzend werden wird. kossuth ist in Pesth gewählt, und széchényi, der alte narr, hat sich in Wieselburg wäh- len lassen, um seinem alten feinde auf dessen terrain entgegen zu treten, er wird es wahrscheinlich bereuen, denn wenn nichts anders, hat kossuth die Popularität für sich.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
I
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
744
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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