Potzneusiedl

Potzneusiedl
Wappen von Potzneusiedl
Potzneusiedl (Österreich)
Potzneusiedl
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 12,1 km²
Koordinaten: 48° 3′ N, 16° 57′ O48.04527777777816.946944444444166Koordinaten: 48° 2′ 43″ N, 16° 56′ 49″ O
Höhe: 166 m ü. A.
Einwohner: 527 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 43,55 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2473
Gemeindekennziffer: 1 07 26
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Gemeinde Potzneusiedl
2473 Potzneusiedl
Website: www.potzneusiedl.at
Politik
Bürgermeister: Franz Werdenich (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(13 Mitglieder)
5
8
Von 13 Sitzen entfallen auf:
Lage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See
Andau Apetlon Bruckneudorf Deutsch Jahrndorf Edelstal Frauenkirchen Gattendorf Gols Halbturn Illmitz Jois Kittsee Mönchhof Neudorf bei Parndorf Neusiedl am See Neusiedl am See Nickelsdorf Pama Pamhagen Parndorf Podersdorf am See Potzneusiedl Sankt Andrä am Zicksee Tadten Wallern im Burgenland Weiden am See Winden am See Zurndorf Bezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Potzneusiedl im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Potzneusiedl ist eine Gemeinde mit 527 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich.

Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Lajtafalu, der kroatische Lajtica.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Potzneusiedl liegt auf 48° 3′ N, 16° 57′ O, nahe bei Neudorf bei Parndorf und Gattendorf, am Rande der Parndorfer Platte, am Südufer der Leitha.

Geschichte

1002 heiratete der magyarische König Stefan I. die bayerische Prinzessin Gisela, eine Tochter Herzogs Heinrich II. In der Folge kamen bayrische Adelige, kirchliche Orden und Siedler nach Ungarn (Deutsche Ostsiedlung). Zur Sicherung der Grenze wurden um 1021 die besiegten Petschenegen – sie wurden auch Bissener genannt und stammten ursprünglich aus dem Gebiet zwischen Talas und Donau – am Neusiedlersee angesiedelt.

Zu den bayrischen Einwanderern zählten auch die Grafen Poth, die im 13. Jahrhundert Potzneusiedl und Podersdorf gründeten bzw. übernahmen, was sich in den Ortsnamen niederschlug. Ende des 15. Jahrhunderts war das Gebiet Sitz von Kleinadeligen, wie den Herren von Oslip. Anna, die letzte Vertreterin dieser Familie schenkte ihre Anteile am damaligen Herrenhof ihrem Neffen, Johann Vogt von Donnerskirchen. Während des türkischen Einfalls von 1529 wurde der damalige Ansitz zerstört.

Um 1550 wurde der Ort mit Kroaten neu besiedelt; ab 1880 überwog bereits der deutschsprachige Bevölkerungsanteil (327 zu 287 Personen). In den folgenden Jahrzehnten wurde das kroatische Bevölkerungselement sukzessive assimiliert. Die Sprache konnte sich in einzelnen Familien noch bis in die späte Nachkriegszeit halten (Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung: 1900 36,1 %, 1923: 20,6 %, 1935 12,5 % 1981 0,9 %). Heute gilt die kroatische Sprache in Potzneusiedl als ausgestorben.

Potzneusiedl (Lajtafalu) an der Grenze zu Niederösterreich um 1873 (Aufnahmeblatt der 3.Landesaufnahme)

In der ersten Hälfte des 18. Jh. gehörte der Besitz zur Harrachschen Herrschaft in Bruck an der Leitha. Um die Mitte desselben Jahrhunderts gelangte Potzneusiedl, das niemals von wehrpolitischer Bedeutung war, in das Eigentum des Freiherrn Karl von Bender.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Komitat Moson). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lajtafalu verwendet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Potzneusiedl:

Der Bau des heutigen Schlosses wurde unter der teilweisen Verwendung von gotischen Grundmauern ab 1796 errichtet. 1808 war der Bau vollendet. Gegen 1850 erwarb die Familie Batthyány den Besitz, der seine Blütezeit noch in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts hatte, als hier glanzvolle Feste gefeiert wurden. Als Gräfin Louise Batthyány, die letzte adelige Besitzerin, 1956 starb, vermachte sie das Schloss ihrem Leibarzt. Dieser behielt die Landwirtschaft und verkaufte das Schloss 1966 dem Wiener Kaufmann Dipl.-Ing. Gerhard Egermann, der in den folgenden Jahren das bereits äußerst desolate Gebäude wieder instand setzen ließ und es als Kunst- und Antiquitätenzentrum[1] revitalisierte. Er richtete hier 1970 das Erste Österreichische Ikonenmuseum ein, dessen Glanzstück die „Muttergottes von Kasan“ ist, durch die Potzneusiedl zu einem Wallfahrtsort für fromme Russen wurde.

Das Schloss wird heute als riesiges Antiquitätszentrum mit angeschlossenem Antiquariat geführt, dessen Schätze fast sämtliche Räume füllen. Daneben finden immer wieder Sonderausstellungen statt, z. B. Bibeln aus fünf Jahrhunderten (2003).

Veranstaltungen wie der Potzneusiedler Theatersommer, Konzerte und Lesungen finden in der ehemaligen Kutschengarage, die als Theater- und Konzertsaal eingerichtet wurde, statt.

Seit 1987 ist das Schloss Potzneusiedl Hauptsitz des Österreichisch-Ungarischen Kulturinstitutes und seit 2001 auch Hauptsitz des Österreichisch-Rumänischen Kulturinstitutes.[2]

Im Museum Schloss Potzneusiedl befinden sich:

  • Sammlung von Meisterwerken des 17.–20. Jahrhunderts (österreichische und ungarische Kunst dieses Zeitraumes; seit 1975).
  • Ikonenmuseum: Gründung des Ersten österreichischen Ikonenmuseums (1970).
  • Bibelmuseum: bibliophile Kostbarkeiten, wie eine frühe Bibel von Martin Luther, Künstler-Prachtausgaben des 20. Jahrhunderts (z. B. von Ernst Fuchs), und barocke Heiligenlegenden (seit 2004).
  • Zsolnay-Museum: das dem ungarischen Keramikkünstler Vilmos Zsolnay (1828–1900) gewidmete Keramikmuseum zeigt rund 500 Objekte (seit 1975).
  • Bücherflohmarkt: antiquarischer Büchermarkt
  • Antiquitätenhandel

Windkraftanlagen

BW

In der Nähe von Potzneusiedl wurden in den Jahren 2011/12 zwei E-126-Windkraftanlagen von Enercon mit 198,5 m Höhe errichtet, zwei der weltweit größten und leistungsstärksten Windräder. Mit einer Leistung von je 7,5 Megawatt können damit mehr als 8.000 Häuser mit Strom versorgt werden.[3] [4]

Politik

Gemeindeamt
  • Bürgermeister ist seit 2010 Franz Werdenich von der ÖVP.
  • Gemeinderat: Die Mandatsverteilung (13 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 5, ÖVP 8, FPÖ 0, Grüne 0 und andere Listen 0 Mandate.

Demographische Daten: In der Gemeinde Potzneusiedl ist das Geschlechterverhältnis ausgewogen. 50,1 Prozent der Einwohner sind Männer und 49,9 Prozent der Bewohner der Gemeinde sind Frauen.[5]

Einzelnachweise

  1. Schloss Potzneusiedl
  2. Österreichisch-Rumänisches Kulturinstitut
  3. http://energie-und-umwelt.at/energie-news/bewag-baut-weltgroste-windkraftanlage-enercon-e126-863
  4. http://burgenland.orf.at/news/stories/2505497/
  5. Statistik Austia

Literatur

  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, ISBN 3-85063-160-5, S. 354–376.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD, Norderstedt 2008, ISBN 978-3-8370-4278-8.

Weblinks

 Commons: Potzneusiedl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien