Wien und Niederösterreich (1), Band 1, Seite 260 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

Dies ist die Text-Repräsentation dieses Buches. Für die Vollversion des Web Books Viewers benötigen Sie das Flash-Plugin für ihren Browser. Für Geräte ohne Flash-Unterstützung (z.B. Ipad) ist eine eigene Version in Arbeit.
Wien und Niederösterreich (1), Band 1

Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Wien und Niederösterreich 1. Abteilung#

Band 1#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1894
244 Kein Meister des Jahrhunderts hat aus die Entwicklung der Kunst in Wien einen so ties und weit ausgreisenden Einfluß geübt als der junge Salzburger, der, aus Karl von Pilotys tresslicher Schule kommend, 1868 zuerst mit den ,,Modernen Amoretten« und bald darauf mit den ,,Sieben Todsünden« vor das hiesige Publicum trat. Man hat sein rasches Aussteigen und plötzliches Verlöschen meteorartig genannt. Aber das Leuchten seiner Kunst hat nicht nur unser Auge entzückt, sondern das Schaffen und Streben einer ganzen Generation umgestaltet. Makarts Natur war zu einer so mächtigen Wirkung dadurch befähigt, daß ihm die Kunst mehr als eine Specialität, daß sie ihm Lebenskraft, Lebenszweck selber war, daß er sie, gleich den großen Meistern der Renaissance, als eine zweite schönere Natur zur Erschaffung einer neuen, glanzersüllten Welt berufen erachtete. Wie ein Feenschloß gestaltete er sein Heim und seine Werkstatt, die Geburtsstätte seiner Schöpsungen und den Schauplatz glanzvoller, mit sürstlicher Pracht umgebener Geselligkeit; die ganze Welt, Natur und Geschichte löste sich ihm in eine heitere Gestaltensülle, in schön bewegte Frauen und unter Blumen spielende Kinder aus; er war der geborene Maler der ,,Abundantia«; aus der Geschichte nahm er sich nicht die Momente leidenschaft- licher Kämpfe, ernster Entscheidungen zu Vorwürfen für seine Bilder, sondern die Tage der Festsreude, des Genusses, wie in seiner ,,Katharina Cornaro«, in dem ,,Einzuge Karls V. in Antwerpen«, in der ,,Nilsahrt der Kleopatra«, — und zu keiner Zeit hat sich sein Talent glänzender bewährt, durch keines seiner Werke hat er größere Popularität errungen, als durch das künstlerische Arrangement des Festzuges vom Jahre 1879, in welchem die goldschimmernde, sarbenglühende Gestaltenwelt aus des Meisters Bildern für wenige sonnenbeglänzte Stunden auf die zur Festbühne umgewandelte Wiener Ring- straße herniederstieg. Ein solches Talent war, wie kein zweites, berusen zur Ausübung jeder Art von decorativer Kunst. Er schmückte die Prachtgemächer der Wiener Paläste mit Wand- und Deckengemälden (z. B. für Nikolaus Dumba, Baron Leitenberger, K. Auspitz und Andere), er entwarf in seinen letzten Jahren den malerischen Schmuck für den Treppenraum des kunsthistorischen Hosmuseums und führte die dazu gehörigen Lünettenbilder noch im Großen aus; er hat sich auch wiederholt mit dem Entwerfen großer Prachtarchitekturen prosanen wie kirchlichen Charakters beschäftigt und war ersinderisch für die verschiedensten Zweige des Kunstgewerbes und der Luxusindustrie. Das Makart-Bouquet, die Makart-Rosen, der Makart-Hut sind allgemein bekannt und verbreitet. Sie bilden jedoch nur Einzelheiten in dem zaubervollen Ganzen, zu welchem der uner- schöpfliche Reichthum der Phantasie des Meisters die moderne Tracht, den Zimmerschmuck, das Geräthwesen, die Gesäßbildnerei an der Hand der Vorbilder des Renaissance- Zeitalters, vornehmlich der Prachtdecorationen Venedigs, umzuschassen bestrebt war. Der malerische Zug des modernsten Wiener Kunstgewerbes, der den früheren streng

Tagcloud #

Werbung
Technische Universität Graz
Eine führende Universität Europas

Andreas-Unterberger.at
Das nicht ganz unpolitische Tagebuch

content company:Styria
Großer österr. Medienkonzern

IMAGNO
Große Datenbank historischer Bilder