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Judenburg#

Judenburg
Wappen von Judenburg
© Verlag Ed. Hölzel, Wien, für AEIOU

Bundesland: Steiermark Judenburg, Steiermark
Bezirk: Murtal
Einwohner: 10.195 (Stand 2016)
Bevölkerungsentwicklung: Statistik Austria
Höhe: 737 m
Fläche: 63,77 km²
Postleitzahl: 8750
Website: www.judenburg.at
Mit 1.1.2015 wurde Judenburg im Rahmen der Gemeindestrukturreform des Landes Steiermark mit den Gemeinden
Oberweg und Reifling zusammengeschlossen; die neue Gemeinde trägt weiterhin den Namen Judenburg.

Judenburg - die Bezirkshauptstadt des Bezirks Murtal - liegt zwischen den Seetaler Alpen und Aichfeld im Tal der Mur (Obersteiermark).


Judenburg
Judenburg: Stadtturm
© Verlag Ed. Hölzel, Wien, für AEIOU

Schon lange bevor der Name Judenburg in Urkunden aufgetaucht ist, geben vorgeschichtliche Funde bruchstückhaft Auskunft über einen uralten Siedlungs- und Kulturboden. Der spektakulärste Fund aus der Frühgeschichte (um 600 v. Chr.) ist der Strettweger Kultwagen, der 1851 zusammen mit anderen wertvollen Bronzestücken zufällig bei der Abtragung eines Hügels ans Tageslicht kam. Dieser Fund kann auch als Zeugnis für bereits weitreichende Handelsbeziehungen des Judenburger Raumes in der Frühzeit gewertet werden. Eine originalgetreue Kopie des Kultwagens ist im Innenhof des ehem. Franziskanerklosters in der Herrengasse zu besichtigen, das Original steht im Landesmuseum Joanneum (Schloss Eggenberg).


"Judinburch" - so lautet der erste schriftliche Nachweis einer am Ostrand der Murterrasse gelegenen Burganlage, der in etwa aus der Zeit um 1074 stammt. Im Jahre 1103 erhalten wir bereits Kunde vom "mercatum Judenpurch", der ältesten steirischen Kaufmannssiedlung, die sich von einer lokalen Mautstelle für das Kloster St. Lambrecht zu einem wichtigen überregionalen Handelszentrum entwickeln sollte. 1148 wird zum ersten Mal die Kirche in Judenburg erwähnt. Die um 1224 zur Stadt erhobene Kaufmannssiedlung (Bürgergemeinde) und der dem Adel vorbehaltene Burgbezirk (Ritterstadt) wuchsen im Verlauf des 13. und 14. Jahrhunderts zusammen und wurden nach und nach durch eine Stadtmauer umschlossen. Die Stadt blühte auf, Privilegien wie das Stapelrecht, das Monopol des Speik- und Roheisenhandels und die Prägung des "Judenburger Guldens" (dieser war die erste Goldwährung in den Ländern der Habsburger) trugen dazu ebenso bei wie die verkehrsgeographisch günstige Lage Judenburgs. Speziell der Handel mit Italien florierte prächtig, Judenburger Kaufleute hatten für einige Jahrzehnte sogar eine eigene Handelsniederlassung in Venedig.
Seine wirtschaftliche Blütezeit erlebte die Stadt Judenburg im späten Mittelalter. Der um das Jahr 1500 erbaute Stadtturm, monumentaler Ausdruck von Wehrhaftigkeit und bürgerlichem Wohlstand, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit.
Im Laufe der Geschichte wurde Judenburg von zahlreichen verheerenden Stadtbränden heimgesucht und verlor auch durch großräumige Verlagerung der Handelsrouten an Bedeutung. Im 16.Jahrhundert entwickelte sich Judenburg - neben Graz und Weiz - schließlich zu einem Zentrum der steirischen Blankwaffenerzeugung und galt um 1600 als eine wichtige Schwertschmiede des Landes.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich durch den Bau der Kronprinz Rudolf-Bahn 1868 und den damit verbundenen Ansiedlung von Industriebetrieben die Stadt von einer Bürger- zur Arbeiterstadt. Es entstand der erste Judenburger Betrieb mit industriellem Charakter, der sich vor allem auf die Herstellung von Blechen spezialisierte. 1906 wurden die "Steirischen Gußstahlwerke AG" gegründet, deren spezialisierte Nachfolgebetriebe bis heute zentrale Arbeitgeber der Stadt sind.

Sehenswert in Judenburg (und Umgebung) sind heute u.a.

  • Stadtturm: Der 75 m hohe, viergeschossige Wehr- und Feuerwachturm gehörte zur Stadtbefestigung und ist Österreichs höchster freistehender Turm. Das Wahrzeichen von Judenburg wurde 1449 bis 1509 erbaut.
    (Ursprünglich wurde er als Glockenturm für die benachbarte Stadtpfarrkirche St. Nikolaus gebaut, die keinen eigenen Kirchturm besitzt. Er diente aber auch als Wachturm in Bezug auf Brände, die bis ins 19. Jahrhundert hinein sowohl die Stadt als auch den Turm selbst heimsuchten. Sein heutiges Aussehen erhielt der Stadtturm nach dem letzten Großbrand im Jahr 1840. Heute befindet sich im Turm in 50 m Höhe eines der modernsten Planetarien Europas.)
  • Stadtpfarrkirche: wurde nach 1413 erbaut, ab 1478 erweitert, 1504-37 umgebaut, ab 1670 barockisiert, 1899-1902 außen umgestaltet. Hier befinden sich 10 barocke Apostelstatuen (um 1750), eine lebensgroße Kalksteinfigur der "Judenburger Madonna" (um 1420-25) von Hans von Judenburg und in den Nordemporen seit 1970 eine Sammlung sakraler Kunst.
  • ehemalige Jesuitenkirche und -kolleg (ab 1620, 1357 als Augustiner-Eremitenkloster gegründet, jetzt Festhalle und Stadtmuseum)
  • Magdalenenkirche (14. Jahrhundert) mit gotischen Glasgemälden der "Judenburger Werkstatt" und Fresken (14. Jahrhundert)
  • Kalvarienbergkirche (1720-22)
  • ehemaliges Minoritenkloster (gegründet um 1257)
  • ehemaliges Klarissinnenkloster (13. Jahrhundert)
  • ehemalige Burg (heute Gerichtsgebäude) 1596-1600 erbaut, Umbau von F. P. Carlone 1677-79
  • im Feeberggraben: Schloss Weyer (16. Jahrhundert)
  • Ansitze Torhof (1616/17) und Grubhof (15. Jahrhundert, Ausbau 1652)
  • Schloss Neu-Liechtenstein (um 1650)
  • Ruine Liechtenstein (urkundlich 1140), Reste des Palas erhalten

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