unbekannter Gast

Kartographie#

Wissenschaft und Technik des Entwurfs, der Herstellung und des Gebrauchs kartographischer Darstellungen in analoger oder digitaler Form. Die Kartographie hat die Aufgabe, raumbezogene Informationen durch ein System geometrisch gebundener graphischer Zeichen zu vermitteln. Weiters hat sie die theoretischen und praktischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass (karto-)graphische Darstellungen entstehen, aus denen die Benutzer eine möglichst zutreffende Vorstellung oder Erkenntnis der vergangenen, gegenwärtigen oder geplanten Wirklichkeit gewinnen. Hauptanwendungsgebiete der Kartographie sind die Herstellung von topographischen Karten (Land-, See- und Luftfahrtkarten) zur allgemeinen Orientierung und von thematischen Karten zur Darstellung spezieller räumlicher Sachverhalte.

Die Kartographie besitzt in Österreich eine lange Tradition: Im 15. Jahrhundert entstanden bereits hervorragende Karten aus der Klosterneuburger bzw. Wiener Schule, zum Beispiel die Fridericuskarte um 1421. Es folgten von den Landständen angeregte Aufnahmen, wobei Tirol mit Matthias Burgklechner und später Peter Anich führend war. Seit den schlechten Erfahrungen mit unzureichendem Kartenmaterial im 7-jährigen Krieg wurde eine systematische Landesaufnahme durch Ingenieuroffiziere des k. k. Generalquartiermeisterstabs durchgeführt (Josephinische bzw. Franzisceische Landesaufnahme). Besondere Impulse bekam die österreichische Militärkartographie durch die Eingliederung des Mailänder Militärgeographischen Instituts 1816 bzw. die Zusammenlegung mit der österreichischen Topographisch-lithographischen Anstalt 1839 zum k. k. Militärgeographischen Institut in Wien. Besondere Leistungen waren die Herstellung der Spezialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie 1 : 75.000 in nur 18 Jahren (Franziskojosephinische Landesaufnahme) und (in Zusammenarbeit mit dem k. u. k. Kriegsvermessungswesen) die Herstellung von insgesamt 71 Millionen Landkarten im 1. Weltkrieg. 1862 trat Österreich der Mitteleuropäischen Gradmessung (später Internationale Erdmessung) bei. Um den Bedarf von Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft an genauen Karten zu decken, begann 1896 die Vierte Landesaufnahme. 1921 erfolgte eine Umwandlung in das Bundesvermessungsamt und 1923 in das heute noch bestehende Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV).

Heute werden alle amtlichen Karten und Folgeprodukte von der Gruppe Landesaufnahme des BEV hergestellt. Grundlage ist seit den 50er Jahren die Österreich-Karte 1 : 50.000 (ÖK50), die 213 Kartenblätter umfasst und mit einer erweiterten Randausstattung sowie zusätzlichen Karteninhalten (Gitterlinienverstärkungen, Sanitätsinformationen) als Österreichische Militärkarte (ÖMK50) in der Landesverteidigung Verwendung findet. Abgeleitete Kartenwerke sind die Österreich-Karte 1 : 200.000 (ÖK200) mit 23 Kartenblättern und die ein Kartenblatt umfassende Österreich-Karte 1 : 500.000 (ÖK500). Eine reprotechnische Vergrößerung der ÖK50 auf 1 : 25.000 ist die ÖK25V, der ÖK500 auf 1 : 300.000 die ÖK300V.

Neben diesen traditionellen Karten werden von der amtlichen Kartographie folgende Kartenwerke angeboten: Die orthogonal umgebildete verzerrungsfreie Luftbildkarte 1 : 10.000 (ÖLK10), die Österreichische Basiskarte 1 : 5000 (bestehend aus Orthofoto, Höhenschichtenlinienplan und Katasterplanverkleinerung) sowie ein bereits für ganz Österreich vorhandenes digitales Geländehöhenmodell (DGHM) im 50-m-Raster, weiters ein topographisches Modell (TM) mit digitaler Vektorinformation ausgewählter Inhalte sowie ein kartographisches Modell (KM) mit der kompletten digitalen Rasterinformation der ÖK50 mit einer Auflösung von 200 Linien/cm.

Die Kartographie ist in Österreich an der Universität Wien (Institut für Geographie, Abteilung Kartographie) und an der Technischen Universität Wien (Institut für Kartographie und Reproduktionstechnik) institutionell verankert, außeruniversitär am Joanneum in Graz. Die Privatkartographie wird vor allem durch die beiden großen kartographischen Verlage Freytag-Berndt (Gustav Freytag) und Eduard Hölzel sowie die Alpenvereinskartographie repräsentiert. Die Firma GEOSPACE in Salzburg ist auf die Herstellung von Satellitenbildkarten spezialisiert. Daneben gibt es eine Reihe von kartographischen Firmen, die Gebrauchskarten herstellen.

Die kartographische Forschung in Österreich befasst sich unter anderem mit der Entwicklung von EDV-gestützten geographischen Informationssystemen (GIS) zur Aufbereitung, Verarbeitung und Visualisierung von räumlichen Sachverhalten sowie mit Hilfe der digitalen Bildverarbeitung zur Aufbereitung von Orthofotos, Satellitenbildern und Radarbildern, in Verbindung mit Geländehöheninformationen auch zur Herstellung von quasi-dreidimensionalen Darstellungen und Animationen.