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Neue Sachlichkeit#

Vom deutschen Kunsthistoriker G. F. Hartlaub eingeführte Bezeichnung für eine ab zirka 1925 auftretende Kunstrichtung, die zwar bestimmte gemeinsame Merkmale mit dem Expressionismus besitzt, im Gegensatz zu diesem aber einen stärkeren Wirklichkeitsbezug aufweist. Die Neue Sachlichkeit stellt einen wichtigen Abschnitt der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit dar, bildet teilweise aber auch den Übergang zur nationalsozialistischen Kunst. Wichtige Vertreter in Österreich waren Rudolf Wacker, Sergius Pauser, Franz Sedlacek, Ernst Nepo, Herbert Ploberger, Wilhelm Traeger, aber auch Spätwerke von Albin Egger-Lienz zählen zur Neue Sachlichkeit.

In der Literatur trägt die Neue Sachlichkeit deutliche Züge einer Gegenbewegung zum Expressionismus, dessen Subjektivität und gefühlsbetontes Pathos von einer objektiv-dokumentarischen Schreibweise verdrängt wird. Reportage und kritischer Essay (Egon Erwin Kisch, Joseph Roth) treten in den Vordergrund; auch der auf wissenschaftlichen Quellen basierende historische Roman, insbesondere die Romanbiographie (Robert Neumann) erlebt einen Höhepunkt; ein Vertreter des neusachlichen Dokumentarromans ist Rudolf Brunngraber mit "Karl und das 20. Jahrhundert" (1932). Aktuelle Zeitthemen werden in den Dramen Ferdinand Bruckners und Ödön von Horváths aufgegriffen. Neusachliche Stilmittel wurden zudem durch Innovationen im Bereich des Rundfunks populär (Hörspiel, Hörbericht).

Literatur#

  • K. Schröder, Die Neue Sachlichkeit in Österreich, Ausstellungskatalog, Kunstforum Wien 1995