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vom 30.12.2017, aktuelle Version,

Bürmoos

Bürmoos
Wappen Österreichkarte
Wappen von Bürmoos
Bürmoos (Österreich)
Bürmoos
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Salzburg
Politischer Bezirk: Salzburg-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: SL
Fläche: 6,94 km²
Koordinaten: 47° 59′ N, 12° 56′ O
Höhe: 436 m ü. A.
Einwohner: 4.869 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 702 Einw. pro km²
Postleitzahl: 5111
Vorwahl: 06274
Gemeindekennziffer: 5 03 05
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Ignaz Glaser-Straße 59
5111 Bürmoos
Website: www.buermoos.at
Politik
Bürgermeister: Peter Eder (SPÖ)
Gemeinderat: (2014)
(21 Mitglieder)

14 SPÖ, 2 ÖVP, 3 FPÖ, 2 (Grüne) [1]

Lage der Gemeinde Bürmoos im Bezirk Salzburg-Umgebung
AnifAntheringBergheimBerndorf bei SalzburgBürmoosDorfbeuernEbenauElixhausenElsbethenEugendorfFaistenauFuschl am SeeGömingGroßgmainHallwangHenndorf am WallerseeHinterseeHof bei SalzburgKöstendorfLamprechtshausenMattseeNeumarkt am WallerseeNußdorf am HaunsbergOberndorf bei SalzburgObertrum am SeePlainfeldSankt Georgen bei SalzburgSankt GilgenSchleedorfSeehamSeekirchen am WallerseeStraßwalchenStroblThalgauWals-SiezenheimGrödigKopplSalzburgSalzburg Lage der Gemeinde Bürmoos im Bezirk St. Johann im Pongau (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Luftbild von Bürmoos
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Bürmoos ist eine Gemeinde im Norden des österreichischen Bundeslandes Salzburg mit 4869 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017). Der erst 1967 zu einer eigenständigen Gemeinde gewordene Ort gilt als wirtschaftlich aufstrebend und bezieht seine Identität besonders auch aus der historischen und gegenwärtigen Bedeutung der umliegenden Moorlandschaft; traditionelle Land- und Forstwirtschaft spielt seit Anbeginn der Landgemeinde kaum eine Rolle. Wirtschaftliches Aushängeschild und größter Arbeitgeber ist ein weltweit agierender Hersteller von zahntechnischen Instrumenten.

Namensgebung und Aussprache

Das Gebiet wird nach seiner landschaftlichen Beschaffenheit, dem Moor bzw. (als sprachliche Variante) nach dem „Moos“ benannt. Das Wort Bürmoos bezeichnete ursprünglich das hier existierende Moor selbst; die Benennung hat sich im Laufe der Entwicklung einer menschlichen Ansiedlung auf diese übertragen, und das Moorgebiet trägt heute die Bezeichnung Bürmooser Moor.

Der Wortteil Bür- im Ortsnamen leitet sich von Birke her. Die lautliche Entwicklung erfolgte dabei von Birkmoos zu Birchmoos, weiter zu Biermoos und letztlich zu Bürmoos.[2] Die heutige Ortsgegend war also ein ursprünglich mit Birken durchwachsenes Moor und grenzte sich somit vom nördlich davon befindlichen Flurgebiet Weidmoos ab. Verschiedene im Ort selbst kolportierte, alternative Erklärungen basieren auf zufälligen lautlichen Ähnlichkeiten mit anderen Wörtern, sind aber sprachwissenschaftlich haltlos, realhistorisch teils unglaubwürdig und haben rein laienetymologischen Charakter.

Eingesessene Bürger des Ortes sprechen den Namen der Gemeinde noch in der lautgeschichtlich früheren Form Biermoos, also mit langem i [ i: ] aus, wie es auch schriftlich in alten Landkarten verzeichnet ist;[3] im Allgemeinen ist jedoch heute der Gebrauch von Bürmoos, also die Aussprache mit langem ü [ y: ], die Regel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als diese schon üblich war, empfand man aber die frühere Form mit i noch als die „richtigere“.[4] Zur Zeit des lautlichen Wandels von [i:] zu [y:] war vereinzelt auch die Schreibung Bührmoos anzutreffen.[5]> Aufgrund der Tatsache, dass die Bedeutung des vorderen Wortteiles Bür- nicht mehr klar ersichtlich ist, taucht – wie auch bei anderen Ortsnamen immer wieder anzutreffen[6] – das Phänomen auf, dass bei der Aussprache des Namens die Betonung nicht mehr ausschließlich auf der ersten Silbe vorgenommen wird, sondern das Wort oft auch auf dem hinteren Wortteil -moos betont wird.[7]

Geografie

Die Gemeinde Bürmoos liegt rund 25 km nördlich der Landeshauptstadt Salzburg im Nordwesten des Bezirkes Salzburg-Umgebung (Flachgau) auf einer Seehöhe von 436 Metern und umfasst 7 km². Der Ort grenzt im Süden, Westen und Norden an die Gemeinde Sankt Georgen bei Salzburg und im Osten an Lamprechtshausen. Bürmoos gehört zum Gerichtsbezirk Oberndorf.

Die Ortschaft wurde auf einem ehemaligen Moorgebiet erbaut, das Gelände ist durchwegs flach und zum Teil noch von Moorwald und renaturierten Moorflächen geprägt. Der bezeichnende Name „Grundlose Straße“ für eine Straße in Nordosten der Gemeinde weist noch auf die Zeit der Erschließung des Moorgebietes hin. Auch der Ortsname „Bürmoos“ selbst zeugt – wie zahlreiche andere Toponyme der Gegend, die das Wort „Moos“ beinhalten – von der Bodenbeschaffenheit. Zudem weist das durch Torferde braun gefärbte Wasser eines Weihers im Ortszentrum auf die Lage in einer moorigen Landschaft hin. Dieser sogenannte Bürmooser See war durch den Lehmabbau eines nahe gelegenen Ziegelwerks Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden und wird heute zu Freizeitzwecken genutzt.

Der besiedelte Teil der Gemeindefläche von Bürmoos ist fast zur Gänze von Waldungen umgeben und liegt an keinem größeren Fließgewässer. Es gibt lediglich einen kleinen Abfluss des Bürmooser Sees und im westlichen Teil der Gemeinde mit dem Rothbach[8] ein 3,2 km langes Gewässer, die beide in den kleinen Pladenbach münden. Dieser bildet im Osten und Süden von Bürmoos die Gemeindegrenze zum benachbarten Lamprechtshausen und fließt wenige Kilometer flussabwärts im Gemeindegebiet von Sankt Georgen in die Moosach, welche selbst kurz darauf in die Salzach mündet.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Bürmoos umfasst die – im verwaltungstechnischen Sinne – einzige Ortschaft gleichen Namens und die Gemeindefläche ist identisch mit der ebenfalls einzigen und gleichnamigen Katastralgemeinde. Sie unterteilt sich in folgende Gemeindeteile:

  • Alm
  • Kellerwald
  • Laubschachen
  • Pladenfeld
  • Ringofen
  • Stierling
  • Zehmemoos

Stierling wird als Rotte, alle anderen Gebiete werden als Siedlungen gewertet. Dabei zeigt allein Zehmemoos eine eigene kleinräumige, örtliche Identität. Ringofen gilt als Gewerbegebiet. In der Gemeinde selbst unterscheidet man gegebenenfalls zusätzlich zwischen Bürmoos Ort, einem kleinräumigen Bereich zwischen katholischer und evangelischer Kirche, und dem Moorfeld, dem unbesiedelten Bereich des Bürmooser Moores, der zum Teil als Erholungsraum genutzt wird.

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Bürmoos war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts praktisch unbesiedelt, in großen Teilen auch eine nicht begehbare, torfhaltige Moorlandschaft. Einzige Ausnahme war ein Knüppelweg zum jetzt nicht mehr vorhandenen Grundlosen See und weiter durch das Moor zum westlich gelegenen Laubschacher, einem Schotterhügel, den der eiszeitliche Gletscher übrig ließ. Im Grundlosen See wurden bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts menschliche Überreste, später eine endständige Lappenaxt[5] aus der Hallstatt-A-Periode sowie 1947 neun Bronzenadeln aus der Bronzezeit gefunden. Auch die frühgeschichtlichen Funde in den umgebenden Gemeinden St. Georgen (Ortschaften Eching und Vollern), Göming, Nußdorf und Michaelbeuern zeugen von der Besiedlung des Gebietes im nördlichen Flachgau und lassen den Schluss zu, dass das Moor begangen wurde.

Mit dem einsetzenden Torfabbau begann die Erschließung des Gebietes. Die dicke Lehmschicht unterhalb des Moores wurde ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zur Ziegelproduktion verwendet. Im späten 19. Jahrhundert kam es aufgrund des billigen Brennstoffs zur Aufnahme einer bis 1929 betriebenen Glasproduktion durch den aus Böhmen stammenden Fabrikanten Ignaz Glaser. Mit ihm waren einige ebenfalls von dort stammende Familien nach Bürmoos gekommen.

Aus der Francisko-Josephinischen Landesaufnahme

Um die Jahrhundertwende wurde Bürmoos noch nicht als eigene Ansiedlung geführt. So verzeichnet eine Landkarte von 1900 für das Gebiet der heutigen Gemeinde nur die Glasfabrik sowie einen Ziegelofen auf Höhe Zehmemoos und die Eisenbahnstation Bürmoos der noch neuen Bahnstrecke Salzburg–Lamprechtshausen.[9]

In den dreißiger Jahren war der Ort als „Armenhaus“ Salzburgs bekannt.

Nach 1945 wurde Bürmoos der erste Anlaufort für zahlreiche Flüchtlinge aus Südosteuropa. Von den fünfziger Jahren bis zur Jahrtausendwende konnte die Gemeinde einen großen wirtschaftlichen Aufschwung verzeichnen, der mit einer Verdreifachung der Einwohnerzahl verbunden war.

Die einzelnen Siedlungsgebiete der heutigen Gemeinde Bürmoos waren bis 1967 Teile von St. Georgen und Lamprechtshausen. Erst am 1. Juli 1967 wurde Bürmoos zu einer selbständigen Gemeinde ernannt und ist damit die jüngste des Landes Salzburg. Am 20. Oktober 1967 fand die konstituierende Sitzung der ersten gewählten Gemeindevertretung statt und Karl Zillner, der seit der Gemeindegründung als „Gemeindeverwalter“ fungierte, wurde einstimmig zum ersten Bürgermeister des Ortes gewählt. Das neu geschaffene Bürmoos zählte zu diesem Zeitpunkt 2.604 Einwohner.

Bevölkerungsentwicklung

Daten lt. Statistik Austria[10]

Politik

Wappen

Wappen von Bürmoos

Acht Jahre nach Gründung der Gemeinde wurde im Bürmooser Gemeinderat 1975 der Wunsch nach einem Gemeindewappen laut.[11] In der Folge wurde der Bürmooser Josef Buchsteiner beauftragt, Entwürfe anzufertigen. Bei seiner Suche nach Symbolen, die das Wesen des Ortes ausmachten, entschied sich Buchsteiner für das Kammrad (Industrie), den Torfbreitstecher (Moor), einen Arbeiter (Menschen) und für Hausgänse, die das Ortsbild des frühen Bürmoos beherrschten.

Bis zum 12. Jänner 1976 fertigte Josef Buchsteiner 35 verschiedene Wappenentwürfe mit diesen Symbolen und den Farben Rot, Schwarz und Blau an. Die Gemeindevertretung nahm daraus fünf in die engere Wahl und Bürgermeister Karl Zillner legte diese der zuständigen Stelle der Salzburger Landesregierung vor, wo sie mit einigem Unwillen entgegengenommen wurden. Kritik wurde insofern geübt, als die Wappengestaltung in bestimmten Punkten nicht den heraldischen Ansprüchen genüge, so etwa die Darstellung der Vögel. Später von Zillner vorgebrachte Belege, dass in anderen österreichischen Gemeinden wohl Wappen mit den bemängelnden Punkten existierten, blieben unbeachtet. Vorschläge seitens der Landesregierung zu Abänderungen wurden im Bürmooser Gemeinderat abgelehnt. Nach längeren Diskussionen sprach die Behörde Bürmoos das Wappen am 31. Oktober 1979 zu, nachdem Bürgermeister Zillner in seiner weiteren Funktion als Landtagsabgeordneter im Salzburger Landtag Unterstützung erbeten hatte.

Die Blasonierung des Wappens lautet: „Der Schild durch einen erniedrigten schwarzen Schräglinksbalken von Blau und Rot geteilt, darin oben in Umrißlinien nebeneinander zwei rechtsfliegende silberne Vögel (idealisiert dargestellte Hausgänse) und darunter ein goldener Torfbreitstecher, eingestellt in die untere Hälfte eines goldenen Kammrades.“[12]

Bürgermeister

Erster Bürgermeister der Gemeinde Bürmoos war bis zu seinem Freitod am 11. Juli 1983[13] der für die SPÖ auch im Salzburger Landtag als Abgeordneter vertretene Karl Zillner (1926–1983). Schon zuvor war er seit 1964 Bürgermeister der Gemeinde Sankt Georgen gewesen und hatte vom Gründungstag der Gemeinde Bürmoos bis zu den ersten Gemeinderatswahlen die Leitung der Amtsgeschäfte als Gemeindeverwalter inne. Zillner galt als ein Mann der Basis und genoss großes Vertrauen bei der Bevölkerung. Bei den letzten von ihm angeführten Gemeinderatswahlen 1979 errang die SPÖ mehr als 90 % der Stimmen.[14] Der tatkräftige Politiker wird als „Vater der Gemeinde“ in Ehren gehalten; ein Platz in Bürmoos ist nach ihm benannt.

Nach Zillners Tod übernahm Franz Roschanek (1922–1993) das Bürgermeisteramt. Der – gleich wie Zillner aus einer Arbeiterfamilie stammende – Kommunalpolitiker war zuvor seit langem Gemeinderatsmitglied „in zweiter Reihe“ gewesen, doch als Vertrauter Zillners war seine Wahl zum ersten Bürger der Gemeinde einstimmig. Roschanek musste das Amt jedoch schon im Oktober 1988 aus gesundheitlichen Gründen zurücklegen. Unter seiner Leitung kam erstmals eine Frau in den Bürmooser Gemeinderat, wogegen sich Zillner stets gewehrt hatte.

Als dritter Bürgermeister der Gemeinde hatte Martin Seeleithner (* 1948) das Amt inne. Der ursprünglich aus Wals stammende Seeleithner war zuvor 1979–1984 Gemeinderatsmitglied und ab 1987 Vizebürgermeister gewesen und hatte die Funktion des Bezirkssekretärs der SPÖ Flachgau inne. Seeleithner war zwar nicht der erste, dem nach dem Rücktritt Roschaneks parteiintern das Amt angeboten wurde, doch er konnte sich die Sympathien der Bevölkerung sichern; der Stimmenanteil bei der ersten Bürgermeister-Direktwahl 1994 lag bei 84 %.[15] Seeleithner blieb bis 2009 Bürgermeister, wobei er nach parteiinternen Streitigkeiten ab 2003 mit einer eigenen Liste im Gemeinderat vertreten war. Für die Verdienste um die Gemeinde und seine Arbeit als Bürgermeister wurde ihm 2015 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen.

Seit den Bürgermeisterwahlen 2009 ist Peter Eder (* 1970) Bürgermeister. Eder stammt aus einer Familie, die sich traditionell in der SPÖ engagiert, sein gleichnamiger Vater ist Bürgermeister der Gemeinde Lend. Eder kam über seine gewerkschaftliche Tätigkeit erst nach Salzburg, später nach Bürmoos. Bei den Wahlen 2009 konnte im ersten Wahlgang kein Kandidat die erforderliche Mehrheit erringen, Eder erhielt 49 %, Seeleithner 39 % der Stimmen,[16] die restlichen gingen an andere Kandidaten. Da Seeleithner auf eine weitere Kandidatur verzichtete, war Eder im zweiten Wahlgang alleiniger Kandidat. Er erhielt 79,4 % Ja-Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 53 %.[16] Bei den Bürgermeisterwahlen 2014 war er mit 78,3 %[17] gegen zwei weitere Kandidaten erfolgreich.

Bürgermeister Amtsperioden Direktwahl
Karl Zillner (SPÖ) 1967–1983
Franz Roschanek (SPÖ) 1983–1988
Martin Seeleithner (SPÖ) 1988–1994
Martin Seeleithner (SPÖ) 1994–1999 1. Wahlgang
Martin Seeleithner (SPÖ / LBS) 1999–2004 1. Wahlgang
Martin Seeleithner (LBS) 2004–2009 1. Wahlgang
Peter Eder (SPÖ) 2009–2014 2. Wahlgang
Peter Eder (SPÖ) seit 2014 1. Wahlgang

Gemeindevertretung

Politisches Spektrum

Gemeindeamt von Bürmoos und Mehrzweckhalle

In gewisser Weise bezeichnend für Bürmoos ist seine inselhafte politische Ausrichtung. Mit der Ansiedlung von Arbeitern im 19. Jahrhundert und der bis heute industriell, kleingewerblich und handwerklich dominierten Wirtschaft ist der Ort traditionell sehr stark sozialdemokratisch orientiert und somit gemeindepolitisch von der SPÖ beherrscht, während im Umkreis die Gemeinden meist ländlich strukturiert sind und von der ÖVP dominiert werden. Diese spielt im Bürmooser Gemeinderat hingegen – gleich wie andere politische Parteien – eine nur marginale Rolle. Differenzen innerhalb der Ortsorganisation der SPÖ führten dazu, dass sich im Herbst 2003 der damalige Bürgermeister Martin Seeleithner mit einer eigenen Liste LBS (Liste Bürmoos Seeleithner) von der Partei abspaltete. Grund dafür war die Entscheidung der SPÖ, als Bürgermeisterkandidaten nicht mehr Seeleithner, sondern den jungen Peter Eder aufzustellen. Bei den Gemeinderatswahlen 2004 konnte Seeleithner mit dieser weiterhin die stimmenstärkste Fraktion stellen, und die LBS war von 2009 bis 2014 weiterhin stark im Gemeinderat vertreten. Bei den Wahlen 2014 trat die Liste nicht mehr an.

Obwohl es von Beginn an im Gemeinderat eine Vertretung der ÖVP gibt, wurde eine Ortsorganisation dieser Partei erst 1983 gegründet, die sich aus Wirtschaftstreibenden und dem in Bürmoos nun eher gering vertretenen bäuerlichen Milieu rekrutierte. Doch diesen Vertretern war eine Änderung der Salzburger Gemeindeordnung zu verdanken, nach der kleine Fraktionen in der Gemeindevertretung mehr demokratisches Gewicht erhielten.[18]

Die FPÖ trat in Bürmoos erstmals 1979 zur Gemeinderatswahl an, konnte aber erst zehn Jahre später ein erstes Mandat erreichen. Im Jahr 1994 trat die Partei unter der Bezeichnung F zu den Wahlen an. Dieses Kürzel stand für Die Freiheitlichen und wurde erst ab Jänner 1995 für die gesamte FPÖ bundesweit eine gewisse Zeitlang angewendet. Es handelte sich um eine Imagestrategie, mit einer Umbenennung der Partei und einer Kurzformel für ihren Namen diese als moderner und jugendlicher erscheinen zu lassen.[19] Dieses Vorgehen konnte jedoch keinen Stimmenzuwachs bewirken. Der Anteil der FPÖ liegt in Bürmoos heute bei 3 Mandaten.

Die aus der Grünbewegung hervorgegangenen Gemeinderatskandidaten traten 1984 erstmals unter der Bezeichnung GABL[20] bei den Gemeinderatswahlen an. Die Kandidatur 1989 lief unter der Bezeichnung Grüne Bürmooser Liste. Nach dieser Wahl zogen die Grünen erstmals mit 2 Vertretern in den Gemeinderat ein. Ab den Wahlen 1994 nannte sich die Gruppierung WIR für Bürmoos. 1994 stellte sie bei den ersten Bürgermeister-Direktwahlen mit Peter Haibach den einzigen Gegenkandidaten zu dem damals amtierenden SPÖ-Chef Martin Seeleithner. 2008 wurde ein offizieller Zusammenschluss der WIR mit den Grünen bekannt, 2014 trat die Gruppierung dann erstmals auch unter der Bezeichnung Grüne zu den Wahlen an.

Die KPÖ gründete in den 1930er Jahren in Bürmoos eine Ortsgruppe. Sie trat ab dem Gründungsjahr der Gemeinde (mit Ausnahme von 1979) bis 1989 bei den Gemeinderatswahlen an, konnte jedoch nie ein Mandat erzielen. Nach dem letztmaligen Antreten löste sich die Ortsorganisation aufgrund von Überalterung auf.[21]

Zusammensetzung

Der Gemeinderat bestand nach der Gemeindegründung 1967 aus 17 Mitgliedern, die Anzahl wurde aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl schon 1974 auf 19 angehoben. Seit 2004 befinden sich 21 Gemeinderäte im Amt. Eine Frau zog erstmals 1984 auf SPÖ-Seite in die Gemeindevertretung ein.

Über die gesamte Zeit des Bestehens der Gemeinde zeigt sich eine starke Dominanz des sozialdemokratischen Lagers. Trotz generellen Stimmenverlusten der SPÖ in den letzten Jahrzehnten auf Bundesebene und in geringerem Maße auch in der Bürmooser Gemeinde verfügte das „rote Lager“ im Ort mit SPÖ und zeitweise zusammen mit der LBS bisher stets eine oft überwältigende Mehrheit (Höchstanteil 1979 mit 94,7 % der Gemeinderatssitze, geringster Anteil 1999 mit 63,1 %). Aktuell besetzen die Sozialdemokraten zwei Drittel der Sitze.

Gemeinderatsmitglieder [22]
Wahlen SPÖ ÖVP FPÖ Grüne LBS KPÖ
1967 15 2 0
1974 17 2 0
1979 18 1 0
1984 17 2 0 0 0
1989 14 2 1 2 0
1994 14 3 1 1
1999 12 3 2 2
2004 7 2 0 2 10
2009 11 1 1 1 7
2014 14 2 3 2

 : nicht zur Wahl angetreten

Gemeindevertretungswahl 2014

Nachdem die LBS bei den Gemeindevertretungswahlen 2014 nicht mehr antrat, verzeichneten in der Folge alle Parteien einen Stimmenzuwachs. Die SPÖ-Vertreter erhielten 63,2 % der Stimmen (+ 16,8) und damit 14 Sitze im Gemeinderat, die ÖVP 11,8 % (+ 4,8) und 2 Sitze, die FPÖ 13,4 % (+6,1) und 3 Sitze sowie die Grünen 11,6 % (+ 4,4) und 2 Sitze.[23]

Wahlverhalten

Landtagswahlen 2009 und 2013 – Stimmen in Bürmoos
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
43,3
(-18,4)
9,3
(-4,0)
17,5
(+3,3)
19,6
(+11,9)
2,1
(n. k.)
n.  k.
(n. k.)
8,2
(n. k.)
n.  k.
(-3,7)
2009



2013



Bei den Landtagswahlen 2004 und 2009 war in Bürmoos ein Wahlverhalten zu verzeichnen, das die örtlichen politischen Präferenzen widerspiegelt. Die SPÖ wurde in Bürmoos für den Salzburger Landtag etwa eineinhalb Mal so oft gewählt als im landesweiten Durchschnitt, und die ÖVP konnte im Jahr 2004 nur gut die Hälfte und 2009 gar nur etwas mehr als ein Drittel der Stimmen gegenüber dem Landesdurchschnitt für sich gewinnen. Die Stimmenanteile für die anderen Parteien entsprachen etwa dem Landesmittel.[24]

Auch bei der Landtagswahl 2013 behielt die SPÖ trotz großer Stimmenverluste gegenüber 2009 (-18,4 %) mit 43,3 % weiterhin die Mehrheit. Der Anteil der ÖVP nahm weiter ab (-4 %), sie erhielt 9,3 % der Stimmen. Die Stimmenverteilung der restlichen Parteien entsprach wiederum etwa dem Landesdurchschnitt.[25] Von den abgegebenen Stimmen waren 4,5 % ungültig, womit sich die Gemeinde landesweit noch im oberen Drittel befand. Die Wahlbeteiligung betrug 69,0 % und war damit eine der geringsten im gesamten Bundesland.[26]

Bei der Nationalratswahl 2008 war hinsichtlich der traditionellen Parteien SPÖ, ÖVP und FPÖ ein sehr ähnliches Wahlverhalten zu verzeichnen wir bei den Landtagswahlen 2013: Gegenüber der LTW 2013 erhielt die SPÖ -0,3 %, die ÖVP -0,5 % und die FPÖ -2,4 % Stimmenanteil.[27]

Bei der Volksbefragung 2013 zum Thema Wehrpflicht beim Bundesheer war Bürmoos die einzige Gemeinde im Land Salzburg, in der die Position der SPÖ eine Mehrheit fand (51,2 %).[28]

Verkehr

Öffentlicher Verkehr

Bahnhof von Bürmoos

Bürmoos weist einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Pendlern (Schüler und Berufstätige) vornehmlich in das nahe gelegene Oberndorf bei Salzburg und in die zirka 25 Kilometer entfernte Landeshauptstadt Salzburg auf. Daher kommt dem öffentlichen Verkehr eine bedeutende Rolle zu. Bürmoos ist durch die Linie S1 Salzburg–Lamprechtshausen der S-Bahn Salzburg erschlossen und halbstündlich, zeitweise viertelstündlich erreichbar. Außerdem zweigt am Bahnhof Bürmoos die S11 ins oberösterreichische Ostermiething ab. Beide Strecken wurden ursprünglich als Gütertransportwege errichtet (Bahnstrecke Salzburg–Lamprechtshausen erster Abschnitt eröffnet 1896, Bahnstrecke Bürmoos–Trimmelkam eröffnet 1951) und werden heute von der Salzburg AG betrieben. Im Gemeindegebiet befindet sich neben dem Bahnhof Bürmoos noch in Richtung Lamprechtshausen die Haltestelle Zehmemoos.

Individualverkehr

Bürmoos liegt an der nur 5,6 km langen L 115, der Bürmooser Landesstraße, welche die beiden Nachbargemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen verbindet. Sie zweigt in Lamprechtshausen von der Lamprechtshausener Straße (B 156) ab, durchquert in nordöstlich-südwestlicher Richtung das Bürmooser Gemeindegebiet und mündet bei der zu St. Georgen gehörenden Ortschaft Obereching in die L 205, die St. Georgener Landesstraße.

Straßennamen

Etliche Jahre nach Gründung der Gemeinde, nämlich am 28. April 1975, wurde im Bürmooser Gemeinderat der Entschluss gefasst, Straßen und Wege zu benennen.[29] Bis dahin wurde die Zuordnung der Hausnummern nach der zeitlichen Vergabe der Baugenehmigungen vorgenommen. Nunmehr sind die Straßen und Gassen Richtung Moor nach Tieren und Pflanzen benannt und im Ortszentrum finden sich Plätze und Verkehrswege mit Namen der Gründerväter, so etwa:

L  115 als Hauptstraße (Ignaz-Glaser-Straße) in Bürmoos
  • Antony-Seywald-Gasse: benannt nach einem Lehrer, der lange Zeit in Bürmoos arbeitete
  • Dr.-Eugen-Zehme-Straße: benannt nach dem ehemaligen Besitzer des nach ihm bezeichneten Ortsteiles Zehmemoos
  • Georg-Rendl-Weg: benannt nach dem Schriftsteller Georg Rendl, der einige Jahre in Bürmoos lebte und seine Eindrücke in der Romantrilogie „Die Glasbläser von Bürmoos“ verarbeitete
  • Gugg-Gasse: benannt nach dem Tischler der ehemaligen Glasfabrik
  • Ignaz-Glaser-Straße: benannt nach dem Industriellen Ignaz Glaser, dem faktisch der Aufbau dieses Ortes zu verdanken ist
  • Julius-Fritsche-Gasse: benannt nach dem Direktor der ehemaligen Glasfabrik
  • Karl-Zillner-Platz: benannt nach dem ersten Bürgermeister von Bürmoos
  • Pater-Felix-Platz: benannt nach dem Pfarrer in Bürmoos, unter dem die katholische Kirche gebaut und Bürmoos zur Pfarre erhoben wurde

Wirtschaft

Bürmoos gilt als wirtschaftlich aufstrebende Gemeinde. Zwischen 1991 und 2001 nahm die Anzahl der Arbeitsstätten um 71 %, die Anzahl der Beschäftigten um 61 % zu.[30] Handel und Gewerbe dominieren die wirtschaftliche Struktur; rund 77 % der in Bürmoos Beschäftigten arbeiteten 2001 in diesem Sektor.[31]

W&H Dentalwerk – Werk  I

Neben dem Handel, Kleingewerbe, Handwerk und leichtindustriellen Unternehmen mit vorwiegend lokaler Bedeutung sind auch zwei bedeutende Betriebe in Bürmoos angesiedelt:

  • W&H Dentalwerk, einer der weltweit führenden Erzeuger von Präzisionsgeräten für Zahnmedizin und Mikrochirurgie
  • ein Zweigwerk der Firma Miele, Hersteller von Waschmaschinen und Küchengeräten für Haushalt und Gewerbe

Die Gemeinde Bürmoos wurde eine Zeitlang von der „Seenland Tourismus GmbH“, einer dem Regionalverband „Salzburger Seenland“ zugehörigen Gesellschaft zur Förderung des Tourismus im nördlichen Flachgau, als Mitglied des „Salzburger Seenlands“ gezählt.[32] Der Ort liegt aber abseits dieser touristischen Region und hat in keiner Weise Anteil am dortigen Fremdenverkehr.

Gesellschaft

Katholische Pfarrkirche St. Josef
Evangelische Lukaskirche

Demographische Daten

Die Bürmooser Bevölkerung besteht zu 48,9 % aus männlichen und 51,1 % aus weiblichen Bewohnern. Knapp ein Fünftel der Einwohnerschaft (19,1 %) ist unter 15 Jahre alt, etwas mehr als ein Achtel (13,0 %) ist 65 Jahre und älter.[33]

Religionszugehörigkeit

Gut zwei Drittel der Einwohner (67,8 %) bekennen sich zum katholischen Glauben, 8,5 % zum evangelischen sowie 2,1 % zum Islam. Weiters erklären sich 12,5 % der Bewohner ohne religiöses Bekenntnis, zum jüdischen Glauben jedoch bekennt sich keine einzige Person.[33]

In Bürmoos existiert für die römisch-katholische und für die evangelische Christengemeinde je eine Kirche, in Zehmemoos zusätzlich eine katholische Kapelle, in der auch Messen abgehalten werden. Zudem gibt es einen religiösen Treffpunkt der Freien Christengemeinde.

Herkunft und Staatsangehörigkeit

Mit Stand von 2006 haben 92,7 % der Bevölkerung von Bürmoos die österreichische und 7,3 % eine andere Staatsbürgerschaft, jedoch 12,9 % der Bewohner sind nicht in Österreich geboren. Von all diesen aus dem Ausland stammenden Personen überwiegen die sogenannten EU-Ausländer bei weitem (54,6 %), gefolgt von Angehörigen aus dem ehemaligen Jugoslawien (30,6 %) sowie aus der Türkei (8,8 %).[33]

Öffentliche Einrichtungen

Auf dem Bildungssektor verfügt Bürmoos über die üblichen öffentlichen Institutionen einer kleinen Gemeinde:

  • Krabbelstube und Kindergarten
  • Volksschule
  • Hauptschule

Die Hauptschule nimmt seit dem Schuljahr 2009/2010 am Schulversuch „Neue Mittelschule“ teil. Im Schulgebäude ist eine Bibliothek eingerichtet, die auch der Öffentlichkeit als Leihbibliothek zur Verfügung steht.

Seniorenwohnhaus Bürmoos

Weitere öffentliche soziale Einrichtungen sind

  • Schülerhort „Kids Club Bürmoos“
  • Jugendzentrum
  • Seniorenheim

Darüber hinaus verfügt Bürmoos über einen Bauhof und einen Recyclinghof.

Neben den politischen und konfessionellen Gruppen gibt es in Bürmoos derzeit weitere zwölf Vereine und Gruppierungen mit sozialen Aufgaben und Zielsetzungen (Rotes Kreuz, Freiwillige Feuerwehr, Behindertenintegration etc.).[34]

Kultur

Aufgrund der relativ kurzen Geschichte des Ortes hinsichtlich Besiedelung und als eigenständige politische Einheit ist man in Bürmoos bestrebt, eine eigene Identität zu schaffen. Dies zeigt sich unter anderem in der vergleichsweise hohen Zahl an veröffentlichter Literatur zum Werden der Gemeinde sowie in der Existenz eines „Vereins Geschichte Bürmoos“, der sich die Dokumentation der Historie der Gemeinde zur Aufgabe gemacht hat. Im Oktober 2011 wurde, initiiert von diesem Verein, ein erster Teil des „Weges der Geschichte“ eröffnet, eine Reihe von Schautafeln zur Entstehung von Bürmoos. Ein Heimatmuseum, das Torf-Glas-Ziegel-Museum, wurde am 26. Oktober 2013 eröffnet.[35]

In Bürmoos ist das Salzburger Bildungswerk vertreten und organisiert Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, lokale und regionale Geschichte sowie allgemeine Bildung, so unter anderem eine Zeitlang das Ignaz-Glaser-Symposion zu sozialpolitischen Themen.

Veranstaltungen auf dem kulturellen Sektor umfassen Konzerte ansässiger Musikvereine, Vorträge des Bürmooser Film- und Fotoklubs u. a. m. Zudem organisierte eine Zeitlang die „Kulturinitiative Flachgau“ Lesungen, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen. Seit 1989 existiert eine Laientheatergruppe, die regelmäßig Stücke produziert und seit 2007 im Kellertheater Bürmoos beheimatet ist.

Torfträgerin und Glasbläser – Skulpturen in Gedenken an die Entstehungszeit des Ortes

Historische Kunstobjekte sind in Bürmoos in Hinblick auf seine kurze Geschichte erklärlicherweise nicht vorhanden; die an öffentlichen Plätzen zu sehenden Gegenstände sind vorwiegend neueren Datums.

  • Bis 2010 existierte vor dem Gemeindeamt ein Brunnen des in Oberndorf bei Salzburg lebenden Künstlers Zoltan Pap. Er sollte an die Tradition von Dorfbrunnen als kommunikativer Treffpunkt der Bewohner anschließen.[36] Auf den nach dem Abbau der Brunnenskulptur stehen gebliebenen Grundkörper des Brunnens wurde im August 2014 ein neues Objekt der Bürmooserin Kathrin Demel aufgesetzt, das Bezugnahmen zur Gemeindegeschichte aufweist.[37] Zusätzlich steht seit Ende Oktober 2011 vor dem Gemeindeamt das „Tor der Zukunft“, ein Werk des bayrischen Künstlers Werner Pink.
  • Hinter dem Gemeindeamt befand sich der am 28. Mai 2003[38] eröffnete Miele Skulpturenpark, der künstlerisch gestaltete Metallobjekte zeigte, die von Mitarbeitern des im Ort ansässigen Miele-Betriebs entworfen und hergestellt worden waren. Die Skulpturen wurden Ende September 2014 zwecks Schaffung von Parkraunm für Kraftfahrzeuge beseitigt.
  • Vor der evangelischen Kirche steht ein vom Bildhauer Josef Zenzmaier 1969 geschaffenes Denkmal in Erinnerung an die Typhusepidemie in Bürmoos im Jahr 1945, bei der 16 Todesopfer zu verzeichnen waren. Die Vorderseite zeigt Raben als Totenvögel, das Relief einer trauernden Frauengestalt sowie die Namen und das Alter der verstorbenen Personen.[39]
  • Im Bereich der Schulen sind zwei Skulpturen aufgestellt, die ein Torf tragendes Mädchen und einen Glasbläser symbolisieren und an die Entstehungszeit des Ortes erinnern sollen. Da die Herstellung von Glas in Bürmoos schon lange der Vergangenheit angehört, agiert der Glasbläser bezeichnenderweise ohne einen Gegenstand in den Händen.

Es gibt im Ort keine denkmalgeschützten Objekte. Im Naturraum der Gemeinde existiert ein vom Torferneuerungsverein Bürmoos angelegter und 1996 eröffneter Naturlehrpfad.

Sport und Freizeit

Der Bürmooser See

In Bürmoos existieren 14 Sportklubs und Freizeitvereine. Eine dominante Rolle spielt dabei der 1927 gegründete Sportverein SV Bürmoos; der ihm angehörende Fußballklub spielt derzeit in der Salzburger Liga.

Als Naherholungsraum dient der Bürmooser See, der sommers von Badegästen und winters von Eisläufern und Eisschützen genutzt wird. Der nördliche Teil ist Domäne der Fischer. In den Jahren 2007–2009 fand als Kuriosum auf dem See ein volksfesthaftes Drachenboot-Rennen statt. Die als 3-Tages-Festival konzipierten Veranstaltungen fanden weithin großen Anklang und zogen jeweils etliche Tausend Besucher an.

Bürmooser Moor

Im Bürmooser Moor

Das Bürmooser Moor war ursprünglich Teil eines großen Moorkomplexes im Alpenvorland. Heute bildet die noch bestehende Moorlandschaft zwischen dem oberösterreichischen Ibmer Moor, dem zu Lamprechtshausen und Sankt Georgen gehörenden Weidmoos und dem Bürmooser Moor mit rund 2000 ha das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs.

Im Jahr 1700 verfügte der Salzburger Erzbischof Johann Ernst von Thun, dass „… alle Möser in den Gerichtsbezirken vor dem Gebirge beschrieben und urbar zu machen seien“.[40] Aber erst 1790 wurde mit der Kultivierung begonnen, im Zuge derer das Moor bzw. der dort gewonnene Torf als Brennstofflieferant für die später errichtete Glashütte und Ziegelei interessant wurde.

Vorerst wurde der Torf händisch abgebaut, ab 1967 bis zu seiner Einstellung im Jahr 2000 maschinell. Hinterließ der händische Abbau zwar eine veränderte Landschaft, so war diese doch noch moorähnlich und durchaus artenreich. Beim maschinellen Torfabbau hingegen blieb eine völlig ausgetrocknete, wüstenähnliche, weitgehend tote Landschaft zurück. Damit wollten sich viele Bürmooser nicht abfinden. So begann man schon in den 1980er Jahren mit den ersten Versuchen einer Renaturierung der abgetorften Flächen. 1993 wurde der „Torferneuerungsverein Bürmoos“ gegründet. Inzwischen sind bedeutende Flächen renaturiert. Das Wasser wurde wieder rückgestaut, Feuchtbiotope wurden angelegt und zahlreiche Bäume, Sträucher und andere Pflanzen gesetzt.

Birken im renaturierten Moor

Mittlerweile ist das Bürmooser Moor zu einem Lebensraum aus zweiter Hand geworden, das zahlreiche seltene, vielfach in der Umgebung schon ausgestorben geglaubte Pflanzen, Amphibien, Reptilien und Vögel beheimatet. Für die diesbezüglichen jahrelangen und erfolgreichen Bemühungen hat der Torferneuerungsverein zahlreiche Preise erhalten. Unter anderem wurde das Bürmooser Moor zum europäischen Vogelschutzgebiet „Natura 2000“ erklärt.

Aus dieser Geschichte erklärt sich, dass das Moor einen zentralen Anteil an der Identität der Bürmooser einnimmt, zumal die Entstehung der Gemeinde der Zuwanderung von Arbeitern aus verschiedenen Ländern zu verdanken ist, die für den Abbau des hier vorhandenen Torfes beschäftigt wurden.[41]

Industrielle Nutzung

Eine erste industrielle Nutzung des Moores war der Versuch, Brenntorf zu stechen und auf dem Wasserweg bis nach Wien zu bringen, was aber letztendlich an den hohen Frachtkosten scheiterte. Heinrich von Mertens, Bürgermeister der Stadt Salzburg von 1861 bis 1872, gründete 1866 eine Teerfabrik, die aber bereits 1868 in Konkurs ging. Lorenz Ritter von Stein kaufte aus der Konkursmasse die Fabrik und das Gut mit der Ziegelei und gründete 1871 die „Salzburger Torfmoorgesellschaft“ mit Sitz in Wien. Die Firma begann 1873 mit der Herstellung von Glas, einem Wirtschaftszweig, der bis 1929 Bestand hatte.[42] 1879 ging die Torfmoorgesellschaft in Konkurs und Alois Kupfer und sein Schwiegersohn Ignaz Glaser aus Prag übernahmen die Glashütte.[43]

Eine Garnitur der Bockerlbahn

Anfang des 20. Jahrhunderts bestand im Moor eine 14 km lange Schmalspurbahn als Transportsystem, die sogenannte „Bockerlbahn“. Im Zuge der Renaturierung durch den Torferneuerungsverein Bürmoos wurde beschlossen, das Schienennetz abzubauen. Im Besucherzentrum des Moores sind heute noch eine Lok und drei Wagen zu sehen.

In der Zeit der großen Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren war der Torfstich eine wichtige Erwerbsquelle für die Bewohner von Bürmoos. In privaten oder gemeindeeigenen Torfstichen sowie in ausgewiesenen Gebieten, die im Besitz der Salzburger Landesregierung waren, durfte von der Bevölkerung Torf gestochen werden. Das Heizmaterial wurde zum Eigenbedarf, aber auch als Zahlungsmittel gegenüber Kaufleuten verwendet.[41][44]

1947 begann die Österreichische Stickstoffwerke AG Linz mit der großindustriellen Herstellung von Brenntorf und Torfmull, ab Mitte der 1950er Jahre wurde nur noch Torfmull produziert. 1958 wurde mit dem Fräsabbau begonnen, der bis 2000 betrieben wurde. Bereits 1929 wurde die Glashütte, 1976 die Ziegelei geschlossen.[41]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde:

  • Marcus Hasenauer (* 1994), Pianist
  • Heribert Ortmeier (* 1929), Ehrenmitglied des Salzburger Fußballverbands, Gründungsmitglied des Roten Kreuzes – Zug Bürmoos

Personen mit Bezug zur Gemeinde:

  • Ignaz Glaser (1853–1916), Unternehmer, betrieb eine für die Entstehung der Gemeinde bedeutende Glasmanufaktur in Bürmoos
  • Georg Rendl (1903–1972), Dichter, Maler und Schriftsteller, lebte einige Jahre in Bürmoos
  • Georg Rohrecker (1947–2009), Historiker, lebte ab 1993 in Bürmoos
  • Martin Seeleithner (* 1948), Bürgermeister, Träger des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich für die Verdienste um die Gemeinde Bürmoos
  • Karl Zillner (1926–1983), Zweiter Präsident des Salzburger Landtags und Bürgermeister von Bürmoos

Ehrenbürger:

Literatur

  • Peter Eder (Hrsg.): Der rote Faden. 1907–2007. 100 Jahre Sozialdemokratie in Bürmoos und im Bezirk Flachgau-Nord. Gestaltung und Bearbeitung: Alois Fuchs, Eigenverlag der SPÖ Bürmoos, Bürmoos 2007.
  • Alois Fuchs: Bürmoos. Ein Lesebuch. Berichte, Fakten, Dokumente und Bilder aus der Geschichte einer Gemeinde. Eigenverlag, Bürmoos 1992, ISBN 3-9500164-0-6.
  • Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Eine Gemeindesoziologie in zwei Teilen. I. Das Glasbläserdorf. [= Salzburger sozialwissenschaftliche Studien 4a], Stifterbibliothek, Salzburg 1971.
  • Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Eine Gemeindesoziologie in zwei Teilen. II. Die Industriegemeinde. [= Salzburger sozialwissenschaftliche Studien 4b], Stifterbibliothek, Salzburg 1975.
  • Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997.
  • Paul Maresch sen.: In der Zeit der Glasbläser, der Torfstecher, der Ziegelmacher, … bis heute. [o. V.] Bürmoos 2005, ISBN 3-9501221-0-9.
  • Kurt Winkler, Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Eine Dokumentation mit Bildern und Text von 1829 bis 2007. [o. V.] Gemeinde Bürmoos bei Salzburg 2007.
  Commons: Bürmoos  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. http://www.salzburg.gv.at/20003stat/wahlen/gvw/index.htm#erg.33.0.0.0.1
  2. Franz Hörburger: Salzburger Ortsnamenbuch, bearbeitet von Ingo Reiffenstein und Leopold Ziller, herausgegeben von der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Eigenverlag, Salzburg 1982.
  3. Vgl. etwa die Katastralmappe im Franziszeischen Kataster, online im Geographischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS), abgerufen am 4. April 2013.
  4. Vgl. Hans Schreiber (Hrsg.): Die Moore Salzburgs. Verlag des Deutsch-österreichischen Moorvereins in Staab, Böhmen, Staab 1913, S. 164, Fußnote. – Bei dem Aussprachewandel von langem i [i:] zu einem langen ü [y:] handelt sich um den gängigen Effekt einer sogenannten Vokalrundung.
  5. 1 2 Vgl. Urgeschichte des Kronlandes Salzburg, bearbeitet von Georg Kyrle. Kunstverlag Anton Schroll, Wien 1918, S. 24; online auf www.literature.at, abgerufen am 20. Juli 2014.
  6. Einen völlig gleich gelagerten Fall stellt der Name der Salzburger Stadt Hallein dar, der sowohl auf der ersten als auch auf der zweiten Silbe betont wird. Der Name der oberösterreichischen Stadt Leonding wird sowohl auf dem e als auch auf dem o betont.
  7. So beispielsweise in den Tonbandansagen in den Zügen der Salzburger Lokalbahn bis Ende 2014.
  8. Der Name lautet gemäß dem Geographischen Informationssystem des Landes Salzburg (SAGIS) zur Unterscheidung zu anderen Gewässern desselben Namens Rothbach-Bürmoos. Alternativ zur amtlichen Bezeichnung existiert auch die Schreibung Rottbach, die auch in Bürmoos Anwendung findet.
  9. Aus der Franzisco-Josephinischen Landesaufnahme, Karte „Salzburg“ auf http://lazarus.elte.hu/ (abgerufen am 11. September 2011).
  10. Statistik Austria: Bevölkerungsentwicklung von Bürmoos (PDF-Datei; 35 kB).
  11. Zum Folgenden vgl. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 50ff.
  12. Friederike Zaisberger, Nikolaus Pfeiffer: Salzburger Gemeindewappen. Alfred Winter Verlag, Salzburg 1985, ISBN 3-85380-048-3, S. 31.
  13. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 28.
  14. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 25.
  15. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 38.
  16. 1 2 Vater & Sohn als Bürgermeister, „Salzburger Nachrichten“ 30. März 2009, Archiv abgerufen am 11. Mai 2013.
  17. Land Salzburg: Ergebnisse der Bürgermeisterwahlen 2014, abgerufen am 9. März 2014.
  18. Vgl. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 40.
  19. Florian Oberhuber: Stichwort F. In: Oswald Panagl, Peter Gerlich (Hrsg.): Wörterbuch der politischen Sprache in Österreich, Österreichischer Bundesverlag, Wien 2007, ISBN 978-3-209-05952-9, S. 133.
  20. Das Kürzel steht für Grün-Alternative Bürgerliste und wurde auch in anderen Gemeinden verwendet.
  21. Vgl. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 39f.
  22. Daten von 1967 bis 1994 aus: Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 47; Angaben zur KPÖ vgl. ebenda S. 39. Die Daten von 1999 und 2004 stammen aus Salzburger Nachrichten, 8. März 2004, Lokalbeilage S. 12 sowie die Zahlen für 2009 und 2014 von der Website des Landes Salzburg (Gemeindevertretungswahlen 2014, abgerufen am 10. März 2014).
  23. Land Salzburg: Ergebnislisten für die Gemeindevertretungswahlen 2014 und Bürgermeisterwahlen 2014, beide abgerufen am 10. März 2014.
  24. Statistik Austria: Angaben zum Wahlverhalten in Bürmoos 2004 und 2009 (PDF-Datei; 46 kB).
  25. Land Salzburg: Landtagswahl 2013, Detailergebnisse, abgerufen am 10. Mai 2013.
  26. Land Salzburg: Landtagswahl 2013, Gemeinderangliste, abgerufen am 11. Mai 2013.
  27. Land Salzburg: Landtagswahl 2013, Detailergebnisse, abgerufen am 10. Mai 2013.
  28. Die Ergebnislisten für das Land Salzburg (http://www.salzburg.gv.at/themen/se/sicherheit/volksbefragung/volksbefragung_ergebnis/volksbefragung_flachgau) sind nicht mehr abrufbar.
  29. Friedrich Lepperdinger: Bürmoos. Vom Werden einer modernen Industriegemeinde. Buchstab & Note/Stefan Adamski, St. Georgen/Salzburg 1997, S. 65.
  30. Statistik Austria: Ergebnisse der Arbeitstättenzählung 2001 (1) (PDF-Datei; 8 kB)
  31. Statistik Austria: Ergebnisse der Arbeitstättenzählung 2001 (2) (PDF-Datei; 17 kB)
  32. salzburger-seenland.at
  33. 1 2 3 Gemeindedaten auf Statistik Austria (PDF-Datei; 10 kB), Zählung von 2006.
  34. Angaben über Vereine laut Website der Gemeinde Bürmoos, abgerufen am 18. August 2010.
  35. www.buermoos.at, abgerufen am 2. November 2013.
  36. Karl Traintinger: Bürmooser Dorfbrunnen des Zoltan Pap. In: „Dorfzeitung“, 20. Dezember 2009, abgerufen am 4. April 2013.
  37. Neuer Brunnen vor dem Gemeindezentrum, Bericht vom 5. August 2014, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  38. fotorush.com, abgerufen am 4. April 2013.
  39. Vgl. Wolfgang Bauer: Das Typhusdenkmal. In: „Verein Geschichte Bürmoos“, Ausgabe 2/2012 (PDF; 7 MB), S. 6.
  40. weidmoos.at.
  41. 1 2 3 Ortschronik
  42. Bürmoos
  43. geschichte-buermoos.at
  44. „Flachgauer Nachrichten“, 20. Mai 2010