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vom 27.12.2017, aktuelle Version,

Farid Hafez

Farid Hafez bei der Verleihung des Bruno-Kreisky-Anerkennungspreises 2010

Farid Hafez (* 23. Dezember 1981 in Ried im Innkreis) ist ein österreichischer Politikwissenschaftler.

Leben

Hafez verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Oberösterreich. In den Jahren 2002 bis 2009 studierte er Politikwissenschaft an der Universität Wien, wo er in demselben Fach promoviert wurde. 2008 machte er zudem einen Abschluss als Master of Science im Fach Politische Bildung an der Donau-Universität Krems und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

Hafez forschte als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Rechtsphilosophie an der Universität Wien.[1] Seine Dissertation mit dem Titel „Islamophober Populismus“ (Betreuer: John Bunzl) erschien 2010 im deutschen Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden.[2][3] Er ist Alumnus der Session 440 des Salzburg Seminars. Seit 2014 ist Hafez Forscher und Lehrender an der Abteilung Politikwissenschaft der Universität Salzburg[4] und seit 2017 ist er Senior Research Fellow an der Georgetown University.[5]

Hafez war von 1998 bis 2007 in der Muslimischen Jugend Österreichs aktiv.[6]

Forschung

Hafez forscht im Bereich Politik und Islam. Eines seiner Hauptthemen ist die Islamophobieforschung. Hafez ist Herausgeber des seit 2010 erscheinenden Jahrbuchs für Islamophobieforschung, zu dessen wissenschaftlichem Beirat auch Wolfgang Benz gehört. 2014 untersuchte er im Rahmen eines Forschungsaufenthalts an der Columbia University in New York City Hip Hop als Jugendkulturaustausch zwischen Europa und den USA [7] Er forscht zu muslimischen Jugendbewegungen in Europa.[8]

Er ist Senior Research Fellow bei dem vom Politikwissenschafter John Esposito geleiteten Forschungsprojekts 'The Bridge Initiative' an der Georgetown University, in dem es um Islamophobie und Diversität geht.[9] Zudem ist er einer von zwei Herausgebern des ab 2016 jährlich erscheinenden European Islamophobia Report.[10]

Lehrtätigkeit

Farid Hafez lehrt seit 2008. Von 2008 bis 2012 war er am Institut für Orientalistik der Universität Wien. Später unterrichtete er an der Universität Klagenfurt. Seit 2009 lehrt er am Privaten Studiengang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen in Wien.[11]

Ebenso lehrte er im Bereich Migrationsmanagement - Migration Studies (2012–2015) an der Donau-Universität Krems.[12] Darüber hinaus war er Gastlektor an der University of Istanbul,[13] der Istanbul 29 Mayıs Üniversitesi,[14] der Syarif Hidayatullah State Islamic University Jakarta, der Columbia University in New York.[15] Er gehört zudem der Affiliated Faculty des Islamophobia Research and Documentation Project an der University of California, Berkeley, an.[16]

Seine Forschung zu Hip Hop und Amerikanischem Islam brachten ihn als Gastlektor an die University of Chicago,[17] das Center for Austrian Studies an der University of Minnesota,[18] am Queensborough Community College in New York, in die City University of New York[19] sowie ins Amerikahaus in Wien[20].

Zudem ist er Mitglied verschiedener Fakultäten im außeruniversitären Bereich. So lehrt er am Global Citizenship Alliance,[21] das aus dem Salzburg Global Seminar hervorgegangen ist. 2015 unterrichtete er zudem am The Ariane de Rothschild Fellowship,[22] sowie an weiteren internationalen Bildungseinrichtungen.

Hafez war im Studienjahr 2016/17 Fulbright Professor in den USA. Außerdem ist er angeschlossenes Mitglied der Fakultät am Center for Right-Wing Studies an der University of California, Berkeley.[23]

Öffentliche Stellungnahmen

Hafez äußert sich regelmäßig in den österreichischen Tageszeitungen wie Der Standard[24] und Die Presse[25] und tritt als Experte in österreichischen Fernsehtalkformaten wie ATV am Punkt und Puls 4 Talk of Town auf. Er wurde mehrfach im ORF[26] und von internationalen Medien wie The Washington Post interviewt.[27] Hafez publiziert regelmäßig Gastkommentare auf Al-Jazeera English.[28] Er trat in der Fernsehsendung Im Zentrum im ORF auf.[29]

Hafez kritisiert, dass Muslime in Österreich ein Spielball der Politik seien.[30] Er streicht heraus, dass insbesondere Frauen von der diskursiven Fokussierung auf Muslime betroffen seien.[31] Im Sinne der Intersektionalität von Rassismus streicht er im Zusammenhang mit den Protesten in Charlottesville etwa heraus, dass der Rassismus dort sich gleichermaßen gegen Schwarze, Muslime und Juden richte.[32] In diesem Sinne warf er auch Viktor Orban vor, in seiner Kampagne gegen George Soros Antisemitismus und Islamophobie zu bedienen.[33]

Hafez kritisierte das im Jahre 2015 verabschiedete österreichische Islamgesetz scharf.[34][35] Mitunter stellt es für ihn eine Form "institutionalisierter Islamophobie" dar.[36] Als 2017 das Integrationsgesetz verabschiedet wurde, kritisierte er auch hier den Diskurs der Regierungsparteien zur Frage des Verbotes des Tragens eines Kopftuchs für Polizistinnen, Staatsanwältinnen und Richterinnen.[37] Er wurde dazu als Experte für die politische Partei NEOS im Verfassungsausschuss angehört.[38] Ebenso positionierte er sich im Zuge der Diskussion über islamische Kindergärten und warf dem Integrationsressort ein Rassismusproblem vor.[39] In einem längeren Interview bezeichnet er den politischen Islam als Relikt des 20. Jahrhunderts.[40]

Auszeichnungen

Für den interdisziplinären Sammelband „Islamophobie in Österreich“ ist er als Mitherausgeber gemeinsam mit dem Nahostexperten John Bunzl mit dem Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch des Jahres 2009 ausgezeichnet worden.

Das österreichische Kulturmagazin the gap wählte Farid Hafez zu einem der 100 Österreicher „mit besonderer Zukunft“.[41]

Kritik

Hafez wurde von Heiko Heinisch und Efgani Dönmez in die Nähe des politischen Islams, der Muslimbrüder und des türkischen Präsidenten Erdogan gebracht.[42][43] Hafez seinerseits hatte dem ehemaligen Grünen und jetzigem ÖVP Politiker Dönmez zuvor seit 2009 mehrmals „Rassismus“ und „Sexismus“ vorgeworfen.[44][45][46] Heiko Heinisch wurde von Hafez für seine „islamophobe Haltung“ kritisiert. Hafez bezeichnet Heinischs Kritik an einzelnen muslimischen Personen und Einrichtungen als „Kriminalisierungsstrategie“.[47] Hafez' Begriff der Islamophobie wurde dagegen als politisch motiviert bewertet,[48] seine Studien wurden von den oben genannten Personen methodisch kritisiert.[49][50][51] Dessen ungeachtet trägt Hafez als Wissenschaftler bei der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE) vor[52] und präsentierte 2015 die Ergebnisse des Europäischen Islamophobie-Reports im Europäischen Parlament.[53]

Schriften

Hafez hat mehr als 60 Schriften publiziert.[54]

Als Autor
  • Islamophober Populismus: Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010 (Dissertation, Universität Wien, 2009).
  • Anas Schakfeh: Das österreichische Gesicht des Islams. Braumüller, Wien 2012.
  • Islamisch-politische Denker: Eine Einführung in die islamisch-politische Ideengeschichte. Peter Lang Verlag, New York/Oxford/Frankfurt/Wien 2014.
  • Mein Name ist Malcolm X: Das Leben eines Revolutionärs. Al Hamra, Wien 2015.
Als Herausgeber
  • Islamophobie in Österreich. Studienverlag, Innsbruck 2009. (mit John Bunzl)
  • Seit 2010: Jahrbuch für Islamophobieforschung. New Academic Press, Wien.
  • From the Far Right to the Mainstream: Islamophobia in Party Politics and the Media. Campus, Frankfurt am Main 2012. (mit Humayun Ansari)
  • Seit 2016: European Islamophobia Report.(mit Enes Bayrakli)
  • Jung, muslimisch, österreichisch. New Academic Press/Alhamra, Wien 2016. (mit Reinhard C. Heinisch, Raoul Kneucker und Regina Polak)
Beiträge in Fachzeitschriften
  • Hafez, Farid (2015). Das Islamgesetz im Kontext islamophober Diskurse: Eine Policy Frame-Analyse zum Politikgestaltungsprozess des Islamgesetz 2015, in: Juridikum, (2), 160–165.
  • Hafez, Farid (2014). Disciplining the „Muslim Subject“: The Role of Security Agencies in Establishing Islamic Theology within the State’s Academia, in: Islamophobia Studies Journal, Vol. 2(2), 43–57.
  • Hafez, Farid/Dautović, Rijad (2015). MuslimInnen als BürgerInnen zweiter Klasse? Eine vergleichende Analyse des Entwurfes eines neuen Islamgesetzes 2014 zum restlichen Religionsrecht, in: Jahrbuch für Islamophobieforschung 2015, 26–54.
  • Shifting borders: Islamophobia as the cornerstone for buildingpan-European right-wing unity, Patterns of Prejudice, Vol. 48, No.5, December 2014,pp.1-21.
  • Gedenken im „islamischen Gedankenjahr“. Zur diskursiven Konstruktion des österreichischen Islams im Rahmen der Jubiläumsfeier zu 100 Jahren Islamgesetz, WienerZeitschrift für dieKunde des Morgenlands, nr.104 (2014), Wien:Selbstverlag Institut für Orientalistik,S. 63–84.
  • Der Gottesstaat des Essad-Bey. Eine Muhammad-Biographie aus der Sicht eines jüdischen Konvertiten zum Islam unter besonderer Berücksichtigung der Dimension des Politischen, Journal of Arabic and Islamic Studies, 13 (2013), S. 1–21.
  • Islamophobe Weltverschwörungstheorien... und wie Obama vom Muslim zum Muslimbruder wurde, Journal für Psychologie, Jg. 21 (2013) Ausgabe 1, S. 1–22.

Einzelnachweise

  1. Personalverzeichnis der Universität Wien, abgerufen am 28. Juli 2011.
  2. http://othes.univie.ac.at/5148/
  3. http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/sid=11612046144af59534d0dbb377697559/site=w/book_id=19591
  4. Porträt des Mag. Dr. Farid HAFEZ, M.Sc. auf der Webseite der Universität Salzburg abgerufen am 2. Dezember 2014.
  5. Team - The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. In: The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. (georgetown.edu [abgerufen am 23. September 2017]).
  6. Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak: Einleitung. In: Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak (Hrsg.): Jung, Muslimisch, Österreichisch. 20 Jahre Muslimische Jugend Österreich. New Academic Press, Wien 2016, S. (2632) 29.
  7. http://www.uni-salzburg.at/fileadmin/multimedia/Politikwissenschaft%20und%20Soziologie/documents/CV_Hafez.pdf, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  8. Project Muslim Youth Movements in Europe. Universität Salzburg. Abgerufen am 13. September 2017
  9. http://bridge.georgetown.edu/team/, abgerufen am 2. Mai 2015
  10. http://islamophobiaeurope.com, abgerufen am 2. Mai 2015
  11. https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=201161&L=1
  12. Liste der Vortragenden, Migrations- und Integrationsmanagement. Donau-Universität Krems, abgerufen am 13. September 2017
  13. https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=201161&L=1
  14. http://www.29mayis.edu.tr/etkinlik/the-new-islam-law-in-austria-5.html
  15. Curriculum Vitae. Universität Salzburg. pdf-Datei, abgerufen 13. September 2017
  16. http://www.irdproject.com/faculty.html
  17. http://gender638.rssing.com/browser.php?indx=6029447&item=18
  18. http://cas.umn.edu/programs/LECTURE.HTML
  19. http://deutscheshaus.as.nyu.edu/object/dh.event.BlackHistoryintheGermanWorld021913
  20. http://austria.usembassy.gov/events/hafez.html
  21. http://globalcitizenshipalliance.org/about-us/teaching-faculty/
  22. http://adrfellowship.org/program/partners-faculty/
  23. Center for Right-Wing Studies, People. Abgerufen am (englisch).
  24. Farid Hafez: Minarettverbot: In Österreich ist man einen Schritt weiter. Das Ja der Schweizer zum Minarettverbot entsetzt die Eliten. In: derStandard.at (Kommentare der anderen) vom 30. November 2009, abgerufen am 28. Juli 2011
  25. Farid Hafez: Institutionalisierte Islamophobie. In: DiePresse.com vom 4. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  26. http://religion.orf.at/projekt03/tvradio/orientierung/or_070311.htm, http://oe1.orf.at/programm/227610
  27. Alexei Korolyov: Austrian bill would ban foreign funding for mosques, imams. In: Washington Post. 20. November 2014, abgerufen am 2. Dezember 2014 (englisch).
  28. Farid Hafez: In Austria, the problem is not the far-right party. Al-Jazeera, 15. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017.
  29. "Können nur liberalen Islam integrieren" - Diversität - Aktuell. Abgerufen am 14. September 2017.
  30. NDR: Wahlkampf in Österreich: Muslime als Spielball. Abgerufen am 14. September 2017.
  31. Tiroler Tageszeitung Online: Islamophobie: „Vor allem Frauen werden angepöbelt“ | Tiroler Tageszeitung Online - Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. (tt.com [abgerufen am 14. September 2017]).
  32. The (sexual) Inferiority Complex of White Supremacists: Charlottesville and the Call for 'White Sharia' - The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. In: The Bridge Initiative | A Research Project on Islamophobia. (georgetown.edu [abgerufen am 14. September 2017]).
  33. Farid Hafez: When anti-Semitism and Islamophobia join hands. Abgerufen am 14. September 2017.
  34. Florian Gasser: Islamgesetz: Generalverdacht. In: Die Zeit. 8. März 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. September 2017]).
  35. Islam in Österreich: neues Gesetz, neue Probleme. Schweizer Radio und Fernsehen SRF, 17. April 2016, abgerufen am 14. September 2017 (Schweizer Hochdeutsch).
  36. Interview mit dem Politikwissenschaftler Farid Hafez: "Ein Ausdruck institutioneller Islamophobie" - Qantara.de. In: Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt. (qantara.de [abgerufen am 14. September 2017]).
  37. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Ein Staatspreis für das Kopftuch. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).
  38. Islamgesetz: Parlamentarische Beratungen starteten mit Hearing. In: OTS.at. (ots.at [abgerufen am 14. September 2017]).
  39. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Rassismusproblem des Integrationsressorts. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).
  40. Farid Hafez: »Der politische Islam ist tot«. In: Kopf um Krone. (kopfumkrone.at [abgerufen am 14. September 2017]).
  41. http://www.thegap.at/100-oesterreicher/politik-und-gesellschaft/
  42. Ein Thinktank in Erdogans Umfeld prangert "Islamophobie" in Österreich. In: profil.at. 21. September 2016 (profil.at [abgerufen am 11. Mai 2017]).
  43. Im Dunstkreis der Muslimbruderschaft?, kurier.at vom 3. Mai 2015, abgerufen am 16. Mai 2017.
  44. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Guter Muslim, böser Muslim: Rassismus in Grün. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 14. September 2017]).
  45. Dönmez verlässt die Grünen - Wechsel zu Kurz? In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 14. September 2017]).
  46. wochenblick.at: „Wochenblick“-Interview mit Efgani Dönmez. 19. Oktober 2016, abgerufen am 14. September 2017.
  47. Farid Hafez: Die MJÖ als Projektionsfläche für Verschwörungstheorien. In: Farid Hafez, Reinhard Heinisch, Raoul Kneucker, Regina Polak (Hrsg.): Jung, muslimisch, österreichisch. New Academic Press, Wien 2016.
  48. Helmut Pisecky: Kampfbegriff Islamophobie, Die Presse vom 10. Mai 2017, abgerufen am 19. Juni 2017.
  49. Kampfbegriff „Islamophobie“ – „Wissenschaft“ im Dienste des politischen Islam? Abgerufen am 11. Mai 2017.
  50. Historiker: "Der Islam wird nach anderen Kriterien beurteilt", kurier.at vom 8. Mai 2017, abgerufen am 16. Mai 2017.
  51. Michael Weiss: Wenn "Islamophobie" zu leichtfertig verwendet wird auf falter.at, abgerufen am 19. Juni 2017
  52. OSCE: Supplementary Human Dimension Meeting. OSCE, 22. Juni 2017, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  53. SETA: PRESENTATION OF ISLAMOPHOBIA REPORT 2015. SETA, 3. Mai 2016, abgerufen am 22. August 2017 (englisch).
  54. , (PDF), abgerufen am 25. September 2017.