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vom 24.03.2016, aktuelle Version,

Forum Stadtpark

Forum Stadtpark
Forum Stadtpark mit Stadtparkbrunnen und Uhrturm im Hintergrund
Alfred Kolleritsch, 10. Oktober 2014

Das Forum Stadtpark ist eine 1959 in Graz gegründete Aktionsgemeinschaft von Künstlern, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden. Gründungsmitglieder waren unter anderem Othmar Carli, Gustav Zankl, Siegfried Neuburg, Emil Breisach und Günter Waldorf. Sie adaptierten das damals leerstehende Stadtpark-Cafe als ständige Stätte für Ausstellungen und Veranstaltungen. Als Forum Stadtpark bezeichnet wird daher sowohl die Künstlervereinigung, als auch das Gebäude inmitten des Grazer Stadtparks mit der Anschrift Stadtpark 1.

Das Literaturreferat des Forum Stadtpark initiierte in den frühen 1960er Jahren die Zeitschrift für Literatur und Kunst manuskripte (Alfred Kolleritsch und Günter Waldorf), die bisher mehr als 200 Ausgaben hervorbrachte. 1998 wurde zusätzlich die Literaturzeitschrift Schreibkraft ins Leben gerufen, die seit 1999 eigenständig herausgegeben wird.

Heute wie damals versteht sich das Forum Stadtpark als Mehrspartenhaus, das für einen erweiterten Kunstbegriff und für spartenübergreifendes Arbeiten steht. Pro Jahr finden etwa 150 Veranstaltungen in den Bereichen Architektur, Literatur, Bildende Kunst, Film, Fotografie, Medienkunst, Mode, Musik. Theater, Performance und Theorie statt. Mit Carola Peschl übernahm 2009 erstmals eine Frau die Leitung des Vereins. 2011 übernahm die vorherige stellvertretende Präsidentin Heidrun Primas die Leitung des Hauses.

Aktuelle und ehemalige Mitglieder (Auswahl)

Zur Geschichte des Forum Stadtpark

Gründung

Im Sommer 1958 stellt die Junge Gruppe mit den bildenden Künstlern Othmar Carli, Gustav Zankl und Günter Waldorf ein Ansuchen, um das leer stehende Grazer Stadtpark Café dauerhaft für Kunstveranstaltungen zu nutzen. Die Stadtverwaltung lehnte allerdings ab und beschloss stattdessen den Abbruch des Gebäudes. Erst nach Protesten von Seiten der Presse, der Politik und einiger Künstlervereine wurde eine Frist für die Beschaffung der notwendigen Gelder eingeräumt. Die Finanzierung gelang. Am 15. Jänner 1959 fand die konstituierende Versammlung des Vereins FORUM STADTPARK statt. Im November 1960 wurde das Gebäude mit der Ausstellung Bekenntnis und Konfrontation eröffnet.

Anfangszeit

Als selbst verwalteter Künstlerverein soll das FORUM STADTPARK stärker als bisher die Interessen der Kulturschaffenden vertreten. Besonders jungen Künstlern und Wissenschaftlern soll das Haus als Podium dienen. Die Gründer traten zunächst mit dem Anspruch an, alle kulturellen Bereiche – also auch ästhetisch traditionelle, historische, politische und didaktische Themen – einzuschließen. Das Ergebnis waren neun gleichberechtigte Referate. Während der 60er Jahre ging der Anteil an theoretischen Veranstaltungen allerdings immer mehr zurück. Der anfängliche Ehrgeiz eines breiten Spektrums wurde von einer Konzentration auf zeitgenössische Kunst und Literatur abgelöst.

Wandlung

In den 60er- und 70er-Jahren entwickelte sich das Haus zu einem der wenigen Präsentation- und Produktionsorte für progressive Kunst und Literatur dieser Zeit und etablierte sich als elitäre Institution. Gleichzeitig begann sich das Selbstbild zu wandeln, weg von einem Kulturbetrieb, hin zu einem reinen Kunstbetrieb – möglichst unter Umgehung der sonst üblichen Vermittlungsinstanzen. In diesem Sinn ist das FORUM STADTPARK auch ein Publikationsort und Verlag. Die 1960 gegründete Literaturzeitschrift manuskripte bescherte dem Haus internationale Aufmerksamkeit. Außerdem erscheinen dort die Fotozeitschrift Camera Austria, die Filmzeitschrift blimp, die Literaturzeitschrift Absolut, die Essayzeitung Liqueur und die Zeitschrift schreibkraft. Ebenfalls vom Verein mit initiiert wurde das Avantgarde-Festival Steirischer Herbst. Zudem etablierten Xao Seffcheque und Carl Lugus 1975 den „Musiclub“ im Keller des Gebäudes als beliebte Präsentationsform für in- und ausländische Musiker.

Neustrukturierung

1995 trat Alfred Kolleritsch nach 26 Jahren als Vorsitzender zurück und übergab an Walter Grond. Mit dem Wechsel im Vorstand gab es auch einen Austausch der meisten Funktionäre, Referenten und Angestellten. Ziel war die erneute Öffnung des „elitären“ Vereins für junge Künstler bzw. die Lösung der Erstarrung in einem überholten Avantgarde-Begriff. Referate wurden aufgelöst und die künstlerische Arbeit von der organisatorischen getrennt. Damit waren auf Einzelpersonen fixierte Projekte nur noch begrenzt integrierbar. Das Forum Stadtpark Theater, die Camera Austria oder auch die manuskripte gingen von da an eigene Wege.

Umbau & Jubiläum

1997 tritt Peter Zinganel an die Stelle von Walter Grond. Unter seiner Leitung wird das Haus im Jahr 2000 nachhaltig umgebaut und um ein Obergeschoß erweitert. Ab 2003 folgt schließlich Anton Lederer als Vorsitzender, der die bisher eigenständigen Referate zu einem Gremium – dem Programmforum – zusammenfasst, und so die interdisziplinäre Ausrichtung des Hauses weiter ausbaut. 2009 feiert das FORUM STADTPARK unter der Leitung von Bernhard Wolf sein 50. Jubiläum.

Heute

Heute wie damals versteht sich das FORUM STADTPARK als Mehrspartenhaus, das für einen erweiterten Kunstbegriff und für spartenübergreifendes Arbeiten steht. Pro Jahr finden auf drei Ebenen rund 150 Veranstaltungen in den Bereichen Architektur, Literatur, Bildende Kunst, Film, Fotografie, Medienkunst, Mode, Musik, Theater, Performance und Theorie statt – der Großteil davon bei freiem Eintritt. Es ist der erklärte Anspruch des Hauses, Labor und Plattform für viele Szenen der lokalen, österreichischen und internationalen Kulturproduktion zu sein.

Die Vorstände seit Kolleritsch im Überblick:

  • 1995–1997: W. Grond, P. Zinganel (Stellvertreter), G. Ostanek (Kassierin)
  • 1997–2003: P. Zinganel, G. Muhr (Stellvertreter), G. Ostanek (Kassierin)
  • 2003–2007: A. Lederer, R. Binder-Krieglstein (Stellvertreter), A. Putz (Kassierin)
  • 2007–2009: B. Wolf, C. Peschl (Stellvertreter), A. Putz bzw. ab 2008 K. Petrowitsch (Kassierin)
  • 2009–2011: C. Peschl, H. Primas (Stellvertreter), K. Petrowitsch (Kassierin)
  • ab 2011: H. Primas, Johannes Schrettle (Stellvertreter), Ursula Musil (Kassierin)

Zur Architektur des Forum Stadtpark

Die Forderung einer Gruppe von Künstlern nach Raum – vorwiegend Schriftsteller, Architekten und Jazzmusiker – führte 1958 dazu, dass die Stadt ein leer stehendes Café im Stadtpark sowie finanzielle Mittel zur Verfügung stellte, um es in einen Veranstaltungsort umzuwandeln. Die neue Heimat der Avantgarde durfte Größe und Ausdehnung des bestehenden Bauwerks nicht überschreiten, da der Stadtpark seit seiner Errichtung 1867 mit einem Bauverbot belegt ist. Jahre von pulsierender Vitalität folgten und das Haus wurde zu klein, ein Ausbau war angedacht, ein erster umfangreicher Umbauplan wurde verworfen und schließlich ein Konzept entwickelt, das die Erweiterung des Forum Stadtpark ausschließlich in die Höhe vorsah. Das Haus sollte seine inhaltliche Öffnung für neue, jüngere Publikumsschichten nach außen spürbar werden lassen, dabei jedoch seinen Erinnerungsgehalt bewahren.

Die T-Form des Grundrisses blieb erhalten. Die Aufstockung für fünf neue, nach heutigen Erfordernissen ausgestattete Arbeitsräume, deren mittlerer bedeutend größer ist und für kleinere Veranstaltungen genützt werden kann, wurde auf den langgestreckten Trakt beschränkt. Das Dach des bestehenden Anbaues wird nun als Terrasse genützt. Das neue Geschoss ragt rundum ein wenig über den Sockel hinaus und wird auf der Seite der vorgelagerten Wiese am Stadtparkbrunnen Teil eines dominierenden, in Stahlträger und horizontale Lamellen aufgelösten Körpers, dessen Kanten nur angedeutet sind. Mit diesem weithin sichtbaren, in strahlendem Weiß gehaltenen Signet soll die schon historisch gewordene Bedeutung dieses Kulturhauses, zugleich aber auch seine Offenheit und Wandlungsfähigkeit ausgedrückt werden.[1]

Sonstiges

Am 1. Mai 2011 verausgabte die Österreichische Post AG im Rahmen der Dauermarkenserie Kunsthäuser eine Briefmarke zu dem Objekt.

Literatur

  • Christine Rigler (Hrsg.): Generationen. Literatur im Forum Stadtpark 1960–1995. Erstausgabe. Droschl-Verlag, Graz 1995, ISBN 3-85420-422-1.
  • Christine Rigler (Hrsg.): Forum Stadtpark – die Grazer Avantgarde von 1960 bis heute. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99487-6. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Einzelnachweise

  1. Forum Stadtpark. In: architektur im netz, nextroom.at. Abgerufen am 9. Juli 2014.