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vom 26.05.2018, aktuelle Version,

Alfred Kolleritsch

Alfred Kolleritsch, 10. Oktober 2014

Alfred Kolleritsch (* 16. Februar 1931 in Brunnsee, Südsteiermark) ist ein österreichischer Schriftsteller, Lyriker, Philosoph und Begründer einer der wichtigsten österreichischen Literaturzeitschriften manuskripte.

Leben und Wirken

Alfred Kolleritsch, 8. Juli 2011
Alfred Kolleritsch vor der Eiche bei seinem Heimathaus in Brunnsee, 28. Mai 2013
Widmung sehr herzlich Alfred Kolleritsch, Dezember 1992
50 Jahre manuskripte: Alfred Kolleritsch mit Peter Handke
Hartmut Urban, Literaturfahrplan, Übermalungen von Texten Alfred Kolleritschs, Direktion des Akademischen Gymnasiums Graz, 1995

Kolleritsch wuchs als Sohn des Forstverwalters der Herrschaft Brunnsee, Alfred Gottfried Kolleritsch (1904–1972), sowie der Postangestellten Lukretia, geb. Semlitsch (geb. 1907), auf und absolvierte ein Grazer Gymnasium mit der Reifeprüfung im Jahr 1950.[1] Er ist der ältere Bruder des steirischen Musikwissenschaftlers Otto Kolleritsch. 1939, acht Jahre nach Alfred Kolleritsch' Geburt, kommt als Dritte im Bunde schließlich auch Helga Kolleritsch zur Welt. Alfred Kolleritsch studierte an der Universität Graz Germanistik, Anglistik, Philosophie und später auch Geschichte. Er legte die Lehramtsprüfung für Geschichte, Philosophie und Germanistik 1955 ab und absolvierte anschließend ein Probejahr am Akademischen Gymnasium in Graz. Ab 1958 arbeitete er als Lehrer in Leibnitz, ab 1963/64 am Akademischen Gymnasium in Graz. 1964 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Martin Heidegger. Auf ihn wurde Kolleritsch noch vor der Matura aufmerksam, als er den Wiener Philosophen Leo Gabriel (geb. 1902) kennenlernte und dieser ihm Heideggers Werk Platons Lehre von der Wahrheit in die Hand drückte. Ab dem Sommersemester 1972 hat Kolleritsch immer wieder Lehraufträge für Philosophie und Literatur an der Karl-Franzens-Universität Graz angenommen.

1958 veröffentlichte Alfred Kolleritsch sein erstes Gedicht Es ist zu spät. 1959 war Alfred Kolleritsch Mitbegründer und von 1968 bis 1995 Präsident des Forum Stadtpark in Graz. 1960 gründete er eine der wichtigsten österreichischen Literaturzeitschriften, die manuskripte, als literarische Plattform des Forum Stadtpark, in der er vor allem experimentellen Autoren eine Möglichkeit der Veröffentlichung bietet und die er nach wie vor gemeinsam mit Günter Waldorf † herausgibt. Dies war in der Gründungszeit ein durchaus gewagtes Unterfangen. Auch Kolleritsch' Ehefrau Hedwig Tax (geb. 1939), mit der er von 1958 bis 1966 verheiratet war, leistete zahlreiche Beiträge für die manuskripte. Zuerst erschienen die manuskripte dreimal, dann viermal pro Jahr. Bereits ein Jahr nach der Gründung waren neben der „Grazer Gruppe“ auch Autoren der „Wiener Gruppe“ mit ihren Arbeiten in den manuskripten vertreten. Der Autorenkreis erweiterte sich von Jahr zu Jahr und ab 1976 fanden auch Symposien statt. Seit 1995 sind die manuskripte unabhängig vom Forum Stadtpark und werden vom „manuskripte Literaturverein“ herausgegeben. Kolleritsch verhalf mit den manuskripten Autoren wie Oswald Wiener oder Ernst Jandl zu Aufmerksamkeit. Zu den jüngeren Autoren, die hier eine erste Möglichkeit zur Veröffentlichung fanden, zählen weiters beispielsweise Wolfgang Bauer, Barbara Frischmuth, Michael Scharang, Gunter Falk und Peter Handke. Sie alle verdanken ihm damit den Durchbruch als anerkannte Autoren.

1968 heiratete Alfred Kolleritsch Hildegard Leikauf (geb. 1948), die zu dieser Zeit Kunstgeschichte studierte. Die Ehe hielt bis 1982.

1972 veröffentlichte Alfred Kolleritsch Die Pfirsichtöter. Seismographischer Roman. Trotz des regelmäßigen Schreibens eigener Texte für die „Manuskripte“ brachte er erst relativ spät diese selbstständige Publikation heraus.

1973 zählte Kolleritsch mit anderen österreichischen Schriftstellern wie Friederike Mayröcker, Ernst Jandl und Gustav Ernst zu den Gründungsmitgliedern der Grazer Autorenversammlung, die den Gegenpol zum Österreichischen P.E.N.-Club bildet.

1974 erschien der Roman Die grüne Seite und die Erzählung Von der schwarzen Kappe.

1976 berief man ihn in das Direktorium des internationalen Festivals für zeitgenössische Kunst Steirischer Herbst, 1980 wurde er korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, 1987 Jury-Mitglied des Petrarca-Preises. Seit 1997 ist der Literat korrespondierendes Mitglied der Abteilung Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.[1]

Alfred Kolleritsch erhielt sowohl Ehrenmedaille und Ehrenurkunde der Stadt Graz (1981) als auch das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark für besondere Verdienste (1984).

1987 heiratete Kolleritsch Gabriele Margarethe Lichtenegger (geb. 1952), im selben Jahr kommt sein Sohn Philipp Jovan zur Welt.

Alfred Kolleritsch mit seinem Freund Josef Wilhelm, dem ehemaligen Direktor des Akademischen Gymnasiums Graz, 30. April 2012

Als Lehrer schied Alfred Kolleritsch mit Ende des Schuljahres 1992/93 auf Grund seiner Pensionierung aus dem Lehrkörper des Akademischen Gymnasiums Graz aus.[2]

Kolleritsch gilt als Kämpfer gegen die „Wiederkehr des Immergleichen“. In seinen eigenen Werken wendet er sich gegen die Einengung und Erstarrung des Lebens sowie gegen Totalitarismus und Faschismus.

„Die Welt ist ein Knabenregiment, sagt Heraklit, sie ist ein Spiel, die Weisheit, das Lehrer-Schüler-Spiel zu meistern, liegt in der Ferne. Wir sollten wissen, dass wir letztlich ein Chaos zu bewältigen haben, in das wir Spuren möglicher Wege legen. Kaum ein anderer Beruf ist diesem Wagnis ausgesetzt.“

Aus der Rede Alfred Kolleritschs „Stolpernder Abschied“ zu seinem eigenen Abschied als Lehrer (1993)[3]

„Alfred Kolleritsch ist ein freundlicher Mensch mit einem ziemlich bösen Blick. Mit diesem bösen Blick für die ihn umgebenden Zustände und der Freundlichkeit für die einzelnen Leute hat er auch sein Buch geschrieben.“

Peter Handke zu Kolleritschs Buch „Der letzte Österreicher“ (1995)[4]

„Alfred Kolleritsch war und ist Förderer und Entdecker, Wegbereiter für eine moderne Literaturlandschaft und das Substrat, auf dem sich viele Literaten sowie Kunst- und Kultur-Gruppierungen weit über die Grenzen der Steiermark hinaus entfalten konnten und eine Avantgarde innerhalb des arrivierten Betriebs bildeten. Ich bin stolz, dass wir so eine Persönlichkeit wie sie auszeichnen dürfen.“

Landeshauptmann Franz Voves in seiner Rede zur Verleihung des Ehrenringes des Landes Steiermark an Alfred Kolleritsch am 18. September 2013[5]

Alfred Kolleritsch kooperierte auch immer wieder mit Künstlern anderer Genres, dabei ist vor allem die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Kollegen am Akademischen Gymnasium Graz und engen Freund, dem Maler und Grafiker Hartmut Urban, hervorzuheben. Hartmut Urban illustrierte beispielsweise einige literarische Werke von Alfred Kolleritsch wie 1992 das Buch Hemler der Vogel (siehe Literaturhinweise). 1995 gestaltete Hartmut Urban eine Intervention im Stiegenhaus der Neuen Galerie in Graz. Dafür strukturierte und verdichtete er die Textur von Buchseiten aus Dichtungen von Alfred Kolleritsch mittels gestischer Übermalung.[6] Diese Intervention, der großflächige Literaturfahrplan, heute in der Direktion des Akademischen Gymnasiums Graz befindlich, wurde von Hartmut Urbans Bruder Gerolf Urban aus dem Nachlass der Schule geschenkt (siehe Bild Literaturfahrplan rechts).[7]

Auszeichnungen

Werke

Romane
  • Die Pfirsichtöter. (1972)
  • Die grüne Seite. (1974)
  • Allemann. (1989)
Erzählungen
  • Gespräche im Heilbad. Verstreutes, Gesammeltes. (Essays, 1985)
  • Der letzte Österreicher. (1995)
Lyrik
  • Erinnerter Zorn. (1972)
  • Einübung in das Vermeidbare. (1978)
  • Im Vorfeld der Augen. (1982)
  • Absturz ins Glück. (1983)
  • Gegenwege. (1991)
  • Zwei Wege, mehr nicht. (1993)
  • In den Tälern der Welt. (1999)
  • Die Summe der Tage. (2001)
  • Befreiung des Empfindens. (2004)
  • Tröstliche Parallelen. (2006)[15]
  • Es gibt den ungeheuren Anderen. (2013)
Sonstiges
Alfred Kolleritsch, Hemler der Vogel, mit Zeichnungen von Hartmut Urban, 1992
  • Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit in der Philosophie Martin Heideggers. (Dissertation, 1964)
  • Von der schwarzen Kappe. (Erzählung, 1974)
  • Über das Kindsein. – Briefe an Kolleritschs Söhne Julian und Philipp (1991)
  • Hemler der Vogel. – Mit Zeichnungen von Hartmut Urban (1992)
  • Die geretteten Köche. – Theaterstück (1997)
  • Marginalien und Widersprüche – Texte zu Literatur, Kultur und Politik. (2001)
  • Peter Handke / Alfred Kolleritsch: Schönheit ist die erste Bürgerpflicht. Briefwechsel. (2008)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Landesehrenring für Alfred Kolleritsch. ORF Steiermark, 18. September 2013, abgerufen im 18. September 2013.
  2. Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums Graz 1993/94, S. 43.
  3. Jahresbericht des Akademischen Gymnasiums Graz 1993/94, S. 35.
  4. Text auf der Rückseite des Umschlages von Alfred Kolleritschs Buch „Der letzte Österreicher“ (1995).
  5. 1 2 Ehrenring des Landes Steiermark für Alfred Kolleritsch. Land Steiermark, 18. September 2013, abgerufen im 18. September 2013.
  6. Eintrag über Hartmut Urban auf www.loidl-art.com (Memento des Originals vom 13. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.loidl-art.com, jeweils „Mehr Information und größeres Bild“ anklicken, abgerufen am 8. Dezember 2013.
  7. Schriftliche Information durch den ehemaligen Direktor des Akademischen Gymnasiums Graz, Dr. Josef Wilhelm, 9. Dezember 2013, liegt dem Autor vor.
  8. Wikipedia-Artikel über Österreichische Ehrenzeichen.
  9. Wikipedia-Artikel über die Liste der Träger des österreichischen Ehrenzeichens und der österreichischen Ehrenkreuze.
  10. Prof. Dr. Alfred Kolleritsch (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.graz.at, www.graz.at, abgerufen am 2. Februar 2015.
  11. Franz-Nabl-Preis an Alfred Kolleritsch. Der Standard, 7. Oktober 2009, abgerufen im 8. Oktober 2009.
  12. Aus heiterem Himmel, Seite auf www.falter.at, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  13. Kolleritsch erhielt höchste Auszeichnung des Landes. In: Kleine Zeitung. 18. September 2013, abgerufen im 18. September 2013.
  14. Große Ehrenzeichen und Ehrenzeichen des Landes Steiermark für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Artikel vom 4. Mai 2017, abgerufen am 26. Mai 2018.
  15. Über die Kunst, "Licht mit der Schlinge zu fangen", Rezension zu "Tröstliche Parallelen". In: Literaturhaus Wien, 22. Juni 2006