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vom 09.02.2017, aktuelle Version,

Franz Hagenauer

Franz Hagenauer (* 23. Februar 1906 in Wien; † 26. September 1986 in Salzburg, Österreich) war ein österreichischer Bildhauer. Sehr früh entwickelt er seinen ganz persönlichen Stil. Aus verschiedenen Metallen hämmert (treibt) er unverwechselbare Skulpturen. Die unterschiedlichen Stilrichtungen der progressiven Zwischenkriegszeit prägen seine künstlerische Entfaltung. Mit den radikal reduzierten Skulpturen erringt er Anteil an der internationalen Formensprache der Moderne.

Leben

Franz Hagenauer Torso 1929 (Foto Im Kinsky)

Hagenauer besuchte als zwölfjähriger Bub einen Jugendkurs bei Franz Cizek an der Kunstgewerbeschule in Wien. Ab 1921 studierte er Bildhauerei bei Anton Hanak und Josef Hoffmann. Nach Abschluss seiner Ausbildung und einigen Studienreisen steigt er 1926 in die Metallwerkstatt seines Vaters ein. 1928, nach dessen Tod, übernimmt Karl Hagenauer, der Bruder von Franz, den Betrieb. Neben seinen bildhauerischen Werken schafft Franz Hagenauer nun auch Entwürfe für Produkte der Werkstätte. Bereits mit 25 Jahren wird er in den bedeutenden Künstlerkreis der Wiener Sezession aufgenommen. Seine Arbeiten finden Anerkennung bei mehreren internationalen Ausstellungen in Paris, Mailand, Venedig und Wien. Der Weltkrieg unterbricht abrupt sein Schaffen, bereits 1939 wird er eingezogen.

In der schwierigen Nachkriegszeit wird zunächst Salzburg zu seinem Lebensmittelpunkt. Die Produktpalette der Werkstätte umfasst nun auch Arbeiten in Holz, modernem Design und Kunstgewerbe. Franz Hagenauer wird 1946 Salzburger Landesinnungsmeister. Ende der Vierziger Jahre setzt auch im Osten Österreichs der Wirtschaftsaufschwung ein, aber auch aus privaten Gründen verlagert sich sein Lebensmittelpunkt wieder nach Wien. Im Dezember 1949 heiratet er Ingeborg. Sie gibt seinem Leben neue Prioritäten. Claudia kommt im darauf folgenden Jahr zur Welt, die jüngere Tochter Caja 1952. Franz Hagenauer erhält den Kulturpreis für angewandte Kunst der Stadt Wien und wird 1955 zum Vorstandsmitglied des Österreichischen Werkbundes berufen. Unerwartet stirbt sein Bruder Karl im März 1956. Karl hat die Werkstätte Hagenauer über schwierige Zeiten sehr erfolgreich geführt. Die nunmehrige Übernahme der Leitung der Werkstätte ist jetzt für Franz Hagenauer eine Notwendigkeit, seinen Intentionen entspricht sie nicht.

1962 wird Franz Hagenauer als Professor für freies Gestalten in Metall an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien berufen. Später übernimmt er auch eine Klasse für Emailarbeiten. Mit der Übernahme dieser neuen Aufgabe einher geht eine Besinnung auf seine eigentliche Berufung. Franz Hagenauer widmet sich wieder verstärkt diesen eigenständigen getriebenen Skulpturen. 1971 findet im Museum für Angewandte Kunst eine umfangreiche Ausstellung über die Werkstätte Hagenauer statt. Im Katalog schreibt der Bildhauer Fritz Wotruba eine sehr persönliche Laudatio die mit den Worten endet: „(...) solange ein Mensch lebt soll er seine Sache weiterführen. Franz Hagenauer sollte seine Sache weiterführen.“ Die neuen Arbeiten sind jetzt eine Fortsetzung seines bildhauerischen Schaffens der Dreißiger Jahre. In dieser späten Phase entstehen neue, expressive Werke. Er experimentiert mit den verschiedensten Techniken. An Ideen mangelt es ihm weiterhin nicht. Sein Wunsch in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag „Es ist noch so viel zu tun“ bleibt unerfüllt. Franz Hagenauer stirbt am 26. September 1986 in Salzburg an Herzversagen.

Werke

Reduzierte Kopfskulptur 1937

Bereits während seiner Ausbildung unter Anton Hanak und Josef Hoffmann entwickelt Franz Hagenauer seinen signifikanten Stil in der Bildhauerei. In den Ferien jobbt er unter Dagobert Peche in der „Wiener Werkstätte“ und erhält 1923 einen ausgeschriebenen Preis für eine Arbeit in getriebenem Metall. Zum Ende seiner Ausbildung ist er 1925 mit zwei Reliefplatten auf der richtungsweisenden Pariser Weltausstellung „Exposition des Arts Décoratifs“ vertreten. Dafür wurde Franz Hagenauer im Winter des letzten Studienjahres für drei Monate beurlaubt. Gleichzeitig hat er für die Werkstätte Hagenauer mit der Figur eines knienden Ritters und eines Wappenadlers zwei weitere Exponate geschaffen. Diese frühen Arbeiten überzeugen vor allem handwerklich. Künstlerisch ist der 19-Jährige noch sehr dem Traditionellen angepasst. Die damaligen Kreationen wirkten noch etwas „hart, unbeholfen und gewollt“, wie das Kunstmagazin „Deutsche Kunst und Dekoration“ kritisiert. Doch schon bald legt er diese „Blechernheit“ der ganz frühen Werke ab.

Kupferskulptur mit abstrakter Emailglasur, ca. 1975 (Foto Im Kinsky)

Mehrere Auslandsaufenthalte in Paris, Berlin und Rom vermitteln Franz Hagenauer den Zeitgeist der Moderne. Das besondere Flair des Art Déco manifestiert sich ebenso wie der vom Funktionalismus geprägte Bauhaus-Stil. Seine neuen Arbeiten dokumentieren diese Formensprachen. Sowohl im Stil der Neuen Sachlichkeit als auch des Neoklassizismus erreicht er in den späten Zwanziger Jahren eine frühe Meisterschaft. Eine Fotografie aus dem familiären Nachlass ist mit ca.1928 einzuordnen. Links sieht man einen nach hinten geneigten, halb-plastischen Männerkopf, die beiden Gesichtshälften unterschiedlich, so dass sich eine spannende simultan Ansicht ergibt. Franz Hagenauer erzielt damit die Gleichzeitigkeit einer Betrachtung von verschiedenen Gesichtspunkten. Vor einigen Jahren noch in der Sammlung des Pop-Art Künstlers Andy Warhol, kam er wieder zurück nach Wien und befindet sich heute im Museum der Sammlung Leopold. Auf dem Foto rechts: der Halbakt einer jungen Frau mit leicht geneigtem Kopf und gesenkten Augenlidern ist ebenfalls bereits ein Meisterwerk. Der Künstler verzichtet auf schmückende Ornamente und beschränkt sich auf eine klare Formensprache. Die Gesichtszüge im Stil von Modigliani entsprechen dem Zeitgeist der Moderne. Eine sehr ähnliche Version befindet sich heute in der Sammlung des Museums für Angewandte Kunst in Wien. Der in Kupfer getriebener Torso eines jungen Mannes ist eine Auseinandersetzung mit der Fragmentierung des Körpers. Diese neoklassizistische Arbeit ist ein Höhepunkt in seiner frühen Schaffensperiode. Im Österreich Pavillon „Exposition d' Art Autrichienne“ auf der Weltausstellung in Paris 1937 ist es eines der Hauptwerke des österreichischen Kunstschaffens dieser Epoche.

Seine Arbeiten in den frühen 30er Jahren sind geprägt von der künstlerischen Auseinandersetzung zwischen dem Neoklassizismus, der neuen Sachlichkeit, dem Art déco und Design Entwürfen für die „Werkstätte Hagenauer“. Analog zu der internationalen Entwicklung entstehen einige Hauptwerke in einem monumental-vergeistigten Realismus. Der Architekt Adolf Loos stirbt 1933. Franz Hagenauer schafft den getriebenen, monumentalen „Loos-Kopf“. Trotz seiner Größe ist die Skulptur eine äußerst lebensnahe Darstellung. Heute befindet er sich in der permanenten Ausstellung der Sammlung Leopold im Museumsquartier Wien. Ebenfalls dieser Schaffensperiode zuzuordnen ist ein in seltener Perfektion gearbeiteter, aus Kupfer getriebener naturalistischer Männerkopf. Er wurde 1934 auf der Biennale in Venedig ausgestellt, ist eine Zuwendung der „Julius Reich Künstlerstiftung“ und befindet sich heute in der Österreichischen Nationalgalerie im Oberen Belvedere.

Die weitere Entwicklung erfolgt ab nun radikal auf der künstlerischen Ebene. Franz Hagenauer folgt dem Zeitgeist des Postexpressionismus und findet zu einer umfassenden Abstraktion. Der Verzicht auf alles Unwesentliche führt zu der klaren Form. Nicht die Dinge selbst, sondern die Einfühlung in das Wesen der Dinge, ist ab nun Inhalt und Ausdruck seiner Werke. Mit der radikalen Reduktion auf das Essenzielle wird er zum Mitgestalter der weltweit gültigen Formensprache der Moderne. Diese ungewöhnlichen Arbeiten sind die bedeutendsten für das gesamte Lebenswerk. Oftmals werden sie ergänzt durch ein minimales Detail. Dann entsteht ein kreatives Spannungsfeld, das den Betrachter in ein unbegrenztes Universum entführt. Die außergewöhnlichen gesichtslosen Köpfe und Figuren werden Jahrzehnte später zu seinen gefragtesten Kunstwerken.

Der Weltkrieg bremst diese fruchtbare Schaffensperiode jäh. Die Nachkriegszeit ist von den wirtschaftlichen Notwendigkeiten geprägt, seine Kunst tritt in den Hintergrund. Er wurde ausgewählt, für das Parlament in Wien einen großen Bundesadler zu entwerfen und aus getriebenem Metall auzuführen. Erst mit der Erteilung einer Professur an der Hochschule erlangt Franz Hagenauer wieder seine ungebremste Schaffenskraft. Die Arbeiten werden jetzt zarter, die Figuren meist gelängt. Oftmals ergänzt mit Bändern oder signifikanten Details. An einem weiblichen Torso als Gegenstück zu seinem maskulinen Frühwerk arbeitet er mit Unterbrechungen über Jahre.

Angeregt durch den Erfolg der Ausstellung im Museum für angewandte Kunst und den beflügelnden Worten von Fritz Wotruba verstärkt sich der Tatendrang. Ständig ist er auf der Suche nach Erneuerung, immer wieder werden neue Ideen umgesetzt. Zu den späten Höhepunkten seines Schaffens zählen einige innovative Kopfplastiken, deren abstrakte rote Emaillierung diese raren Werke in eine neue Dimension erheben. Die starke Ausdruckskraft resultiert aus der radikalen Reduktion und dem Zusammenspiel von Material und Technik. Die exzeptionellen bildhauerischen Arbeiten von Franz Hagenauer werden heute wegen der fehlenden Abgrenzung zu den vielen kunstgewerblichen Erzeugnissen der Werkstätte Hagenauer nur von wenigen Kennern geachtet.

Werkstätte Hagenauer Wien

Die Werkstätte Hagenauer wurde durch kleine Messingfiguren bekannt, welche die Tradition der Wiener Bronze in moderner Form fortsetzten. Sie werden wie die Objekte von Carl Auböck und Baller gehandelt. Gegossene und auch getriebene Figuren wurden nach Skizzen in der Werkstätte hergestellt. Ein Großteil wurde in die USA exportiert. 1987 wurde die Werkstätte geschlossen. Karl Hagenauer leitete die Werkstätte Hagenauer, die von seinem Vater Carl Hagenauer im Jahre 1898 gegründet wurde, ab 1928[1] bis zu seinem Tod 1956. Anschließend übernahm Franz Hagenauer die Leitung der Werkstätte.

Für die Qualität bei der Herstellung sorgten die Werkmeister: Ernst Jessineg 1935 bis 1975, danach Karl Schmidt[2] bis zur Schließung 1987. Die Objekte der Werkstätte Hagenauer Wien wurden mit dem Werkstattzeichen WHW punziert. Ausgewählte Arbeiten wurden nach dem Entwerfer mit „FRANZ“ oder „KARL“, bzw. mit FH oder KH signiert.

Auszeichnungen und Ausstellungen

  • 1925 „Exposition International des Arts Décoratifs“, Paris
  • 1928 Wiener Künstlerhaus – Weihnachtsschau
  • 1930 Triennale di Milano
  • 1931 Mitglied der Wiener Sezession und der Kunstschau
  • 1934 20. Biennale in Venedig
  • 1937 Weltausstellung "Exposition Internationale des Arts et Techniques dans la Vie Moderne", Paris
  • 1950 Kulturpreis der Stadt Wien für angewandte Kunst
  • 1948, 1951, 1955, 1957, 1960 Triennale in Mailand oder Monza
  • 1958 Weltausstellung in Brüssel
  • 1971 Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Wien
  • 1986 Gedächtnisausstellung der Galerie Würthle Wien
  • 2011 Ausstellung im Otto Wagner „Sparcassensaal“ der BAWAG Foundation, Wien

Literatur

  • Marcus Antonius Kutschak: Franz Hagenauer: Biographie und figurales Werk – Versuch einer kunstgeschichtlichen Positionierung. Diplomarbeit Universität Wien, 2003.[3]
  • Deutsche Kunst und Dekoration – Band 57 1925/26: „Exposition International des Arts Décoratifs“ – Arbeiten der Werkstätte Hagenauer.
  • Fritz Wotruba, Wilhelm Mrazek: Katalog zu der Ausstellung „Hagenauer“ im Museum für Angewandte Kunst in Wien.
  • Erich Breinsberg: Franz Hagenauer – Die singuläre Kunst der handgetriebenen Metallskulptur. Morawa, ISBN 978-3-9905706-9-2.
  • Olga Kronsteiner: Werkstätte Hagenauer – Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit. Ausstellungskatalog Wagner-Werk der Bawag Foundation, 2011.

Einzelnachweise

  1. kunstnetösterreich Werkstätte Hagenauer Wien (WHW).
  2. Karl Schmidt
  3. Nachweis im Österreichischen Bibliothekenverbund