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vom 18.01.2019, aktuelle Version,

Gänserndorf

Stadtgemeinde
Gänserndorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Gänserndorf
Gänserndorf (Österreich)
Gänserndorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Gänserndorf
Kfz-Kennzeichen: GF
Fläche: 30,57 km²
Koordinaten: 48° 20′ N, 16° 43′ O
Höhe: 167 m ü. A.
Einwohner: 11.404 (1. Jän. 2018)
Bevölkerungsdichte: 373 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2230
Vorwahl: 02282
Gemeindekennziffer: 3 08 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
2230 Gänserndorf
Website: www.gaenserndorf.at
Politik
Bürgermeister René Lobner (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(37 Mitglieder)
14
14
4
4
1
14  14  4  4  1 
Insgesamt 37 Sitze
Lage von Gänserndorf im Bezirk Gänserndorf
AderklaaAndlersdorfAngern an der MarchAuersthalBad PirawarthDeutsch-WagramDrösingDürnkrutEbenthalEckartsauEngelhartstettenGänserndorfGlinzendorfGroß-EnzersdorfGroß-SchweinbarthGroßhofenHaringseeHauskirchenHohenau an der MarchHohenruppersdorfJedenspeigenLasseeLeopoldsdorf im MarchfeldeMannsdorf an der DonauMarcheggMarkgrafneusiedlMatzen-RaggendorfNeusiedl an der ZayaObersiebenbrunnOrth an der DonauPalterndorf-DobermannsdorfParbasdorfProttesRaasdorfRingelsdorf-NiederabsdorfSchönkirchen-ReyersdorfSpannbergStrasshof an der NordbahnSulz im WeinviertelUntersiebenbrunnVelm-GötzendorfWeiden an der MarchWeikendorfZistersdorfNiederösterreich Lage der Gemeinde Gänserndorf im Bezirk Gänserndorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Das Rathaus von Gänserndorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Gänserndorf ist eine Stadt mit 11.404 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2018) im Marchfeld (Niederösterreich) und Sitz der Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirkes.

Allgemeines

Gänserndorf hat sich in den letzten Jahrzehnten zur Schul- und Einkaufsstadt, aber auch zu einem kulturellen Zentrum entwickelt. Fachmarktzentren haben sich angesiedelt, das Weinviertel Klinikum (Medizinisches Zentrum Gänserndorf) ist seit 15. Juli 2002 geöffnet und ein Windpark wurde in Betrieb genommen.

Die Stadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge in das Weinviertel sowie zu den March-Donau-Auen und den Schlössern des Marchfeldes.

Anfang 2004 wurde Gänserndorf in die Aktion Stadterneuerung des Landes Niederösterreich aufgenommen.

Geografie

Gänserndorf liegt etwa 20 km nordöstlich von Wien im nördlichen Marchfeld. Mit Wien ist es sowohl durch die Angerner Straße B 8 als auch durch die Nordbahn verbunden.

Die Stadt umfasst eine einzige namensgleiche Katastralgemeinde.

Nachbargemeinden

Schönkirchen-Reyersdorf Prottes
Strasshof an der Nordbahn Weikendorf
Markgrafneusiedl Obersiebenbrunn

Gemeindegliederung

f1  Karte mit allen Koordinaten: OSM

Ortslagen sind die Gänserndorf-Siedlung, die Österreichische Mineralölverwaltung, Siehdichfür und Tiefental.

Geschichte

Ehemalige Synagoge in der Bahnstraße

Am 10. Februar 1115 wird „Genstribindorf“ erstmals in einer Urkunde erwähnt. In dieser Urkunde werden auch die Grenzen des Pfarr- und Zehentbezirkes festgelegt. Der Name Genstribindorf – Gänsetreiberdorf dürfte darauf zurückzuführen sein, dass hier erstmals Gänse in großen Scharen gehalten wurden – die sumpfige Weidenbachniederung war dafür ideal -, doch könnte der Name auch auf einen Personen- oder Spitznamen „Gänsetreiber“ hinweisen.

Der Name des Ortes wurde zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert in den verschiedensten Schreibweisen erwähnt, da nach dem Gehör die angesagten Namen eingetragen wurden. Unter Maria Theresia wurde der Ort 1741 urkundlich als „Großgänserndorf“ bezeichnet. Ab etwa 1750 wurde der Ort als Unter-Gänserndorf im Marchfeld (im Unterschied zu Ober-Gänserndorf bei Korneuburg) bezeichnet. Nach Einrichtung der Bezirkshauptmannschaft im Jahr 1901 stellte Unter-Gänserndorf den Antrag auf Namensänderung und am 21. März 1904 wurde der Name „Gänserndorf“ kundgemacht.

Der Aufschwung Gänserndorfs begann mit dem Anschluss an die Nordbahn im Jahr 1838. 1853 wurde der Gemeinde das Marktrecht verliehen; zur Stadt erhoben wurde sie durch Beschluss der Niederösterreichischen Landesregierung vom 19. Dezember 1958.

Auf Weisung des Gauleiters Josef Bürckel erstellte Staatskommissar Walter Rafelsberger im Herbst 1938 Pläne eines ersten „Judensammellagers“, auch als „Auswandererumschulungslager für Nichtarier“ bezeichnet, mit Baracken für 10.000 Personen im Marchfeld. Dadurch sollten jüdische Arbeitslose aus Wien geschafft und damit Wohnraum freigemacht, Juden in handwerkliche Berufe umgeschult und ihre Arbeitskraft genutzt werden, solange sie noch im Land seien.[1] Ende Februar 1939 waren neben einer SA-Wachmannschaft etwa 80 Juden in Gänserndorf untergebracht und mit vorbereitenden Arbeiten beschäftigt. Im April 1939 wurde eine Höchstzahl von 160 jüdischen Arbeitern erreicht, alsbald aber viele von ihnen zu anderen Arbeitseinsätzen abgezogen.[2] Bis zu 80 Juden wurden in der Folge bei landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt. Da bereits hohe Kosten aufgelaufen waren und die Finanzierung ungeklärt blieb, wurde das Lager zum 1. April 1940 geschlossen.[3]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Durch zahlreiche Wohnungsneubauten hat sich die Bevölkerung in Gänserndorf in den letzten 30  Jahren mehr als verdoppelt.

Religionen

Stadtpfarrkirche

Größte Religionsgemeinschaft ist die Römisch-katholische Kirche, der 69,1 % der Bevölkerung angehören. Dem Islam gehören 3,6 % an, evangelisch sind 3,3 %, orthodox 1,4 %. 20,1 % der Bevölkerung sind ohne religiöses Bekenntnis.

Gänserndorf ist Sitz einer römisch-katholischen Pfarre und dreier Moscheen.

Politik

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist seit dem 9. März 2015 René Lobner (ÖVP), Vizebürgermeisterin ist Margot Linke (GRÜNE) und der Amtsleiter ist Anton Wildmann.

Im Stadtgemeinderat gibt es bei insgesamt 37 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 14, SPÖ 14, GRÜNE-Liste 4, FPÖ 4, Freie Bürgerliste Gänserndorf 1. Ab dem 9. März 2015 stellt die ÖVP erstmals den Bürgermeister seit 1945. Von 1945 bis 2015 gehörten alle Bürgermeister der SPÖ an.

Bei der Europawahl 2014 erreichte die FPÖ den ersten Platz.

Bürgermeister
  • 1850-1860 Johann Zillinger
  • 1861-1867 Gregor Scharmitzer
  • 1867-1870 Johann Tschirf
  • 1870-1875 Lorenz Zillinger
  • 1875-1888 Georg Hansy
  • 1888-1892 Raimund Hager
  • 1892-1901 Leopold Scharmitzer
  • 1901-1919 Laurenz Strasser
  • 1919–1929 Leopold Scharmitzer (CS)
  • 1929-1932 Heinz Zechl
  • 1932-1935 Johann Haindl
  • 1935-1937 Leopold Scharmitzer
  • 1937-1938 Johann Haindl
  • 1938-1943 Alfred Lehner - Wehrdienst ab 1943
  • 1943-1945 Josef Huber - beauftragter Geschäftsführer
  • 1945-1946 Josef Helm - von den Russen abgesetzt
  • 1946 LAbg Friedrich Ficker (SPÖ) - von den Russen eingesetzt
  • 1946-1950 Josef Helm (SPÖ)
  • 1950-1955 Johann Staringer (SPÖ)
  • 1955–1978 LAbg Josef Graf (SPÖ)
  • 1978–1980 Dr. Ernest Brezovszky (SPÖ)
  • 1980-1988 RR Erwin Konecny (SPÖ)
  • 1988-1998 Dietmar Prorok (SPÖ)
  • 1998–2006 Johann Karl (SPÖ)
  • 2006–2010 Annemarie Burhardt (SPÖ)
  • 2010–2012 Robert Michl, BA (SPÖ)
  • 2012–2015 Kurt Burghardt (SPÖ)
  • seit 2015 René Lobner (ÖVP)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Katholische Pfarrkirche Gänserndorf
  • Jüdischer Friedhof Gänserndorf
  • Gänserndorf versteht sich unter anderem auch als Stadt der Säulen. Es gibt verschiedene Säulenstandorte, die paarweise stehend als Tor bezeichnet werden. Beispiele dafür sind das Schönkirchener Tor, das Protteser Tor oder die Safaripark Säulen. Im ganzen Stadtgebiet verteilt findet man Säulenkunstwerke wie zum Beispiel die Säulenreihe vor dem Wirtschaftsförderungsinstitut und den Säulenwald bei der Volksschule Gänserndorf.
  • Das Piefkedenkmal, eine „Klangskulptur aus COR-TEN-Stahl“ vor der Stadtbücherei, ähnelt einer Schallplatte und gibt bei Bewegung ein Kratzgeräusch von sich. Es wurde im September 2009 zu Ehren von Johann Gottfried Piefke aufgestellt, der im Juli 1866 zusammen mit seinem Bruder Rudolf in Gänserndorf ein Konzert gegeben hatte. Die Stadt erinnert mit der Skulptur zum einen an die Schlacht bei Königgrätz, die für die Preußen siegreich zu Ende gegangen war und an der Piefke als Musiker teilgenommen hatte, und zum anderen daran, dass Piefke im 19. Jahrhundert ein durchaus sogar in Österreich bekannter und beliebter Militärmusiker war.[4]
Kulturveranstaltungen
  • Ein bekanntes Kulturevent in Gänserndorf ist die Sommerszene. Diese an acht Wochenenden im Juli und im August stattfindende Freiluftveranstaltung bietet Musikdarbietungen und Kulinarisches aus den Gastronomiebetrieben der Stadt. Ein weiteres Highlight sind die Martinifeiern um den 11. November. Am Wochenende um den 8. Dezember findet jeweils von Freitag bis Sonntag der Advent im und um das Rathaus statt. Im Frühling und im Herbst haben die Geschäfte jeweils an einem Freitag im Rahmen der Langen Einkaufsnacht bis spät in die Nacht geöffnet.

Partnerstadt

Wirtschaft und Infrastruktur

Für die zahlreichen Pendler wurde am Bahnhof eine Park&Ride-Anlage errichtet, die den Umstieg auf die S-Bahn erleichtert.

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 428, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 29. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 3808. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 49,62 Prozent.

Es gibt in Gänserndorf drei größere Ansammlungen von Verkaufslokalen und Betrieben: Die zentral gelegenen Geschäfte in der Bahnstraße und Hauptstraße Gänserndorfs und Geschäftslokale auf der Bodenzeile im Südwesten der Stadt. Im Norden gelegen findet man eine größere Anzahl von Betrieben wie ÖMV und Novoferm.

Bedeutende Unternehmen

  • OMV Austria Exploration & Production GmbH, Aufsuchung und Gewinnung von Erdöl und Erdgas
  • Domoferm, Herstellung von Stahltüren, Brandschutztoren, Zargen usw.
  • Ziegelofen Gänserndorf, 1970 stillgelegt

Öffentliche Einrichtungen

Schulen

Ämter und Behörden

Gesundheitseinrichtungen

  • Medizinisches Zentrum Gänserndorf
  • niedergelassene Ärzte (praktischer Arzt, Hautarzt, Frauenarzt, Kinderarzt, Zahnarzt, Orthopäde, Urologe, Lungenfacharzt, Augenarzt, Radiologe, diverse Alternativmediziner, Tierarzt)
  • Bezirksapotheke
  • Stadtapotheke
  • Rotes Kreuz Bezirksstelle Gänserndorf

Brandschutz

Freizeit

Stadtbücherei und Musikschule Gänserndorf

Stadtbücherei

In der Stadtbücherei stehen fast 35.000 Bücher, Zeitschriften, Comics, Tonkassetten, CDs, Videos, DVDs und CD-ROMs für alle Interessierten zur Verfügung. Auch ein PC mit Internetzugang steht den Lesern zur Verfügung. Zusätzlich sind im literatur_network_marchfeld sieben Büchereien des Bezirkes Gänserndorf zusammengeschlossen. Dieses Netzwerk ermöglicht einen direkten Zugriff auf ca. 60.000 Medien.

Hallenbad und Freibad

Das Hallenbad war seit Dezember 1979 in Betrieb. In seinem Keller war eine Sauna bestehend aus zwei Kabinen, einer Dampfkammer und einer Infrarotkabine untergebracht. Während der Sommermonate wurde das am Hallenbadgelände befindliche Freibad geöffnet, wobei Freibadbesucher das Hallenbad mitbenützen konnten. Seit 13. Februar 2017 ist das Hallenbad geschlossen, der Neubau ist in Planung.

Stadthalle

Die Stadthalle besteht im Wesentlichen aus einer großen Sporthalle mit rund 300 Tribünenplätzen, einem kleineren Veranstaltungssaal im Untergeschoss und dem Restaurant Gambrinus.

Erlebnispark

Der ehemalige Safaripark ist seit seinem Konkurs im Jahr 2004 geschlossen. Einen Teil dieses Geländes hat die AWA-Erlebnispark GmbH[5] gepachtet und betreibt dort einen Hochseilklettergarten mit Streichelzoo und Bogenschießparcours.

Gut Aiderbichl

Einen weiteren Teil dieses Geländes hat das Gut Aiderbichl gepachtet und dort in den bereits vom Safaripark errichteten Affenhäusern ein „Affenrefugium“ eingerichtet, in welchem ehemalige Laboraffen der Firma Baxter betreut werden.[6] Ferner wurden Auffangstationen für Hunde, Ziegen und Tauben eingerichtet. Das Gelände des Gut Aiderbichl ist nicht öffentlich zugängig.

Sport

Neben Fußball ist in Gänserndorf vor allem Handball ein großer Blickfang, denn der Verein UHC Gänserndorf spielte bis 2009 in der höchsten österreichischen Spielklasse, der Handball Liga Austria.

Kunstturnen ist eine weitere Sportart, in der Gänserndorf eine österreichweite Vormachtstellung innehat. Als die erfolgreichsten können die Geschwister Florian und Tina Ramharter (beide Staatsmeister und Mitglieder des Nationalteams) genannt werden. Niederösterreichweit sind die Turnerinnen und Turner des SV OMV Volksbank Gymnastics Gänserndorf eine Klasse für sich, national sind Platzierungen unter den ersten 5 seit Jahren Standard.

Weiters sind die Tänzer des UTSS Raika Gänserndorf sehr erfolgreich. Auch sie haben den Niederösterreichischen Titel geholt. Seit 2004 gibt es in Gänserndorf auch einen Beachvolleyballverein der diese junge Sportart verbreitet.

Außerdem befinden sich im Gesamtverein SV OMV Gänserndorf noch weitere sportliche Sektionen wie z. B. Kegeln, Tennis, Judo, Minigolf, Tischtennis oder Schwimmen.

Neben den sportlichen Vereinen, gibt es auch noch zwei weitere für die Liebhaber der Fotografie sowie der Philatelie.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Franz Müller: Gänserndorf: Vom Bauerndorf zur Stadt; Beiträge zur Geschichte der Stadt Gänserndorf. Stadtgemeinde Gänserndorf, Gänserndorf 1989, S. 334.
  Commons: Gänserndorf  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Gänserndorf  – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Dieter Maier: Arbeitseinsatz und Deportation. Die Mitwirkung der Arbeitsverwaltung bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung in den Jahren 1938-1945. Publikationen der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, hrsg. von Wolfgang Scheffler/Gerhard Schoenberner, Berlin 1994, ISBN 3-89468-127-6, S. 62. / Dokument VEJ 2/111.
  2. Wolf Gruner: Zwangsarbeit und Verfolgung. Österreichische Juden im NS-Staat 1938-45. Innsbruck-Wien-München: StudienVerlag 2001. ISBN 3-7065-1396-X, S. 102.
  3. Wolf Gruner: Zwangsarbeit und Verfolgung. Österreichische Juden im NS-Staat 1938-45. Innsbruck-Wien-München: StudienVerlag 2001. ISBN 3-7065-1396-X, S. 147.
  4. Piefkedenkmal in Gänserndorf
  5. AWA-Erlebnispark GmbH
  6. Gut Aiderbichl