unbekannter Gast
vom 31.05.2017, aktuelle Version,

Heinz Conrads

Josef Lehner: Reliefplatte am Conrads-Denkmal in Wien Penzing

Heinz Conrads (* 21. Dezember 1913 in Wien; † 9. April 1986 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler, Kabarettist und Wienerlied-Interpret.

Leben

Heinz Conrads wurde als Sohn der Weißnäherin Marie Hansal, später Conrads (* 1890 in Gatterschlag, Südböhmen, † 1985 in Wien), unehelich geboren. Zwischen 1916 und 1922 erfolgte die Namensänderung auf Heinrich Conrads.[1]

Er lernte Modelltischler und engagierte sich bereits früh als Schauspieler in Theatervereinen. 1933 meldete er sich (aufgrund schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse) als Freiwilliger beim Bundesheer und wurde Funker. Daneben arrangierte und conférierte er Kompaniefeste. Er erkrankte während des Polenfeldzugs 1939 schwer und wurde infolgedessen nach Wien versetzt. 1940 war auf einem Meldezettel Lilly Conrads, geb. Peter, als Ehefrau angeführt. Während des Zweiten Weltkriegs nahm er Schauspielunterricht und debütierte 1942 am Wiener Stadttheater. Ob man ihm Anbiederungen an das Regime vorzuwerfen habe, wurde nie eingehend untersucht. Nach Kriegsende wurde er von Heinz Sandauer „entdeckt“ und war als Conférencier, Schauspieler und Chansonnier bei „Bunten Abenden“, Modeschauen und ähnlichen Veranstaltungen tätig.

Von 1945 bis 1948 und von 1950 bis 1955 trat Conrads im Wiener Kabarett Simpl auf. Von 1946 bis zu seinem Tod moderierte er für den ORF im Radio zunächst die Sendung Was machen wir am Sonntag, wenn es schön ist? dann Was gibt es Neues hier in Wien?, anschließend die österreichweit ausgestrahlte Nachfolgesendung Was gibt es Neues? Mit dieser allwöchentlichen großen Sonntagvormittagsrevue (jeweils 45 Minuten dauernd) machte er sich zum erstrangigen Publikumsliebling der österreichischen Rundfunkunterhaltung. Viele Jahre lang wurde er dabei an zwei Klavieren von Carl de Groof, Gustav Zelibor, (nach dessen Tod durch Norbert Pawlicki), Hans Kann, Herbert Seiter, Heinz Hruza, Leopold Grossmann und Franz Bauer-Theussl begleitet.

Im ORF Fernsehen präsentierte er jahrelang am Samstagabend die Sendung Guten Abend am Samstag (die 1957 zuerst unter dem Titel Was sieht man Neues startete - letztmals wurde die Sendung am 23. Dezember 1967 um 18.40 h unter diesem Titel ausgestrahlt, ab 6. Jänner 1968 gab es den neuen Titel).[2] Zu einem Markenzeichen wurde seine (fast) immer gleiche Begrüßung: Einen Handkuss den Damen, einen schönen guten Abend den Herrn und der Jugend, grieß eich die Madln, servas die Buam „Guten Abend meine Damen, guten Abend meine Herrn, guten Abend die Madln, servas die Buam“[3][4][5][6][7] mit darauffolgender Frage nach dem werten Befinden der Zuschauer und Wünschen zur Besserung, sollte es jemand brauchen, und begrüßte schließlich jene, die vielleicht – wie viele Abende – alleine vor dem Fernsehbildschirm sitzen.

Kurzfristig wurde die Sendung auch im Fernsehen in Deutschland und der Schweiz ausgestrahlt (siehe z.B. 22. Februar 1964, 20.15 h).

Die üblicherweise halbstündige Sendung, die zu einer regelrechten Institution wurde, diente vielen jungen Künstlern aus dem Bereich der Klassik und gehobenen Unterhaltungsmusik als Sprungbrett für die Karriere. Sie war ganz im klassischen Conférencestil gehalten und vereinte Musikdarbietungen und kurze Plaudereien, große Stars und hoffnungsvolle Nachwuchstalente. Auch der Gastgeber selbst gab Gesangsproben, meist im Stil des traditionellen Wienerlieds. Das Konzept der gehobenen Abendunterhaltung wurde oft auf mehrstündige Specials übertragen, die, ergänzt um humoristische Spielszenen, beispielsweise zu Silvester («Hereinspaziert ins neue Jahr» am 31. Dezember 1968 oder «Kinder, so jung komm' ma nimmermehr z'samm» am 31. Dezember 1982) ausgestrahlt wurden. An solchen Abenden begrüßte Conrads ein wahres Staraufgebot aus dem In- und Ausland. Ein weiteres Beispiel war "Singendes, klingendes Österreich" (u.a. 4. März 1967, 20.15 h, als Heinz Conrads in Lienz auf Schloss Bruck zu Gast war - oder - oder «Guten Abend in Österreich» mit dem Untertitel «Frei nach Ralph Benatzky» am 10. Mai 1969, 20.30 h).

Nach seinem Tod wurde das Sendekonzept einige Jahre von Peter Fröhlich weitergeführt.

Ab 1953 trat er als Schauspieler in Filmen und am Wiener Theater in der Josefstadt auf. Ab 1973 spielte er in der Wiener Volksoper häufig den „Frosch“ in der Operette Die Fledermaus. In diesem Jahr wurde ihm der Titel „Professor“ verliehen.

Heinz Conrads war auch begeisterter (Wiener-) Liederinterpret, Komponist und Texter, wie er es mit seinem Lied „Als meine Tochter Klavierspielen lernte“ gerne unter Beweis stellte. Lieder wie „Der Wurschtl“, „Das Schneeflockerl und das Ruaßflankerl“, „A schräge Wiesn am Donaukanal“, „Der Schuster Pokerl“, „Bitt Sie, Herr Friseur“, „Stellt's meine Roß in' Stall“ oder „Wenn im Lebn amal Halbzeit is“ und „Suachst an Zwiefel, findst an Knofel“ (die letzten beiden von Josef „Pepi“ Kaderka) bekommen durch seine originelle Interpretation etwas Zeitloses. Auch trug er Lieder von Otto Reutter vor („Der Überzieher“, „Der gewissenhafte Maurer“), die er sowohl im Text als auch in der Darbietung ins Wienerische „übertrug“. Besonders gerne aber sang er Lieder, die einen besonders langen Arm nach Tschechien hatten, woher seine Mutter stammte, wie etwa „Wie Böhmen noch bei Österreich war“ oder „Schön war es in Podiebrad“. Und immer zur Weihnachtszeit sang er das heiß ersehnte „Liebes Christkindl“ und die Geschichte „Der Maronibrater“ (Komponist: Herbert Seiter, Arrangeur Kurt Svab).[8] Außerdem ließ Conrads jeweils die große Orgel im Sendesaal von Radio Wien durch den Organisten Wolfgang Guhswald erklingen.

Heinz-Conrads-Denkmal von Josef Lehner vor dem Heinz-Conrads-Park
Grabstätte von Heinz Conrads

Heinz Conrads starb an einem Herzinfarkt[9] und wurde auf dem Friedhof Hietzing in einem ehrenhalber gewidmeten Grab bestattet (Gruppe 16, Grabkammer 35E). Ihm zu Ehren erhielt eine Grünfläche in der Nähe seines langjährigen Wohnsitzes seinen Namen. Der „Heinz-Conrads-Park“ befindet sich an der Ecke Schloßallee – Penzinger Straße im 14. Bezirk. 2004 wurde Conrads bei einer Leserumfrage der Tageszeitung Kurier in die Liste der 50 wichtigsten Österreicher der letzten 50 Jahre gewählt. Er galt als großer Fußballfan und unterstützte dabei vor allem den SK Rapid Wien.[10] Im Bezirksmuseum Penzing ist ihm eine Dauerausstellung gewidmet.

Rezeption

Anlässlich der Feier zum 70. Geburtstag von Conrads, die im TV stattfand, wurde der Begriff Conradsismus durch einen Kulturkritiker geprägt.

Auszeichnungen (Auswahl)

Heinz Conrads wurde in seiner Lebenszeit mit 54 Auszeichnungen und Ehrungen bedacht.

Filmografie (Auswahl)

Diskographie (Auswahl)

  • 1994 CD Heinz Conrads singt die beliebtesten Wienerlieder, Polygram Wien.
  • 1979 LP Prominente aus Wien, Elite Spezial

Einzelnachweise

  1. Digitalisate historischer Meldezettel der Stadt Wien
  2. Heinz Conrads abgerufen am 3. April 2011
  3. Franz Schuh: Ein halber Doppeladler, Falter, 25. August 2004 (Memento vom 5. Mai 2008 im Internet Archive)
  4. Wickie, Slime und Paiper, Die CD zur ORF TV-Show, BMG Ariola, CD 1 (1970er) / Track 2, Heinz Conrads: Guten Abend am Samstag, Begrüßung
  5. Wickie, Slime und Paiper Vol. 3, Sony/Columbia, CD 2 (1980er) / Track 15, Heinz Conrads: Begrüßung und Schwarzseher-Kampagne aus dem Jahre 1982
  6. Wickie, Slime und Paiper XL, Sony/?, CD 2 / Track 1, Heinz Conrads: Begrüßung
  7. Theater und Fernsehlegenden: Hereinspaziert ins neue Jahr (Aufzeichnung vom 31. Dezember 1969), ORF III, 1. Jänner 2012, 16:35. Ein früher (da die Kollegen noch Silvestervorstellung haben) Silvesterabend mit Heinz Conrads und seinen Gästen im Wiener Rathaus
  8. Der Maronibrater bei notendatenbank.net. Abgerufen am 11. September 2013.
  9. Zum 30. Todestag / Heinz Conrads. Redaktion Österreichisches Pressebüro, 8. April 2016, abgerufen am 10. Dezember 2016.
  10. Martin Behr, Herbert Troger: Wir sind Sturm! – 100 Jahre Grazer Fußballgeschichte, S. 282
  11. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)