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vom 15.05.2017, aktuelle Version,

Johann Christoph Egedacher

Johann Christoph Egedacher (* 3. Jänner 1666 in München; † 13. September 1747 in Salzburg) arbeitete in Salzburg als Orgelbauer.

Leben

1713 (–1753) wurde das damals hier stehende Haus die Murersche und Eggedacherische Behausung genannt.

Egedacher zählt als Sohn von Christoph Egedacher zu der Straubinger Orgelbaudynastie der Egedacher, die zusammen mit den Familien Butz und Freundt als wichtigste Vertreter der süddeutschen Orgelbauschule und damit des bayrischen und (heutigen) österreichischen Raumes gelten.

Im Alter von etwa sechs Jahren übersiedelte er mit seinem Vater von München nach Salzburg, wo er am 30. Oktober 1677 als Schüler am Benediktinergymnasium inskribiert wurde. Seine Ausbildung dürfte er in der in Salzburg-Mülln gelegenen Werkstätte seines Vaters erhalten haben.

Am 25. Juni 1703 heiratete er in der Müllner Kirche Maria Forsthuber, mit der er acht Kinder hatte. Maria Anna wurde am 24. Juli 1704 in Mülln, die anderen Kinder in der alten Andräskirche getauft: Johann Christoph (22. Oktober 1706), Maria Eva (20. Dezember 1707), Johann Jakob (19. Mai 1709), Johann Georg Kajetan (6. April 1711), Maria Clara (8. April 1713), Johann Rochus Egedacher (5. August 1714) und Johann Simon Wolfgang (27. Oktober 1717). In zweiter Ehe war Johann Christoph Egedacher mit Maria Lanz verheiratet.[1] Nach dem Tod seines Vaters erhielt Egedacher am 6. August 1706 die Salzburger Hoforgelmacherstelle verliehen, mit einer monatlichen Besoldung von 12 fl. 30 kr.[2] Noch zu dessen Lebzeiten hatte er 1703 aus Anlass der geplanten Erweiterung der Salzburger Domorgel eine erste Studienreise nach Trient zur Orgel der Konzilskirche „Santa Maria Maggiore“ unternommen. Bei einer zweiten Reise 1717 nach Straßburg besuchte er Andreas Silbermann, untersuchte mit ihm dessen für das Straßburger Münster neu erbaute Orgel und kaufte ihm sein Rezept für ein Präparat gegen „Wurmfraß“ ab.

Seine Werkstätte hatte Egedacher zuerst in der Salzburger Augustinergasse 2, Ecke Mülleggstraße 17, später im Haus Bergstraße 12, das 1713 die Murersche und Eggedacherische Behausung genannt wurde.[3] Laut einer sogenannten Seelenbeschreibung hatte er 1713 drei Gesellen: Wilhelm Stalls aus Franken, Anton Singstoller aus Landshut und Joseph Dözer.[4]

Seine beiden wichtigsten Arbeiten dürften die Erweiterung (1705/06) und grundlegende Verbesserung (1718) der Salzburger Domorgel und der Neubau (1714–16) der großen Liebfrauen-Orgel im Salemer Münster sein. Darüber hinaus sind über 25 Orgelneubauten von ihm nachweisbar.

Bis zuletzt als Orgelbauer tätig, starb er mit 83 Jahren und wurde 1747 am Friedhof St. Sebastian in Salzburg begraben.

Auf einem Porträt war Johann Christoph Egedacher mit Johann Babtist Graf Thurn-Valsassina und Leopold Mozart abgebildet.[5] Das Bild befand sich bis 1830 in der Gemäldesammlung von Franz Laktanz Graf von Firmian auf Schloss Leopoldskron, die Darstellung gilt als verschollen.[6]

Werkliste

Die Liste führt einige seiner nachgewiesenen Neubauten auf.

Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal.

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1704 Bergheim Dekanatskirche I 5
1705–06, 1718 Salzburg Salzburger Dom III/P 42 1706: Egedacher kündigte im Kontrakt zur Erweiterung der Salzburger Domorgel vom 1. Dezember 1704 an, nicht nur die in hochfürstlicher Domkhürchen alhier neu aufgerichte grosse Orgl mit zweÿ neuen fligen oder seithen wendten zu vermehren, sondern auch die in der Domb Orgel zu Trient sich befindende räre Register zu verschidenen Zungen Werckhen neben andern dieser hiesigen Domb Orgl auch einzuverleiben.... 1718: Die Monate Mai bis September 1718 arbeitete Egedacher wieder an der Domorgel in der Absicht, das große Werk in besseren Stand, als es jemals gewesen zuzurichten. An die 2000 Pfeifen fertigte er neu an und versah sie mit neuen Windstöcken. Die Orgel bekam allerdings, bei leicht veränderter Disposition, nicht mehr Register. Das Ergebnis war ein Instrument, das sich mit einer leicht gängigen Spielmechanik und einem reinen Ton auszeichnete.
1705/06 Eisenerz Pfarrkirche St. Oswald Ereignis: Nachdem seine Schwester Maria Scholastica (* 18. Nov. 1674 in Mülln) nachgekommen war, um ihm beim Bau der Orgel in der oberen Kirche und 2 andere[n] kleinen Werken zu helfen, verstarb dieselbe an einer hietzige[n] Krankheit und wurde am 22. Feb. 1706 in Eisenerz, St. Oswald, begraben.[7]
1706 Stuhlfelden Pfarrkirche
1709 Windischmatrei Positiv
1710–11 Mattsee Stift Mattsee
1711 Matrei in Osttirol Niklaskirche I 4 Positiv
1712 Salzburg Allerseelenkirche (heute das Haus Kaigasse 10) Von der sogenannten Schwarzen Bruderschaft, offiziell Allerseelenbruderschaft bezeichnet, um ca. 155 Gulden erworben. Die letzte Reparatur ist für das Jahr 1800 nachgewiesen und wurde von Hoforgelmacher Johann Ev. Schmidt um 20 Gulden durchgeführt. 1802 verkaufte man das Instrument, vermutlich ein Positiv, um 120 Gulden nach Anif.[8]
1712 Reichersberg Pfarrkirche (1820 abgebrochen). 1787 in die Pfarrkirche Münsteuer übertragen. I/P 8 Die im Zuge der Reformen Kaiser Joseph des II. durchgeführte profanierung der Pfarrkirche Reichersberg erfolgte 1787 die Übertragung der Orgel in die benachbarte Pfarrkirche zum hl. Paulus in Münsteuer. Sehr guter Erhaltungszustand.
Orgel
1713 Gmünd in Kärnten Pfarrkirche Maria Himmelfahrt I/P 9 Anscheinend von seinem Gesellen Josef Dözer, auch Dölger, aufgestellt.
1713 Obermauern Wallfahrtskirche I 6
1714 Salzburg Aula Academica II/P 24
1714 St. Veit im Pongau Pfarrkirche zum hl. Vitus I/P 7 weitgehend original erhalten
1714–1716 Salem (Baden) Salemer Münster (Liebfrauen-Orgel) II/P 30
1715 Salzburg Kollegienkirche Positiv
1717 Kirchental Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau I/P 7 nicht erhalten
1717 Burghausen St. Jakob
1719–20 Salem Salemer Münster (Dreifaltigkeits-Orgel) Prospektpfeifen erhalten
1720 Kuchl Pfarrkirche
1720–21 Salem Reichsabtei Versetzung des Rückpositivs, Reparatur des Chorpositivs, Neubau einer Tragorgel
1721 Salzburg Kollegienkirche Zusammenfügen zweier separater Orgeln zu einem Instrument
1723 Salzburg

(jetzt in Astätt/Lochen am See)

Kapellhaus (Sacellum) I 4 Vermutlich das Positiv des zum Kapellhaus gehörenden Salzburger Sacellums: Um 1870 wurde dieses Instrument, das der Lehrerbildungsanstalt Salzburg gehört hatte, welches im Kapellhaus beheimatet war, nach Lochen, verkauft. Das Positiv ist in der Filialkirche Astätt erhalten.[9]
1724 Irrsdorf Filialkirche
1729 Neumarkt am Wallersee Pfarrkirche
1729 Köstendorf Dekanatskirche Die neue Orgel kostete 434 fl.[10]
1730 Radstadt St. Loretto ob Lerchen
1731 Abtenau Pfarrkirche
1731 Henndorf am Wallersee Pfarrkirche
1732 Gleink Benediktinerstift II/P 20 Gehäuse erhalten; 1993 Rekonstruktion durch Bernhardt Edskes
1735 Sankt Jakob am Thurn Pfarrkirche Positiv
um 1735 Saalfelden Dekanatskirche
1736 Kramsach Wallfahrtsbasilika und Pfarrkirche Mariathal II/P 21 Als Mitgift einer Tochter Egedachers erbaut, die 1736 in das Kloster der Dominikanerinnen in Marienthal eintrat.
1737 Mondsee Kloster Mondsee Chororgel
1737 Goldegg im Pongau Pfarrkirche
1737 Zersdorf Filialkirche
1737 Thalgau Dekanatskirche
1737 Dürrnberg Wallfahrtskirche Vermutlich eine Reparatur eines bestehenden Instruments.[11]
1738 Prien am Chiemsee Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
1994 Orgelwerk mit III/50 und neues Rückpositiv von Gerald Woehl
1739 Gmunden Pfarrkirche Gmunden
1740 Herrenchiemsee, Kloster; seit 1816 in Tittmoning jetzt in St. Laurentius II/P 19[12] Ursprünglich für Kloster Herrenchiemsee geschaffen worden, wobei Gehäuse und Brüstung vermutlich von Georg Anton Kidl und Sebastian Mayr stammen; Prospekt und Brüstung erhalten.[13]
Beim Brand der Kirche 1815 war das Vorgängerinstrument Rochus Egedachers aus dem Jahre 1779 zerstört worden.
1740 Teisendorf Pfarrkirche 8[14].
1741 Linz Karmelitenkirche II/P 24 Gehäuse erhalten; 1969 neues Werk von Walcker-Mayer

Literatur

  • Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. München 1978, ISBN 3-7654-1704-1.
  • Alois Forer: Orgeln in Österreich. Wien / München 1973, ISBN 3-7031-0362-0.
  • Rupert Frieberger: Der Orgelbau in Oberösterreich im 17. und 18. Jahrhundert. Unter besonderer Berücksichtigung bestehender Instrumente. Innsbruck 1984. (Musikwissenschaftliche Beiträge der Schlägler Musikseminare, Band 3).
  • Ernst Hintermaier: Die Salzburger Hofkapelle von 1700 bis 1806. Dissertation Universität Salzburg 1972.
  • Rudolf Quoika: Egedacher, Johann Christoph. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 321 f. (Digitalisat).
  • Barbara Rettensteiner: Orgel- und Organistenreport Salzachpongau. Diplomarbeit Universität Mozarteum Salzburg 2001.
  • Josef Saam: Die alten Passauer Orgelbauer. Ihre Herkunft und ihr Schaffen von 1467 bis 1744. In: Ostbairische Grenzmarken. Passau 1977, S. 108–137. (Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde).
  • Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0 (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Universität Mozarteum 2012).
  • Heinz Schuler: Egedacher. Herkunft, Leben und Schaffen eines süddeutschen Orgelbauergeschlechtes von 1624 bis 1786. In: Genealogie, Jg. 27 (1978), Nr. 12, S. 369–389.
  • Hermann Spies: Die Salzburger Großen Domorgeln. Augsburg 1929.
  • Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982.

Einzelnachweise

  1. Anton Dawidowicz: Orgelbaumeister und Orgeln in Osttirol. Inauguraldissertation Wien 1949, S. 193.
  2. Ernst Hintermaier: Die Salzburger Hofkapelle von 1700 bis 1806. Dissertation Universität Salzburg 1972, S. 84. Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 83.
  3. Salzburger Landesarchiv: Doppler-Häuserchronik: Haus Bergstraße 12 (C Nr. 507). Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg. Dissertation: Salzburg 1982, S. 84.
  4. Salzburger Landesarchiv: Geheimes Archiv: XXVII/16. Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg. Dissertation: Salzburg 1982, S. 84.
  5. Im Verlassenschafts-Inventar kommt ein Bild vor „worauf das Porträt Sr. hochfstl. Gnaden, dann des Herrn Egedachers und des Herrn Mozart.“ In: Johann Riedel: Salzburgs Domherren. Von 1514–1806. Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (1867), S. 201, Eintrag 279. (Jge. 1863–1941 online) , aufgerufen am 11. Oktober 2015.
  6. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Salzburg 1982, S. 90a.
  7. Zitiert nach: Otmar Heinz: Frühbarocke Orgeln in der Steiermark. Zur Genese eines süddeutsch-österreichischen Instrumententyps des 17. Jahrhunderts, Berlin 2012, (Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark, hg. von der Historischen Landeskommission für Steiermark, Band 53), S. 161.
  8. Rupert Klieber: Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient. Peter Lang, Frankfurt am Main u.a. 1999, ISBN 3-631-34044-3, S. 175.
  9. Rupert Gottfried Frieberger: Der Orgelbau in Oberösterreich im 17. und 18. Jahrhundert. Innsbruck 1984, S. 212.
  10. Österreichische Kunsttopographie 10: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 1. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 10/1), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1913, S. 79.
  11. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 24.
  12. Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. München 1978, S. 194.
  13. Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. München 1978, S. 72 u. 81.
  14. Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. München 1978, S. 81.