Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Botschaft geht nur an das Administrator Team. Danke fürs Mitmachen, das zur Verbesserung des Systems oder der Inhalte beitragen kann. Ihre Nachricht (optional mit Ihrer E-Mail):
unbekannter Gast
vom 29.02.2020, aktuelle Version,

Julius Meinl II.

Gemälde von Hans Stalzer (vor 1910)

Julius Meinl II. (* 18. Jänner 1869 in Wien; † 16. Mai 1944 in Alt-Prerau, Niederösterreich) war Geschäftsführer des österreichischen Lebensmittelkonzerns Julius Meinl AG. Unter seiner Leitung wurde aus dem einfachen Lebensmittelgeschäft seines Vaters Julius Meinl I. eines der führenden Unternehmen der österreichischen Lebensmittelindustrie. Im Mai 1910 wurde ihm vom Kaiser das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen.[1]

Im Ersten Weltkrieg soll er das Kriegsministerium als Großkunden für Kekse aus dem Hause Meinl gewonnen haben, und alleine im November 1914 bestellte das Ministerium demnach 100.000 kg Kekse. Um die Jahreswende 1915/1916, also mitten im Ersten Weltkrieg, initiierte Meinl gemeinsam mit dem Wiener Großindustriellen Max Friedmann die Gründung der „Österreichischen Politischen Gesellschaft“ kurz „ÖPG“, der bald zahlreiche Angehörige des Groß- und Intelligenzbürgertums, Industrielle und Geschäftsleute, freiberuflich Tätige und Universitätsprofessoren angehörten. Neben Meinl waren es hauptsächlich zwei Persönlichkeiten, die maßgeblich an den Bestrebungen der ÖPG für einen raschen Verständigungsfrieden unter Verzicht auf Gebietserweiterungen Österreich-Ungarns beteiligt waren: der international angesehene Staatsrechtler Heinrich Lammasch und der Jurist und Reichsratsabgeordnete Josef Redlich. Meinl, dessen dichtes Netz von Lebensmittelgeschäften sich über die gesamte österreichisch-ungarische Monarchie erstreckte, erkannte wohl viel früher als die meisten anderen die sich rapide verschlechternde Versorgungslage der Monarchie im Rohstoff- und Lebensmittelbereich, so dass auch die Sorge um sein Unternehmen bei seinen Bestrebungen eine Rolle spielte. Die Bemühungen der ÖPG blieben letztlich erfolglos, obwohl Kaiser Karl I. Heinrich Lammasch wiederholt die Bildung einer Regierung unter dessen Führung anbot.

Auch an der Finanzierung der pazifistischen Zeitschrift Der Friede, die ab Jänner 1918 in Wien erschien, scheint Meinl maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Meinl durfte Spareinlagen verwalten, nachdem er 1923 den Spar- und Kreditverein der Freunde und Angestellten der Julius Meinl AG als Genossenschaft gegründet hatte.

Im Jahr 1924 ließ er sich von Joseph Binder das bekannte Mohrenkopf-Logo entwerfen – ein dunkelhäutiger Kinderkopf mit hohem roten Fez auf gelbem Grund. Bis in die 1990er-Jahre prägten diese Metallschilder das österreichische Straßenbild. Inzwischen erzielen sie bei Auktionen hohe Preise.[2]

Im Rahmen seines Konzerns setzte er zudem einige sozialpolitische Ideen um, die auch für andere Unternehmen maßgebend sein sollten, etwa die Einführung der 5-Tage-Woche im Jahr 1931. Julius Meinl III. übernahm 1933 das operative Geschäft.

Meinl wirkte auch außerhalb der ÖPG als Diplomat: Im Rahmen der sogenannten Meinl-Gruppe, eines losen Zusammenschlusses pazifistischer Politiker, Juristen und Wirtschaftsführer, war er in den Jahren 1917/1918 entscheidend an der Vorbereitung eines Friedensschlusses mit der Entente beteiligt. Auch diese Aktionen blieben aber letztlich erfolglos.

Seine erste Frau, die für ihren Wohltätigkeitssinn vielgerühmte Emmy (geb. Emma Amilie Schörner, 21. März 1871), verstarb am 27. April 1922 nach kurzer schwerer Krankheit im Lahmann-Sanatorium von Dresden. Über 20 Jahre hinweg übte sie das Ehrenamt einer Oberverwalterin des Karolinen-Kinderspitals aus. Ihre Beisetzung in der Familiengruft auf dem Dornbacher Friedhof zog zahlreiche Menschen an, unter anderem auch ein Großaufgebot von Vertretern der Politik, Großindustrie und aus der Bankenwelt.

1931 wiederverheiratete sich Meinl mit der 40 Jahre jüngeren, lebensfreudigen Sängerin und Schauspielerin Michiko Tanaka, was dieser die Heimkehr nach Japan ersparte und die dauerhafte Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes nach Mitteleuropa ermöglichte. 1941 wurden beide geschieden, nachdem der Schauspieler Viktor de Kowa um ihre Hand anhielt. Bei der anschließenden Heirat war Meinl Trauzeuge.

Im Jahr 1954 wurde die Julius-Meinl-Gasse nach ihm benannt, in der sich seit 1912 der traditionelle Firmensitz von Julius Meinl befindet. Sie beginnt bei der Volksschule Julius-Meinl-Gasse 1, verläuft großteils durch Ottakring, dem 16. Wiener Gemeindebezirk und endet im 17. Bezirk an der Hernalser Hauptstraße.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Die Arbeit, Wien, 22. Mai 1910. S. 5.
  2. Oberösterreichische Nachrichten vom 3. Jänner 2009, Meinl-Banker begannen als Kaffeeröster.