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vom 10.12.2016, aktuelle Version,

Kanzleramtsminister (Österreich)

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Ein inoffiziell Kanzleramtsminister genannter Bundesminister, offiziell Bundesminister im Bundeskanzleramt, ist in Österreich ein Minister, der – mit oder ohne Geschäftsbereich (angelobt „ohne Portefeuille“) – formal im Bundeskanzleramt agiert, auch dann, wenn die ihm übertragenen Bereiche des Amtes nicht am Sitz des Bundeskanzleramtes verwaltet werden.

Funktion und Stellung

Ein Kanzleramtsminister ist – neben den mit der Leitung eines Bundesministeriums betrauten Bundesministern – ein weiteres Mitglied der Bundesregierung. Er ist mit der Besorgung bestimmter Geschäfte beauftragt, die in den Wirkungsbereich des Bundeskanzlers fallen.[1] Er hat Sitz und Stimme im Ministerrat.[1]

Kanzleramtsminister werden vom Bundespräsidenten auf Vorschlag des Bundeskanzlers nach Bedarf bestimmt.

„Der Bundespräsident kann die sachliche Leitung bestimmter, zum Wirkungsbereich des Bundeskanzleramtes gehörender Angelegenheiten, und zwar auch einschließlich der Aufgaben der Personalverwaltung und der Organisation, unbeschadet des Fortbestandes ihrer Zugehörigkeit zum Bundeskanzleramt eigenen Bundesministern übertragen; solche Bundesminister haben bezüglich der betreffenden Angelegenheiten die Stellung eines zuständigen Bundesministers.“

Eine besondere Häufung der Kanzleramtsminister bestand in den 1920er und 1930er Jahren, als 1923 die Bundesministerien für Inneres und auswärtige Angelegenheiten aufgelöst wurden, und unter Dollfuß und Schuschnigg in der Zeit des Austrofaschismus mehrere weitere Angelegenheiten beim Bundeskanzler zentralisiert wurden.
In den Staatsregierungen Deutschösterreichs von 30. Oktober 1918 bis 10. November 1920 (Renner I, II, III und anfangs Mayr I), wie auch in der provisorischen Staatsregierung 1945 (Renner IV) unterstanden alle Ressortleiter, als Staatssekretäre, der Staatskanzlei, wie das Bundeskanzleramt damals genannt wurde.

Daneben finden sich auch einige Interims-Ministerposten und -beauftragungen (etwa während der Neubildung und Umstrukturierungen von Ministerien). Explizite Minister ohne Portefeuille, also zu politischen, nicht administrativen Zwecken eingesetzt, gab es für längere Zeit nur in der Zwischenkriegszeit (1918–1938) und in der Besatzungszeit (1945–1955).

Amtssitz

Die Kanzleramtsminister amtieren oft nicht direkt im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz, sondern traditionell – wie auch allfällige Staatssekretäre des Bundeskanzlers – in der Beletage des Amalientrakts der Hofburg, wo auch der Bundespräsident residiert.[2]

Liste der Kanzleramtsminister der Republik Österreich

Stand der Liste 05/2016
Bundesminister Partei Amtszeit Funktion Regierung
Ach, Hermann Hermann Ach[3] ? 20. Mai 1932 
28. Sep. 1932
Bundesminister, mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit betraut Dollfuß (I)
Altenburger, Erwin Erwin Altenburger  ÖVP  11. Jan. 1947 
10. Okt. 1949
Bundesminister Figl (I)
Baar-Baarenfels, Eduard Eduard Baar-Baarenfels  VF  17. Okt. 1935 
15. Mai 1936
Bundesminister, ab 29. Okt. 1935 mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten des Sicherheitswesens und der inneren Verwaltung betraut Dollfuß (II)
Schuschnigg (I)
Bachinger, Franz Franz Bachinger  LB  04. Feb. 1932 
10. Mai 1933
Bundesminister, mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit betraut,
ab 6. Mai 1933 (unter Dollfuß) mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung betraut
Buresch (II)
Dollfuß (I)
Berger-Waldenegg, Egon Egon Berger-Waldenegg  VF  29. Juli 1934 
14. Mai 1936
Bundesminister, 3. Aug. 1934 17. Okt. 1935
und wieder ab 29. Okt. 1935 Bundesminister für die auswärtigen Angelegenheiten
Dollfuß (II)
Schuschnigg (I)
Bures, Doris Doris Bures  SPÖ  01. Mär. 2007 
01. Juli 2008
Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik Gusenbauer
Buresch, Karl Karl Buresch  CS  17. Okt. 1935 
30. Jan. 1936
Bundesminister (vorher Bundesminister für Finanzen) Dollfuß (II)
Schuschnigg (I)
Dohnal, Johanna Johanna Dohnal  SPÖ  10. Jan. 1991 
06. April 1995
Bundesministerin ohne Portefeuille,
ab 8. Feb. 1991 Bundesministerin für Frauenangelegenheiten
Vranitzky (III, IV)
Drozda, Thomas Thomas Drozda  SPÖ  18. Mai 2016  Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien Kern
Ender, Otto Otto Ender  CS  19. Juli 1933 
10. Juli 1934
Bundesminister, ab 20. Juli 1933 mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der Verfassungs- und Verwaltungsreform betraut Dollfuß (I, II)
Schuschnigg (I)
Ettl, Harald Harald Ettl  SPÖ  02. Feb. 1989 
01. Feb. 1991
Bundesminister für Gesundheit und öffentlicher Dienst bis 9. Okt. 1990 (II., dann betraut bis 17.),
ab 17. Dez. 1990 (III.) Bundesminister ohne Portefeuille (dann Bundesministerium für Gesundheit, Sport und Konsumentenschutz)
Vranitzky (II, III)
Fey, Emil Emil Fey  HB / VF 
[4]
10. Mai 1933 
21. Sep. 1933
(dazwischen
Vizekanzler Dollfuß II.)

01. Mai 1934 
14. Mai 1936
Bundesminister, mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der öffentlichen Sicherheit betraut,
ab 1. Mai 1934 mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten des Sicherheitswesens und der zum Wirkungsbereich der Abt 4 gehörenden Angelegenheiten betraut,
ab 30. Juli 1934 mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung betraut,
ab 28. Sep. 1935 auch mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der Bekämpfung staatsgefährlicher Bestrebungen in der Privatwirtschaft[5] betraut
Dollfuß (I, II)
Schuschnigg (I)
Figl, Leopold Leopold Figl  ÖVP  26. Nov. 1953 
10. Juni 1959
Bundesminister für die Auswärtigen Angelegenheiten Raab (I, II)
Firnberg, Hertha Hertha Firnberg  SPÖ  21. Apr. 1970 
26. Juli 1970
Bundesministerin ohne Portefeuille (dann Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung) Kreisky (I)
Glaise-Horstenau, Edmund Edmund Glaise-Horstenau  VF 
(eig.  NSDAP )[6]
11. Juli 1936 
11. März 1938
Bundesminister
ab 6. Nov. 1936 (III.) mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung betraut
ab 16. Feb. 1938 (IV.) Bundesminister
Schuschnigg (II, III, IV)
Graf, Ferdinand Ferdinand Graf  ÖVP  29. Juni 1956 
15. Juli 1956
Bundesminister für Angelegenheiten der Landesverteidigung Raab (II)
Gruber, Karl Karl Gruber  ÖVP  20. Dez. 1945 
26. Nov. 1953
Bundesminister für die Auswärtigen Angelegenheiten Figl (I, II, III)
Raab (I)
Grünberger, Alfred Alfred Grünberger  CS  17. Apr. 1923 
20. Nov. 1923
Bundesminister, mit der Führung der auswärtigen Angelegenheiten betraut Seipel (II, III)
Heinisch-Hosek, Gabriele Gabriele Heinisch-Hosek  SPÖ  02. Dez. 2008 
15. Dez. 2013
Bundesministerin ohne Portefeuille bis 21. Dez.
ab 22. Dez. 2008 Bundesministerin für Frauen und Öffentlichen Dienst
Faymann (I)
Kerber, Robert Robert Kerber  CS  21. Sep. 1933 
14. Mai 1936
Bundesminister, ab 23. Sep. 1933 mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung betraut
ab 1. Mai 1934 (Schuschnigg) zusätzlich mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der administrativen Angelegenheiten der Bundesanstalt für Statistik betraut
Dollfuß (II)
Schuschnigg (I)
Konrad, Helga Helga Konrad  SPÖ  06. Apr. 1995 
28. Jan. 1997
Bundesministerin für Frauenangelegenheiten Vranitzky (IV), (V)
Kotzina, Vinzenz Vinzenz Kotzina  ÖVP  19. Apr. 1966 
06. Juni 1966
Bundesminister ohne Portefeuille (dann Bundesministerium für Bauten und Technik) Klaus (II)
Kreisky, Bruno Bruno Kreisky  SPÖ  16. Juli 1959 
31. Juli 1959
Bundesminister für die Auswärtigen Angelegenheiten Raab (III)
Leodolter, Ingrid Ingrid Leodolter  SPÖ  04. Nov. 1971 
02. Feb. 1972
Bundesministerin ohne Portefeuille (dann Bundesministerium für Gesundheit und Umwelt) Kreisky (II)
Löschnak, Franz Franz Löschnak  SPÖ  18. Dez. 1985 
02. Feb. 1989
Bundesminister, bis 25. Nov. 1986
ab 21. Jan. 1987 (Vranitzky II.) Bundesminister für Gesundheit und öffentlicher Dienst (dann Bundesministerium für Inneres)
Sinowatz
Vranitzky (I, II)
Mataja, Heinrich Heinrich Mataja  CS  20. Nov. 1924 
24. Nov. 1926
Bundesminister mit der Führung der auswärtigen Angelegenheiten betraut Ramek (I)
Neisser, Heinrich Heinrich Neisser  ÖVP  01. Apr. 1987 
24. April 1989
Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform Vranitzky (II)
Neustädter-Stürmer, Odo Odo Neustädter-Stürmer  VF  10. Sep. 1934 
17. Okt. 1935
06. Nov. 1936 
20. März 1937
Bundesminister mit der sachlichen Leitung der die Gesetzgebung über die berufsständische Neuordnung vorbereitenden Tätigkeit der Bundesministerien betraut (I.)
Bundesminister mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten des Sicherheitswesens und der Vorbereitung der Gesetzgebung über die berufsständische Neuordnung betraut (III.)
Schuschnigg (I, III)
Ostermayer, Josef Josef Ostermayer  SPÖ  16. Dez. 2013 
18. Mai 2016
Bundesminister für Verfassung und öffentlichen Dienst
ab 1. März 2014 Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und öffentlichen Dienst
ab 2. Sep. 2014 Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien
Faymann (II)
Kern
Pittermann, Bruno Bruno Pittermann  SPÖ  29. Juli 1959 
19. April 1966
Vizekanzler (seit 22. Mai 1957), mit der Leitung der Agenden der BKA – Verstaatlichte Unternehmungen (Sekt IV) betraut[7] Raab (II, III, IV)
Gorbach (I, II)
Klaus (I)
Prammer, Barbara Barbara Prammer  SPÖ  28. Jan. 1997 
25. Feb. 1997
Bundesministerin ohne Portefeuille (dann Bundesministerium für Frauenangelegenheiten und Verbraucherschutz) Klima
Riegler, Josef Josef Riegler  ÖVP  24. Apr. 1989 
22. Okt. 1991
Vizekanzler (bis 2. Juli 1991), Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform
ab 2. Juli 1991 auch Bundesminister ohne Portefeuille
Vranitzky (II, III)
Rott, Hans Hans Rott[8]
(eig.  CS )
16. Feb. 1938 
11. März 1938
Bundesminister Schuschnigg (IV)
Schmidt, Guido Guido Schmidt  NSDAP 
[9]
16. Feb. 1938 
11. März 1938
Bundesminister für die Auswärtigen Angelegenheiten (davor seit 11. Juli 1936 St.Sekr. im BKA) Schuschnigg (IV)
Schmitz, Richard Richard Schmitz  CS  16. Feb. 1934 
10. Juli 1934
Bundesminister (vormals Vizekanzler und Bundesminister für soziale Verwaltung) Dollfuß (II)
Schuschnigg (I)
Schumy, Vinzenz Vinzenz Schumy  LB  26. Sep. 1929 
30. Sep. 1930
10. Mai 1933 
21. Sep. 1933
Bundesminister für die sachliche Leitung der inneren Angelegenheiten (Schober)
Bundesminister mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung und der wirtschaftspolitischen Angelegenheiten betraut (Dollfuß)
Schober (III)
Dollfuß (I)
Seipel, Ignaz Ignaz Seipel  CS  30. Sep. 1930 
29. Nov. 1930
Bundesminister für die sachliche Leitung der auswärtigen Angelegenheiten (amtierend bis 4. Dez. 1930) Vaugoin
Seyss-Inquart, Arthur Arthur Seyss-Inquart  NSDAP 
[9]
16. Feb. 1938 
11. März 1938
Bundesminister mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der inneren Verwaltung und des Sicherheitswesens betraut (dann Bundeskanzler) Schuschnigg (IV)
Starhemberg, Ernst Rüdiger Ernst Rüdiger Starhemberg  HB /
 VF [4]
30. Sep. 1930 
29. Nov. 1930
17. Mai 1934 
17. Okt. 1935
29. Okt. 1935 
14. Mai 1936
Bundesminister für die sachliche Leitung der inneren Angelegenheiten (Vaugoin, amtierend bis 4. Dez. 1930)
Vizekanzler (1. Mai 1934 14. Mai 1936),
17. Mai 1934 17. Okt. 1935 und 29. Okt. 1935 14. Mai 1936 (Schuschnigg) mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten der körperlichen Ertüchtigung betraut
30. Juli 1934 17. Okt. 1935 (Schuschnigg) auch mit der sachlichen Leitung der Angelegenheiten des Sicherheitswesens betraut.
Vaugoin
Schuschnigg (I)
Weinberger, Alois Alois Weinberger[10]  ÖVP  20. Dez. 1945 
11. Jan. 1947
Bundesminister Figl (I)
Weiss, Jürgen Jürgen Weiss  ÖVP  22. Okt. bzw.
 7. Nov. 1991 
29. Nov. 1994
Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform Vranitzky (III)
Winkler, Franz Franz Winkler  LB  04. Dez. 1930 
16. Juni 1931
20. Juni 1931 
10. Mai 1933
Bundesminister mit der sachlichen Leitung der inneren Angelegenheiten, ab 20. Juni 1931 der Angelegenheiten der inneren Verwaltung betraut (dann Vizekanzler) Ender
Buresch (I)
Zernatto, Guido Guido Zernatto  parteilos  16. Feb. 1938 
11. März 1938
Bundesminister Schuschnigg (IV)

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 Ludwig-Josef Melicher; Bundeskanzleramt III/6, Verwaltungsakademie des Bundes (Hrsg.): Das Bundesministerium als Zentralstelle und der nachgeordnete (oder ausgegliederte) Bereich. Skriptum zum Seminar GA 12 der Verwaltungsakademie des Bundes, Wien 2009, Abschnitt B. Kanzleramtsminister, S. 11 (zum Seminar siehe Verwaltungsakademie des Bundes: Bildungsprogramm 2012, S. 33)
  2. Die Hofburg, hofburg-wien.at → Wissenswertes;
    Weitere Amtsgebäude des Bundeskanzleramtes, Bundeskanzleramt, bka.gv.at → Standorte
  3. Dr. Hermann Ach auf den Webseiten des österreichischen Parlaments
  4. 1 2 Heimatblock 1934 in der Vaterländischen Front aufgegangen
  5. Umsetzung des Bundesverfassungsgesetzes zur Bekämpfung staatsgefährlicher Bestrebungen in der Privatwirtschaft, B.G.Bl. Nr. 473/1935
  6. Die österreichische NSDAP wurde am 19. Juni 1933 verboten, siehe Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus: Diktatur, Bürgerkrieg und Verbot der NSDAP
  7. gemäß Artikel 77 Absatz 3 der B-VG
  8. Hans Rott auf den Webseiten des österreichischen Parlaments; Eintrag zu Rott, Hans im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  9. 1 2 NSDAP nach dem Berchtesgadener Abkommen 12. Februar 1938 wieder zugelassen
  10. Alois Weinberger auf den Webseiten des österreichischen Parlaments