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vom 18.06.2017, aktuelle Version,

Kefermarkter Flügelaltar

Gotischer Flügelaltar

Der Kefermarkter Flügelaltar wurde zwischen 1490 und 1497 von einem heute namentlich nicht mehr bekannten Meister des Kefermarkter Altars geschaffen. Der Altar zählt zu den Hauptwerken der Gotik in den deutschsprachigen Ländern. Der Altar ist eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit der Mühlviertler Marktgemeinde Kefermarkt in der Nähe von Freistadt. Der Flügelaltar zählt neben dem Pacher-Altar in St. Wolfgang und dem Marienaltar von Veit Stoß in Krakau zu den drei großen Altären im deutschsprachigen Raum Ende des 15. Jahrhunderts. Der Altar ist der Hauptaltar der Kefermarkter Pfarrkirche hl. Wolfgang.

Geschichte

Stiftung

Der Burgherr des benachbarten Weinbergs, Christoph von Zelking, ließ von 1470 bis 1476 eine neue Kirche errichten und gab 1490 einen Flügelaltar in Auftrag, dessen Finanzierung er testamentarisch sicherte. Im Jahr darauf starb er. Um diesen Altar aufzunehmen, musste allerdings 1491 ein Chorneubau errichtet werden. Der Aufbau dieses Altars wurde im Laufe der Zeit mehrmals verändert, so ging die rückseitige Gestaltung der Flügel verloren. Diese wurden 1684 in der heutigen Stellung fixiert. Außerdem fehlt die Predella.

Restaurierung

Nachdem der mit Leimfarben bestrichene Holzaltar schon von Holzwürmern befallen war, konnte er in den Jahren 1852 bis 1855 aufgrund der Initiative von Adalbert Stifter (der auch Konservator war) gerettet werden. Bei dieser Gelegenheit wurde allerdings Einiges von den Bildhauern Johann und Josef Rint aus der Sicht des 19. Jahrhunderts erneuert und verändert. Das Ergebnis ist umstritten, vor allem das Entfernen der Farben. Im Jahre 1896 folgte eine weitere Restaurierung, diesmal angeregt von Andreas Reischek, einem aus Kefermarkt stammenden Neuseelandforscher. Weiters 1904 und 1916 bis 1918. Im Jahr 1929 ging man gegen Holzwürmer mit der damals neuen Methode der Schädlingsbekämpfung durch Zyklon vor. Die letzten Eingriffe stammen aus dem Jahr 1959. Damals wurde der Altar gereinigt und imprägniert. Die Fenster im Chor erhielten eine das Holz schonende Neuverglasung.[1]

Aufbau und Gestaltung

Schreinfiguren des Flügelaltars

Der 13,5 m hohe und 6,3 m breite Altar, eines der größten gotischen Schnitzwerke in Europa, wurde aus Lindenholz gefertigt. In Mittelteil, dem Schrein des Altars stehen überlebensgroße Statuen der drei Heiligen Petrus, Wolfgang und Christophorus. Sie werden von reich geschmückten Konsolen getragen und von Baldachinen bekrönt. Auf den beiden fixierten Flügeln sind Szenen aus dem Leben Marias dargestellt. Im Gesprenge sind zuunterst, Maria, die Heilige Katharina und die Heilige Barbara dargestellt, darüber die Heilige Agnes, flankiert von zwei Prophetenbüsten und zuoberst die Heilige Helena. In den sorgfältig ausgeführten Details tragen keine zwei Figuren die gleiche Kleidung, auch ihre Geräte sind mustergültig ausgeführt.

In seinem Roman Der Nachsommer beschreibt Adalbert Stifter den Altar (dort heißt er „Kerberger Altar“) [2]

Detailansichten

Literatur

  • Kaltwasser, Karl: Der Kefermarkter Altar. 44 Bilder, teilweise sehr detailliert, mit einführendem Text. Verlag der Eiserne Hammer. Karl Robert Langewiesche, Königstein im Taunus und Leipzig
  • Adalbert Stifter: Über den geschnitzten Hochaltar in der Kirche zu Kefermarkt. Erstdruck in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines 13, (1853) Digitalisat, 1MB pdf
  • Lothar Schultes: Der Meister des Kefermarkter Altars. Die Ergebnisse des Linzer Symposions. (Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich, Folge 1), Linz 1993
  • Otto Wutzel: Das Schicksal des Altars von Kefermarkt. In: Rudolf Lehr: Landes-Chronik Oberösterreich, Wien: Verlag Christian Brandstätter 2004, S. 96ff.
  • Ulrike Krone-Balcke: Der Kefermarkter Altar –- sein Meister und seine Werkstatt, Deutscher Kunstverlag, München 1999 (Zugl. Univ., Diss., München 1995)
  Commons: Kefermarkter Flügelaltar  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Otto Wutzel: Das Schicksal des Altars von Kefermarkt in der Landes-Chronik Oberösterreich 2004, S. 96ff. (Geschichte und Restaurierung)
  2. Der Nachsommer - Kapitel 33 online