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vom 14.01.2017, aktuelle Version,

Kloster Sankt Peter (Bludenz)

Dominikanerinnenkloster St. Peter in Bludenz

Das Kloster Sankt Peter ist ein Dominikanerinnenkloster in Bludenz, im österreichischen Vorarlberg. Das Kloster befindet sich am östlichen Stadtrand von Bludenz, am Eingang zum Montafon und Klostertal. Es ist das älteste heute noch bestehende in Vorarlberg.

Geschichte

Graf Hugo I. von Werdenberg-Heiligenberg († 1280), der im Jahr 1274 der Stadt Bludenz das Stadtrecht verliehen hatte, vermachte 1278 den Augustinerinnen von Ottenbach bei Zürich das Patronatsrecht der ihm unterstehenden Kirche St. Peter östlich von Bludenz. Am 26. Juli desselben Jahres übergab der Churer Bischof, Graf Friedrich von Montfort († 1290), ein Cousin des Werdenbergers, den geistlichen Frauen bei St. Peter, die bisher noch keine bestimmte Regel befolgten, die Augustinusregel. Ob es sich bei diesen Frauen um eine Gemeinschaft von Beginen handelte oder bereits um eine Niederlassung des Klosters Ottenbach, lässt sich nicht sagen. Kurze Zeit später bestätigt der Bischof von Chur seinerseits ebenfalls die Schenkung der Kirche und das Patronatsrecht. Über die Vorgeschichte dieser Kirche in „valle Trusiana apud Bludina“ ist wenig bekannt, der hl. Petrus als Kirchenpatron lässt aber auf eine sehr alte Tradition schließen.

Die klösterliche Gemeinschaft, deren Fürsorge den Dominikanern übertragen wurde, erhielt schon bald selbst ein dominikanisches Gepräge. Ein Ablassbrief aus dem Jahr 1295, durch den Besuchern der Kirche und Wohltätern der Nachlass zeitlicher Sündenstrafen gewährt wurde, nannte als Tag für die Ablassgewinnung auch das Fest des hl. Dominikus, währenddessen der hl. Augustinus keine Erwähnung fand. Daraus lässt sich schließen, dass aus den „Schwestern von St. Peter“ inzwischen Dominikanerinnen geworden waren.[1] Ausdrücklich als dem Predigerorden zugehörig wird das Kloster erstmals um das Jahr 1340 bezeichnet. [2]

Der Klosterbau begann 1286 und dieser wurde bis 1354 erweitert. Das Kloster diente lange als Versorgungsinstitut für die Töchter des walgauisch-rheintalischen Adels sowie später der bürgerlichen und bäuerlichen Oberschichten der näheren Region.

1560 wütet in Bludenz die Pest. Alle Schwestern - bis auf eine - sterben. Das Kloster blieb 16 Jahre lang verödet. Der ursprüngliche von Augustinerinnen bewohnte Bau wurde nach Bränden 1552 und 1576 von Dominikanerinnen aus dem Kloster Hirschthal (Kennelbach) übernommen. 1622 im Prättigauerkrieg flohen bis auf die drei ältesten alle Schwestern. Die heutige Anlage wurde von 1707 bis 1709 errichtet, zwischen 1721 und 1723 erweitert und 1730 wurde die Klosterkirche Hl. Petrus geweiht.

Von 1805 bis 1814 wurde im Kloster ein Militärspital geführt.[3]

In der Nähe des Klosters befand sich auch ein Teil der Stadtbefestigung – das Stadttor im Osten der Stadt („Montafonertor“ oder „Kapuzinertor“) wurde 1846 zusammen mit weiteren Teilen der ehemaligen Stadtbefestigung abgerissen.[4] Von hier führte die Straße über den Arlberg und ins Montafon.

1920 wurden das Wirtschaftsgebäude und der Stall des Gehöftes beim Kloster durch einen Brand zerstört.[3]

Im Südtrakt des Klosters wurde 1939 die „Staatliche Oberschule für Jungen“ untergebracht (bis 1961), das spätere Gymnasium.

Das gesamte Vermögen des Dominikanerinnenklosters wurde am 9. Dezember 1941 zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen und das Kloster war bis 1945 aufgehoben. Im Kriegsjahr 1944/45 wurde in der Schule ein Lazarett eingerichtet und im Mai 1945 bezogen französische Besatzungstruppen Station im Kloster.

1997/1998 erfolgte eine Innenrestaurierung der Klosterkirche un 2006/07 wurde das ganze Kloster St. Peter umfassend renoviert und im September 2007 feierlich eingeweiht.

Literatur

  Commons: Kloster Sankt Peter (Bludenz)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zur „Dominikanisierung“ und Angliederung bestehender weiblicher Gemeinschaften und über die Hintergründe der raschen Ausbreitung des noch jungen Dominikanerordens ab dem 13. Jahrhundert vgl. Marie-Luise Ehrenschwendtner: Die Bildung der Dominikanerinnen in Süddeutschland vom 13. bis 15. Jahrhundert. Franz Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-07838-X, S. 1–14.
  2. Die Chronik Johanns von Winterthur (Chronica Iohannis Vitodurani). In: Friedrich Baethgen und Carl Brun (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 3 (Monumenta Germaniae Historica). Berlin 1924, S. 138.
  3. 1 2 Manfred Tschaikner: Bludenz Lesebuch, ISBN 978-3-901325-46-5
  4. vgl. Manfred Tschaikner: Die Abschiedsrede des Kapuzinertors an die Stadt Bludenz (1845), in: Bludenzer Geschichtsblätter, Band 75 (2005), S. 106-118 (PDF; 397 kB)