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vom 03.12.2018, aktuelle Version,

Landbund (Österreich)

Der Landbund (LBd) wurde 1919 als Deutsche Bauernpartei gegründet und war eine politische Partei der freisinnigen oder evangelischen Bauern der Steiermark, Kärntens, Oberösterreichs und des Burgenlandes.

Die Partei war deutschnational ausgerichtet, trat also für den Anschluss an das Deutsche Reich ein, war antisemitisch[1], bekannte sich zum Antimarxismus und zum Ständegedanken, lehnte aber die paramilitärische Heimwehr ab (1929 wurde mit der Bauernwehr ein eigener Wehrverband gegründet). Der Kärntner Landbund ging zur Wahl des 14. Kärntner Landtages 1927 ein Wahlbündnis mit dem Hagebund als Landbund und Hagebund (LuH) ein.[2] 1927 bis 1933 gehörte sie der Regierung an und stellte den Vizekanzler oder Innenminister. Ab 1930 bildete sie mit der Großdeutschen Volkspartei die Wahlgemeinschaft Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund (nach dem Listenführer Johann Schober auch „Schoberblock“ genannt), die 1934 im Zuge der Etablierung des Austrofaschismus aufgelöst wurde.

Durch die Gründung der Vaterländischen Front im Mai 1933 geriet der Landbund in der Regierung zunehmend in die Defensive, seine Wählerschaft nahm ab. Um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, bildete er noch im Mai 1933 mit dem „Ständebund für Handel und Gewerbe“ und dem „Nationalen Beamten- und Angestelltenbund“ eine Arbeitsgemeinschaft, die sich im Juli den Namen „Nationalständische Front“ gab und als Gegengewicht zur Vaterländischen Front dienen sollte. Ebenso wie diese lehnte sie den Parteienstaat ab und forderte eine ständische Gliederung der Gesellschaft, jedoch bei Betonung des „deutschen Charakters“ des Landes.

Da mit Inkrafttreten der ständestaatlichen Maiverfassung 1934 jede parlamentarische Tätigkeit einer politischen Partei erlosch, erklärte die Reichsparteileitung am 18. Mai 1934 ihre Tätigkeit für beendet und ermächtigte den Parteivorstand, die Liquidierung einzuleiten. Der Verein „Österreichischer Landbund“ würde durch Änderung seiner Satzung den „geänderten Verhältnissen Rechnung tragen“. Dies bedeutete de facto die Auflösung des Landbundes als Partei.

Obwohl bei der Bildung der provisorischen Regierung 1945 ein Sitz für den Landbund vorgesehen war, fand die Partei in der Zweiten Republik keine Fortsetzung mehr. Viele ehemaligen Landbund-Führer traten in die neu gegründete Österreichische Volkspartei ein.

Literatur

  • Alexander Haas: Die vergessene Bauernpartei. Der Steirische Landbund und sein Einfluß auf die österreichische Politik 1918–1934. Leopold Stocker Verlag, Graz 2000, ISBN 3-7020-0885-3.
  • Robert Kriechbaumer: Die großen Erzählungen der Politik. Politische Kultur und Parteien in Österreich von der Jahrhundertwende bis 1945 (= Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg. Band 12). Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2001, ISBN 3-205-99400-0, S. 494–544.

Einzelnachweise

  1. https://www.univie.ac.at/zeitgeschichte/cms/uploads/Paper-Kl%C3%B6sch.pdf Christian Klösch: Zerrieben zwischen Nationalsozialismus und Austrofaschismus. Landbund und Großdeutsche Volkspartei und das Ende der deutschnationalen Mittelparteien
  2. Radikale Phrase, Wahlbündnisse und Kontinuitäten: Landtagswahlkämpfe in Österreichs Bundesländern 1919 bis 1932 (= Robert Kriechbaumer, Hubert Weinberger, Franz Schausberger [Hrsg.]: Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, Salzburg. Band 57). Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2017, ISBN 978-3-205-20498-5, S. 111 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).