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vom 01.04.2018, aktuelle Version,

Landesbahn Gleisdorf–Weiz

Landesbahn Gleisdorf–Weiz
Strecke der Landesbahn Gleisdorf–Weiz
Kursbuchstrecke (ÖBB): 531
Streckenlänge: 15,2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 16 
Minimaler Radius: 175 m
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Steirische Ostbahn von Szentgotthard
0,0 Gleisdorf 350 m ü. A.
Steirische Ostbahn nach Graz
Firmen-Anschlussgleis
0,9 Gleisdorf West 351 m ü. A.
2,9 Albersdorf 358 m ü. A.
4,5 Wollsdorf 365 m ü. A.
6,8 Sankt Ruprecht an der Raab 381 m ü. A.
9,9 Unterfladnitz 407 m ü. A.
12,1 Weiz Preding ELIN Motoren 365 m ü. A.
Anschlussgleis zur Fa. ELIN EBG Motoren
12,9 Weiz Preding 435 m ü. A.
2 Anschlussgleise zur Fa. Andritz
2 Anschlussgleise zur Fa. Siemens
Feistritztalbahn von Birkfeld (760 mm)
13,7 Weiz Interspar
14,8 Weiz Bahnhof 462 m ü. A.
15,2 Weiz (bis 2010 Weiz Stadt, 04.06.2016 aufgelassen)
Weiz Zentrum voraussichtlich ab Frühjahr 2018
 Anschlussgleis Siemens und Andritz Hydro (ehem. ELIN)
Weiz Nord voraussichtlich ab Frühjahr 2018

Die Bahnstrecke Gleisdorf–Weiz, auch Weizer Bahn oder Weizerbahn genannt, ist eine normalspurige Eisenbahnstrecke zwischen Gleisdorf und Weiz.

Geschichte

Am 17. April 1888 erhielten Anton Rintelen, Josef Mosdorfer und Johann Pichler die Bau- und Betriebsgenehmigung (Konzessionserteilung) einer normalspurigen Lokalbahn zwischen Gleisdorf und Weiz. Der Baubeginn der 15 km langen Strecke erfolgte im gleichen Jahr durch das Bauunternehmen Skala & Glanz. Am 9. Mai 1889 wurde die Aktiengesellschaft der Lokalbahn Gleisdorf gegründet.

Feierlich eröffnet wurde die Strecke nach einjähriger Bauzeit am 28. Juli 1889 (Betriebsführung: k.k. österreichische Staatsbahnen). Der erste Sonderzug fuhr um 9:30 Uhr in Gleisdorf ab und war mit dem Weizer Marktwappen, Kränzen und Blumen festlich geschmückt. Auf der Fahrt nach Weiz wurde der Sonderzug von der Bevölkerung herzlich begrüßt. Mit Beginn des planmäßigen Zugverkehrs wurde der tägliche Postkutschenverkehr nach Gleisdorf eingestellt und die Postbeförderung von der Bahn übernommen.

Am 14. Dezember 1911 wurde die Eröffnung der Schmalspurstrecke Weiz – Birkfeld (Feistritztalbahn) gefeiert. Damit erhöhte sich die Bedeutung des Bahnhofes Weiz, der somit zu einem Umsteige- und Umladebahnhof für den Güterverkehr (Talkum) wurde.

1922 übernahmen die Steiermärkischen Landesbahnen die Betriebsführung der Strecke Gleisdorf – Weiz. 1933 fuhren die ersten Triebwagen direkt von Weiz nach Graz und die Haltestelle „Weiz Stadt“ wurde errichtet. Am 30. Juni 1942 wurde die „Aktiengesellschaft der Lokalbahn Gleisdorf – Weiz“ aufgelöst und die Konzession sowie das gesamte Vermögen auf das Land Steiermark übertragen.

1964/65 erfolgte durch die Inbetriebnahme der Diesellokomotiven DE1 und DE2 die Umstellung vom Dampfbetrieb auf Dieselbetrieb. 1972 wurde die Haltestelle Albersdorf errichtet. In den Jahren 1991 bis 1995 erfolgte eine Sanierung der Strecke und neue Sicherungseinrichtungen (Lichtzeichenanlagen bei Eisenbahnkreuzungen, Unterführungen usw.) wurden errichtet, wodurch sich die Streckenhöchstgeschwindigkeit auf 90 km/h erhöhte. 1994 wurde die Strecke Gleisdorf – Weiz in den neuen Verkehrsverbund Steiermark eingebunden.

Auf der Strecke wird sowohl Personen- als auch Güterverkehr abgewickelt. Die Strecke wird mit Dieselfahrzeugen betrieben, die zusätzlich mit einem Funkfernsteuerungsmodul ausgerüstet sind. Durch das Funkfernsteuerungsmodul ist es möglich, einen Verschub nur mit dem Triebfahrzeugführer und dem Triebfahrzeug abzuwickeln. Der Einsatz eines Verschiebers ist nicht mehr zwingend notwendig.

Personenverkehr

Das Aufnahmsgebäude des Bahnhofs Weiz

Im Dezember 2007 wurde in der Steiermark, vor allem im Großraum Graz, mit der S-Bahn Steiermark ein Schnellbahnsystem in Betrieb genommen. Dies führte zu einer umfangreichen Ausweitung der Zugverbindungen von Graz aus in alle Richtungen. In dieses S-Bahnsystem, das von der Verkehrsabteilung des Landes Steiermark unter Landesrätin Edlinger-Ploder entwickelt worden ist, ist die Strecke Gleisdorf – Weiz (R 531) eingebunden.

Am 12. Dezember 2010 wurde die S-Bahn Steiermark auf die Steirische Ostbahn (Graz – GleisdorfFehring) ausgedehnt (S 3), und auch die „Weizer Bahn“ wurde zur S 31. Das bedeutet mehr Verbindungen, Taktverkehr und bessere Anschlussmöglichkeiten.

Zur Verbesserung der Zugzielbezeichnung für die S-Bahn im Großraum Graz wurden die Namen für die Bahnhöfe in Weiz geändert. Der Halt am Bahnhof Weiz wird nicht mehr als „Weiz“, sondern „Weiz Bahnhof“ bezeichnet. Die Endstation „Weiz Stadt“ trägt seitdem die Bezeichnung „Weiz“. Die Haltestelle „Fladnitz/Neudorf“ wurde auf „Unterfladnitz“ geändert.

Schienenfahrzeuge

Übersicht der Dampflokomotiven
Lok. Nr Bauart Hersteller Herkunft von bis Verbleib
96 03 C-n2t Krauss Linz 2162/1889 1889 1924
96 04 C-n2t Krauss Linz 2163/1889 1889 1926 an Leykam
97.10 C-n2t Wiener Neustadt 3102/1889 BBÖ 97.10 1922 1923 an CFR
6416 1B-n2t Henschel 3178/1890 FVE 6416 ex PrStB 1923 1924
1 C-n2t Henschel 2713/1888 FVE 1 „Farge“ 1924 1929
178.02 D-n2vt Krauss Linz 1260/1923 1923 1965 Schrott 1966
130,04 1C1-n2t Winterthur 1669/1905 BBÖ 130.04 ex GTB 44 1828 1957 Schrott 1966
130.03 1C1-n2t Winterthur 1828/1901 BBÖ 130.03 ex GTB 43 1929 1965 Schrott
53.7152 C-n2 StEG 567/1861 JDZ 124.004 1944 1945 an DRB
98.7046 C-n2t Wiener Neustadt 4020/1897 JDZ 151.018 1946 1948 an
93 1D1h2t Floridsdorf 2980/1928 ÖBB 93.1420 1966 1985 an B&B

Seit 2011 werden für den Personenverkehr Weiz – Gleisdorf – Graz drei dieselelektrische zweiteilige GTW-Triebwagen von Stadler Rail eingesetzt.[1] Diese sind mit den GTW der GKB kompatibel. Die Garnituren haben niederflurige Einstiege und eine behindertengerechte Ausstattung, sind jedoch nicht durchgehend barrierefrei. Die klimatisierten Fahrgasträume weisen 97 Sitzplätze auf. Je Zweier- oder Vierersitzgruppe ist eine Steckdose zur Stromversorgung für mobile Kommunikationsgeräte vorhanden. Oberhalb der Sitzplätze und bei den Ausstiegen sind Haltewunschtaster angeordnet.

Für einen Teil der Zugläufe und als Reserve werden zwei 5047 der StLB vorgehalten. Zuvor wurde die Strecke teilweise mit ÖBB 5022 bedient. Für Spitzenverkehre wurde ein Wendezug aus drei Leichtstahlwagen Schweizer Bauart gebraucht erworben und 2014 durch gebrauchte Wagen der ÖBB ersetzt. Der Steuerwagen dieses Zuges wurde 2017 im Bahnhof Stainz aufgestellt und wird dort als Gastraum der Bahnhofsgastwirtschaft verwendet.[2][3][4]

Für den überregionalen Gütertransport werden Lokomotiven des Typs Siemens ER 20 und Gmeinder D 110 BB eingesetzt. Weitere Lokomotiven stehen für Rangierdienste und den lokalen Güterverkehr bereit (Gmeinder-Reihe).

Aktueller Fuhrpark
Tfz Art Hersteller Baujahr
5062.001 Diesel-Gelenktriebwagen Stadler 2010
5062.002 Diesel-Gelenktriebwagen Stadler 2010
5062.003 Diesel-Gelenktriebwagen Stadler 2010
5047.401 Dieselhydraulische Normalspurtriebwagen Jenbacher Werke 1992
5047.402 Dieselhydraulische Normalspurtriebwagen Jenbacher Werke 1992
2016.901 Dieselelektrische Normalspurlok Siemens 2004
2016.902 Dieselelektrische Normalspurlok Siemens 2005
D3 Dieselhydraulische Normalspurlok Gmeinder 1993
D4 Dieselhydraulische Normalspurlok Gmeinder, Mosbacher 1999
D5 Dieselhydraulische Normalspurlok Gmeinder, Mosbacher 2002
D6 Dieselhydraulische Normalspurlok Gmeinder, Mosbacher 2002
V61 Dieselhydraulische Normalspurlok VEB „Hans Beimler“ 1975
RE 01 - RE 04 Akkubetriebene Verschubroboter STLB 1998

Ausbau

Am 23. Mai 1998 wurde der Bahnhof Weiz neu gestaltet. Dabei wurden ein Park&Ride-Platz und Fußgängerüberführung errichtet. 2008 bis 2009 wurde das Bahnhofsgebäude modernisiert. Dabei wurden ein moderner Warteraum mit einem Informations- und Fahrkartenschalter sowie eine neue WC-Anlage errichtet und der Kundenbereich barrierefrei gestaltet.

Im August 2009 wurde die neue Haltestelle „Weiz Interspar“ eröffnet. [5] Im November 2009 wurde bei den Haltestellen ein dynamisches Fahrgastinformationssystem in Betrieb genommen. Der Fahrgast hat somit minutengenau die Möglichkeit, sich über die Abfahrtszeit der nächsten Züge zu informieren. Darüber hinaus werden Datum, Uhrzeit und die Außentemperatur angezeigt. Bei Ausfällen oder Störungen im Zugverkehr werden die Fahrgäste darüber informiert und Ersatzmaßnahmen sind sofort ersichtlich. Zudem kann der Fahrdienstleiter in Weiz über Lautsprecher die Fahrgäste an den Haltestellen mittels Durchsagen informieren.

Am 28. Mai 2009 wurde der erste Abschnitt der neu errichteten elektronischen Sicherungsanlage in Betrieb genommen. Die Fertigstellung erfolgte im Jänner 2010.

Im Herbst 2011 wurde die Haltestelle Unterfladnitz mit einem Haltewunschanzeiger ausgestattet. Somit sind ab diesem Zeitpunkt alle Haltepunkte auf der Strecke Gleisdorf – Weiz mit dieser Einrichtung ausgerüstet.

Am 27. Februar 2015 erfolgte der symbolische Spatenstich für den Umbau der bestehenden Anschlussbahn vom Bahnhof Weiz zum Werk der Firma Andritz Hydro. Von April bis November 2016 wurde die Eisenbahntrasse um circa 900 Meter durch das Stadtzentrum von Weiz verlängert. Die Bahn wird auf dieser Strecke künftig auf einem eigenen Gleiskörper betrieben und von einer Anschlussbahn zu einer öffentlichen Eisenbahn umgewidmet. Im Zuge des Neubaus der Ortsdurchfahrt Weiz werden neue Haltestellen für Bahn und Bus errichtet. Im Bereich der neuen Bahnhaltestelle „Weiz Zentrum“ entsteht mit dem Busbahnhof Siegfried-Esterl-Gasse ein Umsteigeknoten zu den Regionalbuslinien. Der neue S-Bahn-Endhaltepunkt „Weiz Nord“ befindet sich auf Höhe des Fußballstadions und ist etwa 200 Meter vom Bundesschulzentrum Weiz entfernt. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme dieser neuen Haltestellen war für Mai/Juni 2017 vorgesehen, verzögert sich aber auf unbestimmte Zeit.

Einzelnachweise

  1. GTW-Triebwagen von Stadler endlich zugelassen, EurailPress, 9. November 2011
  2. Jakob Traby: Restaurant in alten Waggons ist auf Schiene. In: Kronen Zeitung Steiermark-Ausgabe, 20. Juli 2017 (abgerufen 25. August 2017).
  3. 20. Juli - Waggonüberstellungen nach Stainz In: styria-mobile.at. (abgerufen 25. August 2017).
  4. Der Eisenbahnwaggon kam per Tieflader. In: Weststeirische Rundschau. Nr. 30, Jahrgang 2017, S. 11.
  5. Neue Haltestelle Weiz Interspar (abgerufen am 21. Jänner 2011)