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vom 22.07.2016, aktuelle Version,

Lothar Peter

Lothar Peter (* 1942 in Klagenfurt am Wörthersee) ist pensionierter Professor[1] für Soziologie der Universität Bremen mit dem Schwerpunkt Industrie- und Betriebssoziologie und später Allgemeiner Soziologie.[2]

Leben

Nach dem Abitur 1962 studierte Peter von 1962 bis 1969 Soziologie, Politikwissenschaft und Germanistik in Marburg und Genf. Mit einem Promotionsstipendium der Stiftung Mitbestimmung (1969−1971) erfolgte 1971 die Promotion zum Dr. phil. an der Philipps-Universität Marburg mit summa cum laude bei Wolfgang Abendroth und Heinz Maus. 1971/72 war Peter Assistent am Institut d`Allemand der Universität Paris III[3], 1972 übernahm er die Vertretung einer vakanten Professur an der Marburger Universität. 1973 folgte dann Berufung an die Universität Bremen auf eine Professur für Industrie- und Betriebssoziologie, die später um die Allgemeine Soziologie erweitert wurde.[2]

Von 1965 bis 1970 gehörte Peter dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund an.[4]

1992 erhielt er den dritten Fritz-Thyssen-Preis für die besten sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenbeiträge in deutscher Sprache (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1990). Seit 2005 ist Peter pensioniert.

Politisch engagierte sich Lothar Peter in den 1980er Jahren für die DKP und gehörte von 1983 bis 1989 dem Wissenschaftlichen Beirat des DKP-eigenen Institut für Marxistische Studien und Forschungen an. Bereits seit 1970 hatte mit dem Institut eng zusammengearbeitet. Im Jahr 1991 trat Peter aus der DKP aus und verblieb seither parteilos.[2]

Forschungsgebiete

  • Arbeits-, Industrie- und Betriebssoziologie
  • Soziologische Theorie/Geschichte der Soziologie
  • Soziologie in Frankreich
  • Arbeitsbeziehungen
  • Marxistische Soziologie
  • Soziologie der Gewerkschaften
  • Soziologie des pluralen Akteurs

Mitgliedschaften in Berufsverbänden/wissenschaftlichen Vereinigungen

Schriften

  • mit Frank Deppe, Hellmuth Lange (Hrsg.): : Die neue Arbeiterklasse. Technische Intelligenz und Gewerkschaften im organisierten Kapitalismus. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1970, ISBN 3-434-10027-X.
  • Klassenkämpfe in Frankreich heute. Marxistische Blätter, Frankfurt am Main 1972.
  • Literarische Intelligenz und Klassenkampf: „Die Aktion“, 1911–1932. Pahl-Rugenstein, Köln 1972, ISBN 3-7609-0053-4 (zugleich Dissertation unter dem Titel Das Verhältnis von Schriftstellern zum politischen Engagement am Beispiel der Zeitschrift Die Aktion 1918–1925. Marburg 1971).
  • mit Peter Hinrichs: Industrieller Friede? Arbeitswissenschaft Rationalisierung und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik. Pahl-Rugenstein, Köln 1976, ISBN 3-7609-0265-0.
  • Zwischen Reformpolitik und Krise. Gewerkschaften in Frankreich 1980–1985. Institut für Marxistische Studien und Forschungen, Frankfurt am Main 1985, ohne ISBN.
  • mit Johannes M. Becker, Frank Deppe: Das Französische Experiment. Dietz, Berlin/Bonn 1985, ISBN 3-8012-3015-5.
  • Dogma oder Wissenschaft? Marxistisch-leninistische Soziologie und staatssozialistisches System in der DDR. IMSF, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-88807-093-7.
  • mit Christoph Butterwegge und Projektgruppe „Konversion in Betrieb und Gesellschaft“: Rüstungskonversion in der Region. Studien zum Konversionsprozess im Unterweserraum. Agenda, Münster 1997, ISBN 3-929440-96-2.
  • mit Stephan Moebius (Hrsg.): Französische Soziologie der Gegenwart. UVK, Konstanz 2004, ISBN 3-8252-2571-2.
  • Marx an die Uni. Die „Marburger Schule“. Geschichte, Probleme, Akteure. PapyRossa, Köln 2014, ISBN 978-3-89438-546-0.
  • Georg Lukács. Kultur, Kunst und politisches Engagement. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-11457-2.
  • Umstrittene Moderne. Soziologische Diskurse und Gesellschaftskritik. Springer VS, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-13729-8.

Literatur

  • Stephan Moebius, Gerhard Schäfer (Hrsg.): Soziologie als Gesellschaftskritik. Wider den Verlust einer aktuellen Tradition. Festschrift für Lothar Peter, Hamburg: VSA-Verlag, 2006, ISBN 3-89965-175-8.
  • Christian Jakob: Der DDR-Versteher, Portrait, in: TAZ, 3. November 2014, S. 3

Einzelnachweise

  1. Lothar Peter (Universität Bremen)
  2. 1 2 3 Lothar Peter: Marx an die Uni, 2014, S. 111
  3. Dieses Institut wurde 1968/69 gegründet und bildete auf der Basis einer sozialwissenschaftlichen Konzeption von Landeskunde (civilisation allemande) vor allem französische Germanisten aus. An diesem Institut waren nicht nur Philologen als Lehrkräfte tätig, sondern auch Sozialwissenschaftler.
  4. Lothar Peter: Marx an die Uni, 2014, S. 110