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vom 02.06.2017, aktuelle Version,

Ludwig Mooser

Porträt Ludwig Mooser
vermutlich von Sebastian Stief

Ludwig Mooser (* 30. Jänner 1807 in Wien; † 22. Mai 1881 in Eger) arbeitete in Salzburg und Ungarn als Orgel- und Klavierbauer.

Er unterschrieb vor 1845 mit Louis Mooser,[1] in Ungarn scheint er als Lajos Mooser auf. In wenigen Publikationen wurde sein Familienname nicht korrekt, nämlich Moser, wiedergegeben.

Leben

Ludwig war Sohn des Orgel- und Klavierbauers Peter Anton Mooser, der als Erfinder des platzsparenden „Winkelfortepianos“ gilt. Als 15-jähriger Lehrling bei seinem Vater musste Ludwig 1823 den Tod desselben erleben. Daraufhin zog er anfangs in die Steiermark und nach Kärnten, 1826 nach Salzburg. Nach Anfangserfolgen als Orgelbauer in Salzburg erhielt er den Auftrag, die Salzburger Domorgel zu sanieren, entschied sich aber eigenmächtig während der Arbeiten für einen kompletten Neubau. Als ihm dann der von ihm geforderte fünffache Betrag für den Neubau nicht ausbezahlt wurde, musste er 1845 Konkurs anmelden. Danach konnte er erst allmählich wieder wirtschaftlichen Aufstieg verzeichnen, Indiz dafür ist der Umstand, dass er z. B. jährlich durchschnittlich zwei Dutzend neue Pianos ausliefern konnte.

Beim Klanglichen Aufbau seiner Orgeln hatte Mooser, zumindest sind diese in Altheim ablesbar, Materialregeln für seine Register. Die tiefen Pfeifen sind aus Fichtenholz gefertigt. Mit steigender Tonleiter wechselte er auf Fichte mit Eichendeckel und im weiteren Verlauf auf Ahorn mit Eiche. Als zusätzliche Besonderheit setzte Mooser bei den großen Pfeifen Anblaskanten aus Eiche ein. Klangliche zeichneten sich seine Instrumente anscheinend durch ihren freundlichen, milden und hellen Klang der Metallpfeifen aus, das Pleno der Orgel klingt weniger scharf als breit und tragend, was die Hinneigung zum frühromantischen Orgelklang unterstreicht. Die hölzernen Register sind in ihrer klanglichen Wirkung als farbig und füllig zu bezeichnen. Mooser beschriftete üblicherweise seine Pfeifen: die Metallpfeifen tragen gravierte Tonbuchstaben, die Registernamen sind in die jeweils größte Pfeife eingeritzt.[2]

Mooser hatte seine Werkstätte in einem großzügigen Anwesen mit der Anschrift Froschheim 12, das seinerzeit Villa Haimerle genannt wurde und, damals näher als heute, unweit der Salzach liegt. Diese Villa war 1685 von Zuccalli als Schloss errichtet worden und trug ursprünglich die Namen Schloss Schöneck und Caspisschlössl, heute ist darin ein Pfarramt und ein Kindergarten untergebracht.

Moosers Arbeitsweise und die Qualität seiner größeren Instrumente gaben oft Anlass zur Klage. Unter Berufung auf Anton Bruckners Gutachten aus dem Jahre 1855 zum Zustand der erst 1849 von Mooser erbauten Orgel der Linzer Stadtpfarrkirche meinte z.B. Johann Baptist Schiedermayer jun. am 2. Jänner 1856, der Zustand der Orgel sei wirklich in diesem Augenblicke ein so jämmerlicher, daß nicht nur bey den in dieser heiligen Zeit öfter stattgefundenen Hochämtern durch das Steckenbleiben der Tasten und des Pedals eine größere Störung herbey geführt wurde, sodaß der Organist die größte Mühe habe das gewöhnliche Segen- und Messlied zu spielen. Mooser reagierte gekränkt und fand die Erklärung des gegenwärtigen Organisten anmaßend, insbesondere, weil der (=Bruckner) sich nicht entblödet hätte, mir vis a vis im Prinzip der Orgelbaukunst über mein Werk böswillig zu urteilen.[3]

Im August 1858 reiste Mooser mit acht neuen Orgel nach Ungarn ab, per Schiff, das er extra für diesen Zweck hatte erbauen lassen und das anscheinend von der Anlegestelle, die zur Villa Haimerle gehört hatte, ablegt war.

Wegen der vielen Aufträge aus der Donaumonarchie und dem Tod seiner Frau 1863 entschied er sich, mit seinen Söhnen Josef und Karl seine Werkstätte nach Eger (deutsch: Erlau) in Ungarn zu verlegen, während seine Tochter Josefa den Betrieb in Salzburg weiterführen sollte.
1867 wurde er ungarischer Staatsbürger, zudem wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Eger ernannt. Er lebte im sogenannten Hatvaner Vorort. Im Alter verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch, besonderes weil er immer mehr trank, wodurch er ertaubte. Am 22. Mai 1881 verstarb er verarmt an Altersschwäche, zwei Tage später begrub man ihn auf dem Friedhof zur „Schmerzensreichen Mutter“ (Hatvaner Friedhof) in Eger.[4]

Werke

Die Tabelle führt einige seiner nachgewiesenen Neubauten auf.

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen
1835 Heiligenstadt / Sveto Mesto in Neuhaus Pfarrkirche
1836 Salzburg Stiftskirche Sankt Peter
1839 Kirchberg (Gemeinde Klein Sankt Paul) Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria im Moos
1839 Strobl Pfarrkirche Strobl I 8
1839 Pischelsdorf am Engelbach Pfarrkirche
1839 St. Georgen am Fillmannsbach Pfarrkirche
1840 Mauterndorf Filialkirche
1841 St. Gilgen Pfarrkirche I/P 9 nicht erhalten.
→ Artikel: Orgel
1843 Hallwang Pfarrkirche
1844 Elsbethen Pfarrkirche zur Heiligen Elisabeth
1844 Ostermiething Pfarrkirche
1844 Salzburg Pfarrkirche St. Andrä
1842–1845 Salzburg Salzburger Dom III/P 60 Mooser baute das Instrument eigenmächtig um und erweiterte es um 18 Stimmen. In Folge musste er Konkurs anmelden.
→ Artikel: Orgel
1840/45 Altheim (Oberösterreich) Pfarrkirche St. Laurentius II/P 21 Mehrmals Umgebaut und 1994 im Stile Moosers rekonzeptioniert.[5]
→ Artikel: Orgel
1845 Salzburg Blasiuskirche
1845 Großgmain Pfarr- und Wallfahrtskirche gezeichnet: Louis Mooser II/P 17 Die Orgel ist praktisch komplett erhalten. Im Jahr 2000 wurde das Instrument von Johann Pieringer restauriert.
→ Artikel: Orgel
1846 Lamprechtshausen Pfarrkirche
1846 Arnsdorf Wallfahrtskirche Maria im Mösl I/P 8 Das Instrument war 1744 von Andreas Mitterreiter aus Altötting erbaut worden. Franz Xaver Gruber beklagte, dass die Orgel Cornet gestimmt sei. 1846 baute Ludwig Mooser die Orgel um, sie ist in diesem Zustand erhalten.[6]
→ Artikel: Orgel
1846 Spital am Pyhrn Stift Spital am Pyhrn
1847 Eugendorf Pfarrkirche
1847 Nußdorf am Haunsberg Pfarrkirche Nußdorf am Haunsberg
1847 Mauterndorf Friedhofskirche und Filialkirche St. Wolfgang
um 1847 Siezenheim Pfarrkirche
1848 St. Pankraz am Haunsberg Filialkirche
1848 Salzburg Erhardkirche Mooser erhöhte die Egedacher-Orgel, indem er einen 95 cm hohen Mittelteil für einen Spielschrank einfügte. Vermutlich musste infolgedessen die Uhr über dem Instrument entfernt werden; nicht erhalten.
→ Artikel: Orgel
1848 Bischofshofen Pfarrkirche
1848 Salzburg-Aigen Pfarrkirche
1849 Linz Stadtpfarrkirche Anton Bruckner kritisierte das Werk in einem Gutachten 1855, s.o. Beim Neubau der Orgel 2002 durch Gerald Woehl wurden Register Moosers übernommen.
1849 Untertauern Pfarrkirche
1849 Neumarkt am Wallersee Pfarrkirche
1850 Ebenau Pfarrkirche Ebenau mit einem barockisierenden Brüstungspositiv
1850 Bergheim/Maria Plain Wallfahrtsbasilika Mariæ Himmelfahrt
1851 St. Leonhard (Gemeinde Grödig) Filialkirche
1852 Großarl Pfarrkirche
1853 Linz Minoritenkirche
1853 Vorderstoder Pfarrkirche I/P 6 Die Orgel ist komplett erhalten und wurde 1992 restauriert. → Disposition
1853 Werfen Pfarrkirche Werfen
1853 Salzburg-Hellbrunn Adaptierung der Walzenorgel des Mechanischen Theaters.
1854 Fót bei Pest
1854–1858 Kremsmünster Stiftskirche
1856 Kleinarl Pfarrkirche
um 1856 Fuschl Pfarrkirche
1854–1856 Esztergom (Gran) Sankt-Adalbert-Kathedrale III/P 49 Bau der Orgel im Esztergomer Dom vom 19. September 1854 bis 31. August 1856. Ausstattung mit 49 Register auf drei Manualen und ein Pedal mit 3530 Pfeifen.
→ Artikel: Orgel
1857 Oberndorf bei Salzburg Wallfahrtskirche Maria Bühel I/P 8 Das 1916 veränderte Instrument wurde 1994/95 von Fritz Mertel auf den Zustand der Erbauung gebracht.[7]
→ Artikel: Orgel
1858 Ramingstein Pfarrkirche
1858 Kirchberg-Thening Evangelische Kirche im Feld
1859 Surheim Pfarrkirche
1862 Lessach Pfarrkirche
1863 ? Eger (Ungarn) Kathedrale
1865 Söllheim Filialkirche

Literatur

  • Sebastiaan Friedrich Blank: Die Mooser-Orgel der Pfarrkirche Altheim aus der Sicht des Orgelbauers. In: Ludwig-Mooser-Orgel St. Laurentius, Altheim. hg. vom Orgelbauverein Altheim 1994, S. 13f.
  • Georg Djundja: Kleine Geschichte der Orgel. In: Festschrift zur Segnung der Ludwig Moser Orgel. Pfarrkirche Ebenau. hg. vom Orgelverein, Ebenau 2008, S. 12–15.
  • Heribert Metzger: Die Ludwig-Moser-Orgel zu Großgmain im Land Salzburg – ihre Geschichte, Wiederherstellung und späte Vollendung. In: Ars Organi. hg. von der Gesellschaft der Orgelfreunde, 56. Jg. (2008), Heft 1, S. 35–37.
  • Heribert Metzger: Er hat sich bey seinem Werke Ruhm und Ehre gegründet. Zur Geschichte und Restaurierung der Ludwig Moser-Orgel zu Großgmain in Salzburg. In: Singende Kirche. hg. von der Österreichischen Kirchenmusikkommission (48. Jg. 2001 Heft 3), S. 122–126.
  • Thomas Pumberger: Geschichte der Orgel zu St. Laurentius. In: Ludwig-Mooser-Orgel St. Laurentius, Altheim. hg. vom Orgelbauverein Altheim 1994, S. 3–8.
  • Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0 (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Universität Mozarteum 2012).
  • Gerhard Walterskirchen: … er ist der Stolz der Stadt für ewige Zeiten. Aufstieg und Fall des Orgelbauers Ludwig Mooser. Festschrift Alfred Reichling zum 70. Geburtstag, hg. von Roland Behrens und Christoph Grohmann, Gesellschaft der Orgelfreunde 2005.
  • Gerhard Walterskirchen: Ludwig Mooser. In: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation, Universität Salzburg 1982, S. 137–154.
  • Gerhard Walterskirchen: Mooser, Ludwig. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.
  • Constantin von Wurzbach: Mooser, Ludwig. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 19. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1868, S. 69 f. (Digitalisat).

Einzelnachweise

  1. z.B. 1836 den Kostenvoranschlag für eine Reparatur der Orgel in Maria Plain: Blein am 11. 8. [18]36 […] Louis Mooser m.p. Orgelbaumeister. Zitiert nach: Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 262.
  2. Sebastiaan Friedrich Blank: Die Mooser-Orgel der Pfarrkirche Altheim aus der Sicht des Orgelbauers. In: Ludwig-Mooser-Orgel St. Laurentius, Altheim. hg. vom Orgelbauverein Altheim 1994, S. 14.
  3. Zitiert nach: Elisabeth Maier: Anton Bruckner als Linzer Dom- und Stadtpfarrorganist. Aspekte einer Berufung. Mit einem Beitrag von Ikarus Kaiser: Der Dom- und Stadtpfarrkapellmeister Karl Borromäus Waldeck und die Orgel der Stadtpfarrkirche in Linz, Wien 2009 (Anton Bruckner, Dokumente und Studien, hg. von Theophil Antonicek, in Zusammenarbeit mit Andreas Lindner und Klaus Petermayr, Band 15), S. 32.
  4. Kilian Szigeti: Régi magyar orgonák (Alte ungarische Orgeln). Hrsg.: Zeneműkiadó. Budapest 1982, ISBN 963-330-229-3, S. 111 und 116.
  5. Thomas Pumberger: Geschichte der Orgel zu St. Laurentius. In: Ludwig-Mooser-Orgel St. Laurentius, Altheim. hg. vom Orgelbauverein Altheim 1994, S. 3–8.
  6. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 11–13.
  7. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 238–240.