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vom 14.01.2018, aktuelle Version,

Margit Kraker

Margit Kraker (* 9. November 1960 in Zeltweg) ist eine österreichische Juristin. Sie wirkte von 2013 bis 2016 als Direktorin des steirischen Landesrechnungshofes und ist seit 1. Juli 2016 für eine zwölfjährige Amtszeit Präsidentin des österreichischen Rechnungshofes.

Leben

Kraker ist Juristin, sie promovierte 1983. Sie begann ihre Laufbahn – nach dem Gerichtsjahr – als Assistentin am Institut für öffentliches Recht, Politikwissenschaft und Verwaltungslehre der Universität Graz, danach war sie neun Jahre lang Parlamentsjuristin in Wien.[1] Ab 1996 war sie die beamtete Leiterin des ÖVP-Landtagsklubs. Von 2000 bis 2013 leitet sie das Büro des steirischen Landesrates und späteren Landeshauptmann-Stellvertreters Hermann Schützenhöfer (ÖVP). Seit 2013 fungiert sie als Direktorin des steirischen Landesrechnungshofes.[2] Während ihrer Zeit im Büro Schützenhöfer war sie gleichzeitig Landesamtsdirektor-Stellvertreterin.[3] Der direkte Wechsel aus einer Führungsfunktion in der steirischen Landesregierung in deren Kontrollgremium führte damals zu Misstrauen und Gegenstimmen der Grünen und der KPÖ.[4]

Sie wurde am 9. Juni 2016 mit den Stimmen von ÖVP, deren Mitglied sie ist, und SPÖ durch den Hauptausschuss des Nationalrates als Präsidentin des Rechnungshofes in Nachfolge von Josef Moser nominiert. Dies entfachte einen Sturm der Empörung seitens der Opposition, die NEOS sprachen von „mieser Packelei“,[2] die Grünen-Chefin Eva Glawischnig gab sich sehr irritiert, das Team Stronach gab zu bedenken: „Die Optik ist keine gute.“, und Heinz-Christian Strache von der FPÖ vermutete einen Deal im Zusammenhang mit der im August 2016 anstehenden Wahl des ORF-Generaldirektors.[5][6] Lob kam hingegen von ihrem früheren Chef, dem heutigen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der Kraker als „bestqualifiziert für diese große Aufgabe“ charakterisierte.[4] Beim öffentlichen Hearing am Vortag hatte unter den acht Kandidaten „nach Meinung der allermeisten Beobachter Gerhard Steger die beste Performance“ gezeigt.[7] Der von SPÖ und Team Stronach (TS) nominierte Steger, zu dieser Zeit Sektionschef im Rechnungshof, überzeugte Grüne und NEOS derart, dass diese bei der ersten Abstimmung im Hauptausschuss nicht für eigene Kandidaten stimmten, sondern für Steger. Auch die Presse begleitete die Nominierung Krakers äußerst kritisch.[8][9] Am 16. Juni 2016 wurde Kraker vom Nationalrat für eine zwölfjährige Amtszeit als erste Frau an die Spitze des Rechnungshofes gewählt. Sie kündigte an ihre ÖVP-Mitgliedschaft ruhend zu stellen und ihr Amt frei von Parteipolitik unabhängig und objektiv ausüben zu wollen. Die Opposition kritisierte erneut das Zustandekommen ihrer Wahl.[10]

Kraker ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.[4][3]

Einzelnachweise

  1. Der Standard: SPÖ und ÖVP nominieren Margit Kraker als Rechnungshof-Präsidentin, 9. Juni 2016, 11:23
  2. 1 2 Die Presse: Kraker wird neue Rechnungshof-Präsidentin, 9. Juni 2016, 13:11
  3. 1 2 Kleine Zeitung (Graz): Die neue Rechnungshofchefin im Porträt, 9. Juni 2016, 15:12 Uhr.
  4. 1 2 3 ORF: Margit Kraker ist die neue Rechnungshof-Chefin, 9. Juni 2016
  5. Tiroler Tageszeitung: Opposition empört: ÖVP-Kandidatin Kraker wird RH-Präsidentin, 9. Juni 2016 10:34 Uhr
  6. ORF: Opposition empört, 9. Juni 2016
  7. ORF: Opposition vermutet Deal, 9. Juni 2016
  8. Maria Kern: Was für eine Farce!, Kommentar im Kurier (Wien), 9. Juni 2016.
  9. Michael Völker: Rechnungshof-Wahl: Gegeneinander in der Koalition, Der Standard (Wien), 9. Juni 2016, 10:47 Uhr
  10. Kraker zur Rechnungshofpräsidentin gewählt. In: DiePresse.com. 16. Juni 2016, abgerufen am 21. Juni 2016.