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vom 26.10.2017, aktuelle Version,

Neuromed Campus

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Kepler Universitätsklinikum Neuromed Campus [1]
Trägerschaft Kepler Universitätsklinikum
Ort Linz
Bundesland Oberösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 48° 16′ 49″ N, 14° 17′ 46″ O
Leitung Gabriele Sachs (Ärztliche Direktorin)
Betten 663[2]
Mitarbeiter 1749[2]
davon Ärzte 267[2]
Fachgebiete Neurologie, Neurochirurgie, Psychiatrie
Gründung 1867
Website https://www.kepleruniklinikum.at/services/fuer-patientinnen-und-patienten/aufenthalt-am-neuromed-campus/
Der Neuromed Campus mit neuem schild im Februar bei Nacht.
Der Neuromed Campus mit neuem Schild im Februar bei Nacht.
Die Landesnervenklinik Wagner-Jauregg

Der Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums (KUK), bis 2016 Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg ist ein Krankenhaus in Linz. Sie befindet sich im Andreas-Hofer-Platzviertel im Stadtteil Waldegg. Das Gebiet um das Krankenhaus wird auch Niedernhart genannt.

Geschichte

Die erste psychiatrische Einrichtung in Linz wurde 1788 im Prunerstift eingerichtet.[3] Das als „Tollhaus“ bezeichnete Gebäude markiert den Beginn der Pflege von psychisch Kranken als Institution des Landes. Die Einrichtung diente in ihrer Anfangszeit eher der Verwahrung der Kranken als ihrer medizinischen Behandlung. Zuständig für die Patienten waren Wärter, die "Tollen" waren meistens an ihre Betten gefesselt, was ihrer Gesundheit nicht unbedingt zuträglich war. Ärzte wurden jedoch nur in besonderen Fällen konsultiert. Auch die hygienischen Zustände waren katastrophal. All diese Missstände wurden erstmals 1824 in einem offiziellen Schreiben erwähnt und die Einrichtung einer neuen Anstalt wurde gefordert. Dies führte zumindest zu einer Verbesserung der sanitären Situation und zum Ende des Fesselns der Insassen, auch eine unentgeltliche ärztliche Versorgung war nun vorgeschrieben. 1834 wurde eine Anstaltsordnung eingeführt und ein Primararzt bestellt. Eine Seidenplantage wurde angelegt, um den Patienten der Anstalt Arbeit und Beschäftigung zu ermöglichen, was für die damalige Zeit ein Novum war.

Platzmangel führte dazu, dass der oberösterreichische Landtag die Errichtung einer "Musteranstalt" in Niedernhart, heute Teil des Linzer Stadtteils Waldegg, beschloss. Das allen Anforderungen der damaligen Zeit entsprechende Gebäude verfügte über 228 Betten und wurde am 22. September 1867 als Landesirrenanstalt Niedernhart eröffnet. 1893 war die Zahl der Patienten auf 500 Personen angestiegen. Neben dem Erwerb von Schloss Gschwendt bei Neuhofen an der Krems wurden 1896 zwei Männerstationen mit 100 Betten, 1903 ein Frauentrakt mit 150 Betten und 1911 eine zusätzliche Männerstation mit 150 Betten errichtet.

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg wirkte sich auf vielfältige Weise auf die psychiatrische Anstalt aus. So war durch Einberufungen ein Personalmangel zu verzeichnen und bereiteten der Mangel an Lebensmitteln und Heizmaterial, der Ausbruch von Seuchen sowie die hohe Zahl der Kranken der Anstalt große Probleme. In den Jahren des Krieges starben in Niedernhart mehr als 1.000 Patienten, vor allem im Jahr 1917 kam es zu einem Massensterben. Dies dürfte neben der mangelhaften Ernährung, der unzureichenden medizinischen Versorgung, der "Überfüllung" der Anstalt mit Kranken auch auf den Ausbruch von Seuchen und das Fehlen von ausreichenden Isoliermöglichkeiten für Infektionskranke sowie andere Mängel zurückzuführen gewesen sein. Im April 1916 wurde eine psychiatrische Abteilung des k.u.k. Garnisonsspitals Nr. 4 Linz für psychisch kranke Soldaten in Niedernhart eröffnet, diese Abteilung existierte bis zum November 1918. [4]

Erste Republik

Während im Zeitraum von 1880 bis 1912 sechs bauliche Erweiterungen stattgefunden hatten, mit denen der "Belegraum" der Anstalt auf letztlich rund 800 Betten (inklusive 100 Betten in der Zweiganstalt in Gschwendt) erhöht worden war, wurde die Bettenzahl der Anstalt Niedernhart in der Zwischenkriegszeit nur einmal erweitert - auf 868 Betten. In der gesamten Zwischenkriegszeit stellte die "Überfüllung" der Anstalt ein großes Problem dar, das nicht vollständig gelöst werden konnte. 1923 wurde in Niedernhart die Malariabehandlung bei progressiver Paralyse, eine Heilmethode für die bis dahin als unheilbar geltende Syphilis, eingeführt. Julius Wagner-Jauregg, der spätere Namenspatron der Klinik, hatte diese Methode entwickelt, 1927 erhielt er dafür den Nobelpreis. In der Linzer Anstalt war Wagner-Jauregg allerdings nie tätig. Die Anstalt Niedernhart versuchte in den 1920er Jahren, modernen Erfordernissen des Krankenhauswesens hinsichtlich der Behandlung, Untersuchung und Beschäftigung der PatientInnen sowie hinsichtlich der Ausbildungsmöglichkeiten für die Ärzte und das Personal gerecht zu werden. In diesem Kontext wurde um 1925 auch der offizielle Name der Anstalt von "Landes-Irrenanstalt Niedernhart-Linz" zu "Landes-Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart" geändert. Trotz der Verbesserungen gab es aber weiterhin Mängel im medizinisch-technischen Bereich. Nachfolger von Anstaltsdirektor Dr. Franz Schnopfhagen wurde im Jahr 1926 (bis zur NS-Zeit) Dr. Josef Böhm. In den 1930ern wurde die Arbeitstherapie nach Hermann Simon erfolgreich als Methode der Psychotherapie eingeführt, hingegen wurde auf andere Therapieformen, etwa die Psychoanalyse, verzichtet. 1937 wurde die von dem ungarischen Psychiater Ladislas J. Meduna entwickelte "Konvulsionstherapie" in Niedernhart eingeführt. [5]

Zeit des Nationalsozialismus

1938 begann unter der Leitung von Rudolf Lonauer das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte der Klinik. Im Zuge der von den Nationalsozialisten propagierten „Reinhaltung der Rasse“ wurden geistig und körperlich Behinderte, Manisch-Depressive, Epileptiker und Sinnesbeeinträchtige oftmals sterilisiert, da sie nicht ins „deutsche Menschenbild“ passten.

Später begann die gezielte „Tötung unwerten Lebens“. In Hartheim und fünf weiteren Tötungsanstalten fielen über 70.000 Menschen der sogenannten „Euthanasie“ in der Aktion T4 zum Opfer. Auch an den Patientenzahlen der Klinik im Jahre 1945 macht sich dies bemerkbar: von 1150 Patienten waren nur noch 363 verblieben.

Nachkriegszeit

Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich schwierig, da erhebliche Schäden durch Luftangriffe zu beklagen waren. Anfangs wurden Teile der Klinik provisorisch in die Landesfrauenklinik übersiedelt. 1970 wurde der Neubau fertiggestellt und das Krankenhaus wurde in „Wagner-Jauregg-Krankenhaus des Landes Oberösterreich“ umbenannt. 1995 wurde der Spatenstich für den Neubau der Landesnervenklinik vorgenommen. Der moderne Spitalsbau wurde 2003 feierlich eröffnet, das aus heutiger Sicht eher ungeeignete Neubaugebäude von 1970 wurde abgerissen. Seit den 1990er Jahren prägte man den Trend zur „offenen Psychiatrie“ und machte Fortschritte auf den Gebieten der Neurologie und Neurochirurgie.

Seit 1. Jänner 2016 firmiert die LNK als Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums (KUK) – zusammengelegt mit dem Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz und der Landesfrauen- und Kinderklinik.[6]

Einrichtung

Organisation

Rechtsträger der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg ist die Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag).

Die kollegiale Führung der Klinik wird von einer ärztlichen, einer kaufmännischen und einer Pflegedirektion gebildet.

Medizinische Schwerpunkte

Die Schwerpunkte des Krankenhauses sind die Behandlung von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems sowie im psychischen Bereich.

Die neurochirurgische Station verfügt über eine Intensivabteilung zur Behandlung von Gehirnerkrankungen. Die neurologische Station ist auf Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Epilepsie spezialisiert.

Der dritte große Abschnitt ist die Psychiatrie. Neben der herkömmlichen Psychiatrie gibt es auch spezielle Bereiche, etwa die Jugendpsychiatrie, die Behandlung von Suchtgiftabhängigen, forensische Psychiatrie und Psychosomatik.

Namensstreit

Immer wieder wurde - vor allem von den oberösterreichischen Grünen - darauf hingewiesen, dass Julius Wagner-Jaureggs wissenschaftliche Publikationen stark von nationalsozialistischem Gedankengut beeinflusst seien und die Benennung der Landesnervenklinik deshalb nicht akzeptabel sei.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Jahresbericht 2011
  2. Gustav Hofmann: 200 Jahre Psychiatrisches Krankenhaus in Oberösterreich. Linz, 1988. S. 5
  3. Vgl. Markus Rachbauer: Vom Verwahrungsort zur Heilanstalt? Die psychiatrische Anstalt Niedernhart 1918-1938, in: Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.), Oberösterreich 1918-1938, Bd. IV, Linz 2016, S. 63-130.
  4. Vgl. Markus Rachbauer: Vom Verwahrungsort zur Heilanstalt? Die psychiatrische Anstalt Niedernhart 1918-1938, in: Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.), Oberösterreich 1918-1938, Bd. IV, Linz 2016, S. 63-130.
  5. http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Das-Kepler-Universitaetsklinikum-nimmt-Formen-an;art4,2031659 Das Kepler-Universitätsklinikum nimmt Formen an, nachrichten.at (OÖN), 16. November 2015, abgerufen 1. Jänner 2016.