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vom 01.06.2020, aktuelle Version,

Oberau-Haslach

Stadtviertel Oberau-Haslach
Italienische Bezeichnung: Oltrisarco-Aslago
Haselburg mit Oberau im Hintergrund
Staat Italien
Region Trentino-Südtirol
Provinz Südtirol (BZ)
Gemeinde Bozen
Koordinaten 46° 29′ N, 11° 21′ O
Höhe 246 m s.l.m.
Fläche 10,92 km²
Einwohner 13.925 (2011[1])
Bevölkerungsdichte 1275 Einw./km²
Demonym Oberauer/Haslacher
Präsident Ludwig Nössing (SVP)
Telefonvorwahl 0471 CAP 39100
Website Offizielle Website
Werbung für die Schokoladefabrik „Mimosa“ in Oberau im Südtiroler Telefonbuch von 1925 (Bozen)

Oberau-Haslach (italienisch Oltrisarco-Aslago) ist eines der fünf Stadtviertel der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen (Italien). Mit seinen knapp 14.000 Einwohnern ist es nach Europa-Neustift das bevölkerungsmäßig kleinste Stadtviertel Bozens. Im Süden des Viertels befindet sich die bedeutsame Industriezone Bozens.

Geografie

Oberau-Haslach liegt im Bozner Talkessel im Etschtal. Es wird an seiner Nordseite von einer aus dem Kohlerer Berg herausragenden Anhöhe begrenzt, dem Virgl. Der Eisack markiert die westliche Grenze des Stadtviertels. Im Osten bilden die steilen Flanken des Kohlerer Bergs bzw. Regglbergs die Grenze des Stadtviertels, die auch die Stadtgrenze ist.

Geschichte

Oberau und Haslach sind typische Siedlungsnamen des Hochmittelalters. Haslach ist bereits um 1200 in einem Besitzverzeichnis des hier begüterten Prämonstratenserklosters Schäftlarn als „Haslach“ genannt.[2] Von Haslach erhielt die Höhenburg Haselburg ihren Namen. Um das Jahr 1237 werden die Herren von Haselburg mit „Ůlricus de Haselberg“ erstmals erwähnt[3], später ging die Burg in den Besitz der Herren von Küepach über.

Die Anhöhen rund um Haslach, Virgl und Haselburg, wurden schon früh besiedelt, besonders in der Zeit der Völkerwanderung, als der Talkessel auch durch die Eisackfluten versumpft war. Später entstanden dort Burgen (Weineck, Weißhaus, Rosenbach und Haselburg), Kirchen (St. Gertraud) und Gehöfte (Pfarrhof). In der Landgerichtsordnung für Gries-Bozen von 1487 ist für Haslach ein eigener „oberhaubtman“ namens „Hans Mang“ genannt.[4] Zwischen 1849 und 1911 gehörte das Viertel, aufgeteilt in die drei Malgreien Oberau, Haslach und Grutzen, zur Landgemeinde Zwölfmalgreien.

Die älteste kirchliche Einrichtung Haslach-Oberaus ist die St.-Gertraud-Kapelle, die 1976 um das nahegelegene Pfarrzentrum St. Gertraud für die deutschsprachige katholische Seelsorge ergänzt wurde. Die italienischsprachige Seelsorge wird von der Rosenkranzkirche in der Claudia-Augusta-Straße gewährleistet.

1944/45 mussten Häftlinge des nationalsozialistischen Durchgangslagers Bozen militärindustrielle Zwangsarbeit im Virgltunnel leisten. An ihr Schicksal erinnert seit 2005 ein Gedenkort und Mahnmal nördlich des Sportplatzes.[3]

Bis Anfang der 1960er Jahre bestand Haslach aus einigen wenigen Bauernhöfen, so dem Unterzallinger, Zobl, Hasenhof, Besenbinder und Bamrieser.[3] Von Grutzen abgetrennt wurde hingegen die 1936 errichtete Industriezone von Bozen.[3] In den 1930er Jahren wurde in Oberau der neue Bozner Stadtfriedhof angelegt. Nach 1960 begann hier eine rege Bautätigkeit und aus dem ruhigen Haslach wurde ein belebtes Stadtviertel von Bozen. Allerdings wurden die Stadtviertel erst in den 1990er Jahren gebildet. Neue Wohnsiedlungen, wie die großräumige Anlage von „Rosenbach“, verdichten neuerdings das bereits engmaschige Gefüge von Haslach und Oberau.

Mit 41,5 Jahren hat die Bevölkerung von Haslach das niedrigste Durchschnittsalter aller Bozner Stadtteile.

Infrastruktur

Die Landesberufsschule „Luigi Einaudi“

In Oberau-Haslach befinden sich italienische und deutsche Kindergärten sowie Grund- und Mittelschulen, eine italienische Berufsschule, ein Jugendzentrum (Bunker), ein Bürgerzentrum, eine Stadtteilbibliothek, ein Sozial- und Gesundheitssprengel, eine Mensa für Senioren, eine Gemeindeapotheke, die Freiwillige Feuerwehr, ein Pfadfinder-Stamm, ein Leichtathletikplatz und einige Sportvereine.

Literatur

  • Richard Staffler: Die Hofnamen von Zwölfmalgreien und Leifers (Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 1952). Wagner: Innsbruck 1952.
  • Markus Perwanger: Das Siedlungswerk in Haslach. St. Albuin: Brixen 1985.
  • Georg Schraffl: Kunst und Geschichte zwischen Virgl und Haselburg. Pluristamp: Bozen 1994.
  • Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Regesten der kommunalen Bestände 1401–1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8.
Portal: Bozen  – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bozen
Commons: Oberau-Haslach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bozens ansässige Bevölkerung nach Stadtviertel
  2. Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Abt. I, Band 1. Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 1937, S. 288, Nr. 510.
  3. 1 2 3 4 Hannes Obermair: Haslach: Geschichte eines alten (und jungen) Bozner Stadtteils. Abgerufen am 9. Mai 2016.
  4. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Regesten der kommunalen Bestände 1401–1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 192, Nr. 1230.