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vom 12.01.2018, aktuelle Version,

Offiziersstellvertreter

Österreichisches Bundesheer

— Offiziersstellvertreter —

Anzug 75 / 03 | Rockkragen | Tellerkappe

Dienstgradgruppe Stabsunteroffiziere
NATO-Rangcode OR-9
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Offiziersstellvertreter
Dienstgrad Marine keiner
Abkürzung (in Listen) OStv
Besoldungsgruppe ...

Offiziersstellvertreter (OStv) ist der zweithöchste Dienstgrad für höhere Unteroffiziere (Stabsunteroffiziere) des Österreichischen Bundesheeres. Als Abzeichen werden zwei weiße Streifen und drei sechsstrahlige weiße Sterne getragen. Offiziersstellvertreter werden als Zugskommandant verwendet. Der Dienstgrad war der höchste Unteroffiziersgrad, den Zeitsoldaten alter Art (d.h. vor Einführung der MZ = Militärperson auf Zeit) erlangen konnten (für die Beförderung zum Vizeleutnant ist u.a. eine Gesamtdienstzeit von mindestens 15 Jahren notwendig; nachdem für Zeitsoldaten nach alter Art nur eine maximale Verpflichtungsdauer von 15 Jahren möglich war, konnten diese Zeitsoldaten die für den Vizeleutnant notwendige Mindest-Gesamtdienstzeit niemals erreichen).

In der deutschen Bundeswehr entspricht der Offiziersstellvertreter etwa dem Dienstgrad Oberstabsfeldwebel.

Im Heer des Deutschen Kaiserreichs war die Position indes eine Dienststellung, kein Dienstgrad, und fiel 1920 endgültig weg. Die Schreibweise in Deutschland war ohne Fugenzeichen, also mit nur einem „s“: Offizierstellvertreter [OffzStv] (siehe unten).

Österreich-Ungarn (bis 1918)

Der Posten des Offiziersstellvertreters wurde 1915 in der österreichisch-ungarischen k.u.k. Armee eingeführt, damals noch als Dienststellung. Die Offiziersstellvertreter sollten die hohen Verluste an Subalternoffizieren im Ersten Weltkrieg ersetzen. Dazu befördert wurden (Stabsfeldwebel, Stabswachtmeister und Stabsfeuerwerker), die ihren Dienstgrad zuvor mindestens einen Monat innegehabt hatten. Gemeinsam mit den Stabsunteroffizieren bildete der Offizierstellvertreter die Dienstgradgruppe der Höheren Unteroffiziere.

Von dem Offiziersstellvertreter zu unterscheiden ist der "Kadett-Offiziersstellvertreter" (veraltet: Cadet(en)-Officiers-Stellvertreter). Dieser Offiziersanwärterdienstgrad rangierte unmittelbar hinter den Subalternoffizieren und kennzeichnete bis 1891 jene Abgänger der Kadettenschulen, die ihre Ausbildung mit „sehr gut“ bestanden hatten. Nach 1891 gingen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - sämtliche Absolventen der Kadettenschulen als "Kadett-Offiziersstellvertreter" zur Truppe. Der Dienstgrad wurde 1908 in Fähnrich umbenannt.

Uniform und Dienstgradabzeichen

Rangabzeichen („Distinktion“) war die Stabsfeldwebel-Borte an den Kragenenden, darauf der Fähnrichstern aus Messing. Dienstabzeichen war seit 1871 die an einem Leibriemen getragenen Kartentasche (beide aus geschwärztem Leder).

Die blanke Offiziersseitenwaffe schmückte das gelb-schwarze Portepee der Unteroffiziere, jedoch in Seidenausführung. Als Kopfbedeckung war zum Kasernen- und Felddienst sowie zum Ausgang die Kappe der Offiziere erlaubt, mit den Verzierungen (Rose bzw. „Kokarde“, Schlingenspange und Kordel) aus kaisergelber, schwarz geritzter Seide (statt aus Goldgespinst). Zur Parade sowie an Sonn- und Feiertagen war der Tschako (Fußtruppen, Artillerie, Husaren) bzw. der Helm (Ulanen, Dragoner) der Feldwebel und Wachtmeister vorgeschrieben, mit der mittig längs geteilten, kaisergelben Distinktionsborte aus Schafwolle (ab 1908 aus Seide). Eine Ausnahme bildete der bortenlose Dragonerhelm: Die unterschiedslose Ausführung für Kadett-Offiziersstellvertreter und Wachtmeister kennzeichnete eine dreifache Riffelung des seitlich nach unten abgeknickten oberen Helmkammrands ("Kammschiene").

1908 wurde der Dienstgrad in Fähnrich umbenannt. Zählte der Kadett-Offiziersstellvertreter noch zu den Unteroffizieren, galt der Fähnrich nun als „Offizier des Soldatenstandes“.

Deutsches Kaiserreich und Weimarer Republik

Deckel einer deutschen Militärtruhe eines Offizierstellvertreters ("OFFZ: Stellvtr.") aus dem Ersten Weltkrieg

Im deutschen Heer der Kaiserzeit war die Dienststellung des Offizierstellvertreters (Schreibweise ohne Fugen-s) bereits 1887 geschaffen worden. Der Offizierstellvertreter rangierte vor dem Etatmäßigen Feldwebel und hinter dem Leutnant bzw. Feldwebelleutnant. Nach Kriegsende oder bei Entlassung war die Rückstufung in den alten Dienstgrad vorgesehen. Anrede war stets „Vizefeldwebel“ oder „Feldwebel“.

Dazu ernannt werden konnten aktive Vizefeldwebel und Feldwebel nach mindestens vier Jahren tadelsfreier Führung, Soldaten des Beurlaubtenstandes nach acht Jahren. Später war auch Unteroffizieren und Sergeanten die Erlangung der Dienststellung möglich; mit Zeitpunkt der Ernennung waren sie in den Dienstgrad Vizefeldwebel zu befördern. Die Zahl der Offizierstellvertreter war anfangs unreglementiert, blieb aber seit Mitte des Ersten Weltkriegs auf zwei Planstellen pro Kompanie beschränkt.

Im sogenannten Friedensheer und in der Vorläufigen Reichswehr bildeten 1919 die Offizierstellvertreter (offenkundig nun ein Dienstgrad) für kurze Zeit eine eigene Rangklasse. Ähnlich den, allerdings vor ihnen rangierenden, Deckoffizieren standen sie nun zwischen den Unteroffizieren und Offizieren - gemeinsam mit den Unterärzten, Unterveterinären, Musikmeistern und Obermusikmeistern. Mit der Umbenennung in Oberfeldwebel Anfang 1920 erfolgte die Ausgliederung der Offizierstellvertreter aus der oben genannten Rangklasse und die Quasi-Rückstufung in die Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee.

Uniform und Dienstgradabzeichen

Bis Januar 1919 trugen die Offizierstellvertreter die Uniform des Vizefeldwebels der „Alten Armee“, die Achselklappen jedoch zusätzlich mit metallfarbener Unteroffizierstresse seitlich und oben eingefasst. Von Januar bis Mai 1919 legten die Offizierstellvertreter die neuen Dienstgradabzeichen des Friedensheeres an: vier waagerechte Stoffstreifen aus hellblauen Tuch am linken Unterarm. Im Mai 1919 wurden den Unteroffizieren der Vorläufigen Reichswehr silberfarbene Winkel verordnet, die mit der Spitze nach unten auf beiden Ärmeln zu tragen waren. Den Offizierstellvertreter zeichneten vier Winkel aus, wobei die Spitze des untersten in einer einfachen Schlaufe endete.