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vom 15.01.2018, aktuelle Version,

Pfarrkirche Bärnbach

Die Hundertwasserkirche (2012)

Die römisch-katholische Pfarrkirche Bärnbach (allgemein als Hundertwasserkirche bekannt) steht in der Gemeinde Bärnbach im Bezirk Voitsberg in der Steiermark. Sie ist der heiligen Barbara geweiht und gehört zum Dekanat Voitsberg. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.[1] Die in der Nachkriegszeit erbaute Kirche wurde 1987/1988 vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser umgestaltet. 2016 wurden das Turmdach und die sechs Kugeln neu vergoldet.

Geschichte und Baustil

Die Stadtpfarrkirche wurde im Jahr 1948 bis 1950 nach den Plänen von Architekt Karl Lebwohl als Nachkriegskirche in einem strengen Stil erbaut. Im Jahr 1987 begann die Umgestaltung durch Hundertwasser, bei welcher durch rundliche Gliederungen an den Eckpunkten des Gebäudes dessen bisheriger Stil gebrochen wurde. Kunstvolle Mosaike aus Keramik und farbig abgesetzte Putzflächen sowie ein bunt-fleckig gestaltetes Ziegeldach mit vergoldeten Kugeln am Dach und der ebenfalls vergoldete Zwiebelturm bildeten wesentliche Elemente der Umgestaltung. Dunkelblaue Mauerüberzüge aus Keramik, die an den Gesimsen der Butzenglasseitenfenster beginnen und sich bis zum Boden außen etwas verbreitern, wirken wie Wasserfälle aus den Fensteröffnungen des Kirchenschiffs.

Als Außenanlagen fungieren unregelmäßig befestigte Gehflächen mit zwölf künstlerisch gestalteten Torbögen, welche die großen Weltreligionen und Kulturen sowie Ökumene, Toleranz und Gemeinsamkeit symbolisieren.

Der Kircheninnenraum ist nach wie vor in einem klaren Stil gehalten, bei dessen Gestaltung vorwiegend regionale Künstler ihre Handschrift hinterließen. Altar und Ambo im Hauptschiff bestehen im Wesentlichen aus Quadern aus etwa 12 mm starkem Glas, in gleicher Folge geschichtet gefüllt mit Sanden verschiedener Färbung. Der Altar in der links angebauten Kapelle besteht im gesamten Volumen aus leicht grünlichem Glas: 46 etwa 20 cm × 20 cm große Glasplatten von 2 cm Stärke sind mittig durchbohrt über einen Stab gefädelt übereinander gestapelt. 3 × 5 = 15 dieser Stapel, dicht an dicht aneinandergereiht, ergeben den quaderförmigen Altar aus 690 dieser Platten.

Der Turm weist vier unterschiedlich gestaltete Uhrzifferblätter mit je zwei Zeigern auf. Die Kirche ist mit dem Turm und Eingang und über diesem befindlicher Sonnenuhr etwa nach SSO orientiert, der Altarraum nach NNW.

Goldene Dachelemente

Die Kirche ist insbesondere für seine vergoldete Zwiebel des Turmhelms bekannt. Da relevante Schäden aufgetreten waren, wurde 2016 – also 28 Jahre nach der ersten Herstellung das etwa 9 m hohe und 9 t schwere Turmdach abgehoben und am Boden nebenbei aufgestellt, schützend eingehaust und in etwa 6 Monaten saniert und am 26. Oktober wieder auf den Turm gehoben, der vorübergehend ein Flachdach getragen hatte.

Der Turmdachstuhl besteht aus Holz, ist flächendeckend mit 0,7 mm dickem Kupferblech beschlagen und trägt oben ein schwarz gestrichenes Kreuz mit vergoldeten Enden. Die 120 m2 große Zwiebel weist 8 Facetten auf und ist glänzend vergoldet. Das darunter folgende ringförmige Band des Blechs ist schwarz gestrichen, darunter folgt weiters rotbraun verwittertes Kupfer. Hier trägt der Turmhelm 4 aufgesetzte, ebenfalls vergoldete Kugeln.

Neue Vergoldung 2016

Bei der Sanierung 2016, wurde die Vergoldung abgewaschen. An der Zwiebel wurden zwei Blechelemente von 0,5 m × 1 m Größe, die jeweils ein Loch von etwa 7 mm Durchmesser aufgewiesen hatten, ersetzt. Die Zwiebel mit 120 m2 Oberfläche wurde neu grundiert und vergoldet. Nach heftigen Regenfällen in der Nacht wurde am Mittwoch, Staatsfeiertag 26. Oktober 2016, der gesamte Turmhelm bei trockenem Wetter per Autokran wieder aufgezogen und ein Fest im Saal gefeiert.

Das Dach der Kirche trägt insgesamt zehn Kugeln, vier davon am Turmdach. Alle wurden ebenfalls am Boden neu vergoldet und bestehen aus Kupferblech in 16 Facetten, die an Meridianen zusammenstoßen. Die am Turm messen etwa 1/2 m Durchmesser, die sechs anderen 0,5 bis 2 m. Diese wurden schon vor dem Turmdach wieder montiert.

Zu den mit 100.000 € zu erwarteten Gesamtkosten trägt die Hundertwasserstiftung – zum Erhalt der Kunstwerke Hundertwassers – das Material Blattgold von etwa 30.000 € bei, der andere Teil wurde durch eine Bausteinaktion aufgebracht.[2]

Als Ursache für die beiden Löcher nur im Blech der Zwiebel (eher bauchseitig, in etwa 22 m Höhe) nimmt ein Mitarbeiter der die Sanierung ausführenden Firma Blitzschlag an.[3]

Umgebung der Kirche

Der nach SSO weisende Turm und Eingang der Kirche ist zur Straße hin orientiert. Westlich des Turms liegt an einer nahen Grenzmauer ein Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Östlich und südöstlich des Turms finden sich eine Skulptur der Hl. Barbara vom Bildhauer Alfred Schlosser, ein Brunnen, ein Kohlehunt mit einer Widmung an St. Barbara und ein Torbogen aus bunter Keramik.

Im Osten schließt ein Park mit Wiesen und Baumbestand an, im Nordosten steht ein Gebäude mit einem größeren Veranstaltungssaal.

Im Norden ist der Kirche ein Gebäude des Pfarramts angebaut, das in die Gestaltung von Hundertwasser mit einbezogen ist.

  Commons: St. Barbarakirche (Bärnbach)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Steiermark – unbewegliche und archäologische Denkmale unter Denkmalschutz.. Archiviert vom Original im Mai 2016. Bundesdenkmalamt, Stand: 28. Juni 2013 (PDF).
  2. Mündliche Information durch Herrn Gössler, Wirtschaftsrat der Pfarre, 26. Oktober 2016.
  3. Mündliche Information durch Herrn Kohlbacher, 26. Oktober 2016.