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vom 11.01.2018, aktuelle Version,

Radetzky-Marsch

Deckblatt des Radetzkymarsches, op. 228 (1848)
Hans Schließmann: Radetzky-Marsch (vor 1920)

Der Radetzky-Marsch (Armeemarsch II, 145) ist ein von Johann Strauss (Vater) komponierter und dem Feldmarschall Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz gewidmeter Marsch. Die Uraufführung fand am 31. August 1848 am Wasserglacis in Wien statt.

Radetzky-Marsch (Spieldauer 2:33)
Joseph Radetzky von Radetz, der Namensgeber des Marsches

Entstehungsgeschichte

Das berühmte Thema des Marsches (Opus 228) verwendete Strauss bereits in der „Jubel-Quadrille“; sein Beginn ist zudem ähnlich dem zweiten Thema des 1794 komponierten Allegros aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 100.[1] Die hohe Popularität des Marsches führte auch dazu, dass auf seinen markanten Rhythmus (datadám datadám datadám damdám = drei Anapäste, ein Jambus) viele verdeckt oder offen spöttische Untertexte umliefen (z. B. Wenn der Mút in der Brúst seine Spánnkraft übt oder Wenn der Móps mit der Wúrst übern Rínnstein spríngt). Seine für Österreich-Ungarn geradezu symbolische Bedeutung fand darin ihren Niederschlag, dass Joseph Roth seinen Roman über den Untergang der Doppelmonarchie Radetzkymarsch nannte.

Für das Trio verwendete Strauss eine ältere Volksmelodie im Dreivierteltakt, genannt „Alter Tanz aus Wien“ oder „Tinerl-Lied“ (benannt nach einer damals populären Sängerin und Dudlerin). Als Radetzky nach der siegreichen Schlacht bei Custozza (1848) nach Wien zurückkehrte, sangen seine Soldaten auf der Straße dieses populäre Lied. Angeblich hörte Strauss diesen Soldatengesang und baute ihn, allerdings im Marschtakt, aber melodisch kaum verändert, in den Radetzky-Marsch ein.

Rezeption in den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmonikern

Mit dem Radetzky-Marsch wird traditionell das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker beendet. Das Publikum klatscht dabei ebenfalls traditionell im Takt nach dem Dirigat mit (Carlos Kleiber sprach sich gegen diese Tradition bei seinen Dirigaten der Neujahrskonzerte 1989 und 1992 aus, konnte sich aber nicht durchsetzen).

Die von den Wiener Philharmonikern in ihren Neujahrskonzerten (und auch sonst) gespielte Version ist jedoch nicht mit der Urfassung identisch: Es handelt sich vielmehr um eine Version mit einer erheblich verdickten Instrumentierung, die auch melodiös verändert wurde und die zu NS-Zeiten von dem damaligen Leiter der NSDAP-Kreismusikstelle Leipzig, Leopold Weninger, erstellt wurde.[2]

Das Original wurde im Neujahrskonzert 2001 der bekannteren Fassung gegenübergestellt: Dirigent Nikolaus Harnoncourt eröffnete mit ihm das Konzert und beendete es in traditioneller Weise mit der Fassung von Weninger.

Eine Ausnahme gab es 2005 – da entfiel diese traditionelle Zugabe aus Respekt vor den Opfern der großen Tsunami-Katastrophe in Südostasien.

Rezeption in anderen Bereichen (Beispiele)

  • Der Radetzky-Marsch gilt neben dem Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauss (Sohn) („Donauwalzer“) und dem Austropop-Lied I am from Austria von Rainhard Fendrich als eine der heimlichen Hymnen Österreichs.
  • In der britischen Fernsehserie Nummer 6 (The Prisoner 1967, deutsch 1969) findet das Stück in besonderer Weise eine fast schon thematische Verwendung. Im Ort der Gefangenschaft („the Village“) des Protagonisten Nummer Sechs gibt die örtliche Blaskapelle dann und wann Konzerte und stimmt auch oft den in starkem Kontrast zum leicht utopischen Setting stehenden Radetzky-Marsch an.
  • Der Radetzky-Marsch wurde als Werbemusik für unterschiedliche Produkte eingesetzt, so zum Beispiel für ein Milchmixgetränk der Firma Bärenmarke und für ein Bonduelle-Dosengemüse.
  • Wondra und Zwickl verwendeten die Melodie in ihrem Stück „Wenn der Hund mit der Wurst übern Eckstein springt - Thema mit Variationen“.
  • Bei Fußballspielen der Österreichischen Fußballnationalmannschaft wird der Radetzky-Marsch vor Spielbeginn eingespielt. Viele Fans schwenken dabei eine Österreich-Fahne im Takt.
  • Das Tempo des Stücks entspricht dem empfohlenen Tempo der Herzdruckmassage. Aufgrund der hohen Bekanntheit in Österreich wird es daher als Merkhilfe in Erste-Hilfe-Kursen verwendet.[3]

Literatur

Urban Bacher: Deutsche Marschmusik, Konstanz 2013, S. 111/112.

  Commons: Radetzky March  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Details siehe dort
  2. zum Nachweis des Arrangements durch Weninger und dessen Verwendung im Neujahrskonzert siehe z B. Jeroen H.C. Tempelman: On the Radetzky March, S. 5 (englisch)
  3. kurier.at: 40 Hits, die helfen, Leben zu retten. 14. April 2017, abgerufen am 18. Juli 2017.