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vom 05.10.2016, aktuelle Version,

Radio Hekaphon

Hauptportal des ehemaligen TGM in der Währinger Straße 59.

Radio Hekaphon war der erste Hörfunksender Österreichs. Es war ein auf private Initiative entstandener und von 1923 bis 1924 erfolgreich funktionierender Versuchssender zur Ausstrahlung eines gestalteten Sprach- und Musikprogrammes in Wien.

Geschichte

Im Jahre 1923 bewarben sich zwölf Antragsteller bei der Auslobung um eine Rundfunkkonzession in Österreich. Ab 1. April 1923 begann einer der Bewerber – die Vereinigten Telephonfabriken AG Czeija, Nissl & Co. (lt. Literatur auch Vereinigte Telephon- und Telegraphenfabrik AG Czeija & Nissl) in der Dresdner Straße 75 im 20. Wiener Gemeindebezirk Wien-Brigittenau, unter Federführung des Technischen Leiters Oskar Koton mit einem privaten Versuchssender mit der Übertragung eines gemischten Programmes. Oskar Koton konstruierte nicht nur den Sender mit 100 Watt Leistung, sondern fungierte in Personalunion auch als sein Techniker, Ansager und bot selbst Musikstücke mit dem Klavier dar.

Später wechselte Oskar Koton mit dem Sender in die Währinger Straße 59 im 9. Bezirk Wien-Alsergrund, an einen in der Stadt zentraler gelegenen Aufstellungsort. Hier war eine zu diesem Zweck nutzbare Antenne einschließlich einer konzessionierten Sendeanlage vorhanden, die 1914 zur drahtlosen Übertragung von Telegraphiesignalen errichtet worden war. Es handelte sich um den 4. Stock eines Gebäudes der Wiener Bildungseinrichtung Technologisches Gewerbemuseum (TGM). Nach einer feierlichen Einweihung am 1. Juli sendete die Station nun als Radio Hekaphon – Welle 600 (500 kHz, entspricht etwa dem Anfang des heutigen Mittelwellen-Bandes). Hekaphon war eine Marke von Czeija & Nissl, die auch später bei den von der Firma hergestellten Empfangsgeräten verwendet wurde.

Ein Höhepunkt der Tätigkeit des Senders war die Übertragung der Eröffnungsrede der Messe Wien im Herbst vom Bundespräsidenten Michael Hainisch – die erste Rundfunkansprache eines Bundespräsidenten des deutschsprachigen Raumes überhaupt. Künstler wie der Sänger Ernst Arnold vom Carltheater, Bert Silvings Radio-Quartett (bei Radio Wien dann als Künstlerkapelle Silving) oder der Burgtheater-Schauspieler Raoul Aslan sammelten bei Radio Hekaphon ihre ersten Rundfunkerfahrungen und konnten sie ab 1924 beim späteren Radio Wien einbringen.

Die Sendungen von Hekaphon wurden 1924 eingestellt, nachdem am 19. Februar 1924 die Bewerbergruppe um Oskar Czeija, aus der die Radio Verkehrs A.G. (RAVAG) entstand, den Zuschlag für eine Sendekonzession erhielt und somit im 2. Halbjahr gleichen Jahres dann der erwähnte Programmsender Radio Wien entstehen konnte. Die RAVAG besaß jedoch keinen eigenen Sender mit zufriedenstellenden Ergebnissen, wodurch Oskar Kotons Sender zunächst für die Ausstrahlungen Radio Wiens genutzt wurde.[1][2][3][4]

Rezeption

Auf einer Regionaltagung des Internationalen Berufverbandes von Elektrik- und Elektronikingineuren (IEEE) in Spanien ist in einem Vortrag zweier österreichischer Teilnehmer Radio Hekaphon als ein Piratensender betitelt worden.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Haimo Godler: Vom Dampfradio zur Klangtapete: Beiträge zu 80 Jahren Hörfunk in Österreich. Böhlau Verlag, Wien 2004.
  • Reinhard Schlögl: Oskar Czeija: Radio- und Fernsehpionier, Unternehmer, Abenteurer. Böhlau Verlag, Wien 2005.
  • RAVAG: Radio Wien Welle 530. Wochenprogramm. RAVAG. Wien, 1924.

Einzelnachweise

  1. Felix Czeike (Hrsg.): Wiener Geschichtsblätter/Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte. Band 36, Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 1980/2002, ISBN 3-7005-4672-6, S. 79.
  2. Helga Maria Wolf (Hrsg.): Auf Ätherwellen Persönliche Radiogeschichte(n). Böhlau Verlag, Wien 2004, ISBN 3-205-77279-2, S. 13ff.
  3. Wabweb.net: Schwere Geburt - Radio in Österreich 1921-1924 - für 3 Jahre eine längere Geschichte (deutsch, abgerufen am 4. Mai 2015)
  4. Oldradio.com: The Broadcast Archive - Austrian Broadcast History (englisch, abgerufen am 4. Mai 2015)
  5. Peter Knezu: Radio HEKAPHONE - The first pirate broadcast transmitter in Austria. In: Second IEEE Region 8 Conference on the History of Telecommunications (HISTELCON). ISBN 978-1-4244-7450-9