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vom 03.09.2018, aktuelle Version,

Rehabilitationszentrum Ederhof

Rehabilitationszentrum Ederhof
Trägerschaft Rudolf Pichlmayr Stiftung
Ort Iselsberg-Stronach (Tirol)
Bundesland Tirol
Staat Österreich
Koordinaten 46° 49′ 45″ N, 12° 51′ 21″ O
Geschäftsführer Robert Weichselbraun
Betten 35
Mitarbeiter 29
davon Ärzte 1
Fachgebiete Rehabilitationszentrum für Kinder, Jugendliche und Familien vor und nach Organtransplantationen
Gründung 2. September 1992
Website www.ederhof.eu
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Das Rehabilitationszentrum Ederhof ist ein auf organtransplantierte Kinder und Jugendliche spezialisiertes Rehabilitationseinrichtung mit Sitz in der Tiroler Gemeinde Iselsberg-Stronach. Die Einrichtung befindet sich im namensgebenden Ederhof, dem Geburtshaus des Malers Franz von Defregger, und wird von der Rudolf-Pichlmayer-Stiftung betrieben. Sie gilt als die einziges Rehabilitationszentrum speziell für Kinder in Österreich und mit ihrem Therapiekonzept einmalig in Europa.

Geschichte

Die Geschichte des Rehabilitationszentrums Ederhof beginnt mit Rudolf Pichlmayr und dessen Frau Ina Pichlmayr, beide Professoren an der Medizinischen Hochschule Hannover. Als 1983 das Medikament Cyclosporin auf den Markt kam, sah Rudolf Pichlmayr darin die Möglichkeit, der Ausweitung der Organtransplantation auf Kinder mit angeborenen Organschäden oder drohenden Organversagen. Trotz der guten medizinischen Erfolge taten sich doch Probleme auf der sozialen und psychologischen Ebene auf, so schreibt Ida Pichlmayr in den Erinnerungen an ihren Mann „Einige Jahre nach der ersten Kindertransplantation stellten wir fest, dass die soziale Sonderstellung dieser Kinder keine Einzelphänomen war, sondern eine allgemeine Problematik darstellte.“ Trotz der guten medizinischen Erfolge taten sich doch Probleme auf der sozialen und psychologischen Ebene auf. Als Er sie bemerkten, dass die damaligen Rehazentren keine Kinder aufnahmen, weil noch das medizinische Fachwissen über die Nachbehandlung dieser Fälle fehlte, waren sie fest entschlossen, sich diesen Umständen anzunehmen und setzten sich zum Ziel, ein Rehabilitationszentrum für diese Kinder und Jugendlichen zu errichten. In der österreichischen Gemeinde Iselsberg-Stronach fanden sie den geeigneten Standpunkt für ihr Projekt, einen verlassenen Bauernhof, den Ederhof. Durch die Anerkennung der Grundfreiheiten der Gemeinschaft, welche Österreich im Vorfeld des EU Beitritts annahm, war es möglich, den Ederhof 1990 über eine deutsche Stiftung zu kaufen und nutzbar zu machen. Während dieser Zeit wurde auf interdisziplinär besetzten Tagungen von Transplantationsmedizinern, Kinderärzten, Psychologen und Physiotherapeuten ein Konzept erarbeitet, in dessen Mittelpunkt ein individuell ausgerichtetes Trainings-programm unter Einbeziehung der gesamten Familie stand. 1992 begannen, gestützt von einem 5 Millionen DM Kredit, die Umbauarbeiten. Der Ederhof wurde am 2. September 1992 offiziell vom damaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky, im Beisein eines Weihbischofs und Unterstützern des Projekts, eröffnet.

1993 richtet das KfH (Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation) zwei Dialyseplätze ein und übernimmt einen Teil der Betten. Trotz der Erfolge in der Rehabilitation waren die ersten Jahre schwierig, weil die deutschen Krankenkassen durch die damalige Gesundheitsreform nun individuelle Genehmigungen für Kuraufenthalte im Ausland anforderten. Auch war der Personalaufwand durch die Kassensätze nicht gedeckt. Vor allem dem Engagement Ina Pichlmayrs war es nach dem Tod ihres Mannes 1997 zu verdanken, dass der Ederhof als gemeinnützig anerkannte Sonderkrankenanstalt stetig ausgebaut werden konnte und bis heute existiert. Sie führte das Zentrum nun selbst und wachte über zahlreiche Umbaumaßnahmen, die für künftige Bewohner gut ausgestattete, funktionsfähige Reha-Einheiten bieten sollten. Es gelang ihr nicht nur, durch namhafte Förderer und Veranstaltungen der Rudolf Pichlmayr-Stiftung Spenden einzuwerben. Sie stärkte auch in zähen Verhandlungen mit den Krankenkassen den Stellenwert des Zentrums und sicherte so seine Existenz. Für dieses Engagement wurde Ina Pichlmayr 2008 die höchste Auszeichnung des Landes Tirol, der Tiroler Adler-Orden, verliehen. 2001 gab sie den Vorsitz der Stiftung wie auch die ärztliche Leitung des Ederhofs an den langjährigen Mitarbeiter ihres Mannes, Eckhard Nagel, ab.

Einrichtung

Das Rehabilitationszentrum Ederhof ist ein auf die Rehabilitation organtransplantierter Kinder und Jugendliche spezialisierte Einrichtung der Rudolf-Pichlmayer Stiftung und ein Listenkrankenhaus des Bundesministeriums für Gesundheit.[1] Es gilt als die einzige Rehabilitationseinrichtung speziell für Kinder in Österreich und wird als ein in Europa einmaliges Therapiekonzept in einer Kooperationspartnerschaft vom deutschen KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation unterstützt. Unter der ärztliche Leitung von Eckhard Nagel bietet das Zentrum mit 39 Mitarbeitern eine interdisziplinäre Begleitung und Nachsorge von Kindern und Jugendlichen vor und nach Organtransplantation, meist in Form von familienorientierter Rehabilitation. Das Therapiekonzept konzentriert sich dabei auf die Schwerpunkte: Medizinische Betreuung, sportphysiologische Maßnahmen und psychosoziale Stabilisierung.[2][3]

Die Einrichtung verfügt über 35 Betten für Patienten sowie 20 Betten für Begleitpersonen. Daneben stehen Räume für medizinische-, psychologische- sowie Hämodialyse-Therapien, ein Gymnastikraum, ein Massageraum und ein medizinisches Bad zur Verfügung. Der überwiegende Anteil der Patienten stammt aus Deutschland.

Ederhof

Der Ederhof zu Stronach in der Gemeinde Dölsach war ein landwirtschaftlicher Betrieb, der bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Eder war. Dann verkaufte Anton Eder den Hof an Mathias Defregger (1805–1858), dessen Familie seit dem 17. Jahrhundert das Oberhofer-Gut in Gödnach bewirtschaftete, in das sie eingeheiratet hatten. Am 30. April 1835 wurde auf dem Ederhof Franz Defregger geboren. Nachdem sein älterer Bruder Michael bereist im Kindesalter verstorben war,[4] übernahm Franz Defregger nach dem Tod des Vaters 1858 den Hof. Da er beabsichtigte, nach Amerika auszuwandern und seine Schwestern auszahlen wollte, verkaufte er den Ederhof 1860 an einen Vetter und ging nach Paris und später nach München, wo er ein bekannter Historienmaler und Kunstprofessor wurde.[5][6][7][8]

Am 13. August 1888 erhielt der Ederhof als Geburtshaus von Franz von Defregger in Anerkennung der Schenkung des Anna-Schutzhauses vom Österreichischern Touristenklub eine Gedenktafel.[9][10] Der Ederhof ist Motiv einiger Gemälde von Franz Defregger sowie einer um das Jahr 1920 entstandenen Federzeichnung von Franz Pichler. Die Darstellungen wurden in den Folgejahren auch als Postkarten und Faksimile vertrieben.[11][7]

Im Jahr 1990 kaufte die Rudolf-Pichlmayer-Stiftung den verlassenen Ederhof und baute ihn bis 1992 zu einer Sonderkrankenanstalt um.[12]

Literatur

  • Eckhard Nagel, Petra Schmidt: Transplantationen. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 1996, ISBN 3-540-60525-8.
  • Eckhard Nagel, Dietrich Löhlein: Pichlmayrs Chirurgische Therapie. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 2006, ISBN 3-540-65980-3.
  • L. Winkler, K. Jähn, E. Nagel: Zur Bedeutung der familienorientierten Rehabilitation nach Organtransplantation am Beispiel der Sonderkrankenanstalt der Rudolf-Pichlmayr-Stiftung »Ederhof«. In: Ulrich Frei (Hrsg.): Langzeitüberleben nach Nierentransplantation sichern : Einflussfaktoren und Behandlungskonzepte. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 2001, ISBN 3-540-41263-8, S. 176–187. (Konferenzschrift, Berlin 2000)

Einzelnachweise

  1. Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (Hrsg.): Krankenanstalten in Österreich. Verlag F. Bruckmann, 2008, S. 139 (bmg.gv.at [PDF]).
  2. Gerald Hauser: Erhaltung und Erweiterung des Kinder-Reha-Zentrums Ederhof. Hrsg.: Parlament der Republik Österreich. Anfrage 6405/J, 4. September 2015 (parlament.gv.at [PDF]).
  3. Rehabilitationszentrum Ederhof. In: KfH. Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V., abgerufen am 10. Juli 2018.
  4. Joachim Defregger: Franz von Defregger. (straganzhof.at [PDF]).
  5. K. Rosegger: Wie Defregger Maler wurde. In: K. Rosegger (Hrsg.): Heimgarten. Eine Monatsschrift. Leykam, Josefsthal 1877, S. 816 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Franz von Derfregger. In: Neue österreichische Biographie ab 1815. Band 4. Amalthea Verlag, 1927, S. 101 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. 1 2 Hans Peter Defregger: Defregger: 1835–1921, Band 1. Rosenheimer Verlagshaus, 1983, ISBN 3-475-52653-0, S. 7 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Alexandra Ankwicz von Kleehoven: Franz von Defregger : zum hundertsten Geburtstag des Künstlers am 30. April 1935. In: Am häuslichen Herd: schweizerische illustrierte Monatsschrift. 38 (1934–1935) Heft 16 (e-periodica.ch).
  9. Die Kunst für Alle..., Band 3. Verlag F. Bruckmann, 1888, S. 363 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. ÖTK Dölsach: Anna-Schutzhaus, 1992m. In: Outdooractive. Abgerufen am 11. Juli 2018.
  11. Gutenberghaus W. Merkl (Hrsg.): Geburtshaus des Malers Franz von Derfregger. Lithografie nach einer Federzeichnung des Arch. Franz Pichler. Klagenfurt 1920 (bildarchiv-kulturforschung.at).
  12. E. Hilgrtner: 25 Jahre Ederhof: Emotionales Jubiläum. In: Osttirol Heute. 12. September 2017, abgerufen am 11. Juli 2018.