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vom 06.06.2016, aktuelle Version,

Richard Sterba

Richard Sterba im Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium 1922 (sitzend, 2. von rechts).
Foto: Ludwig Gutmann

Richard Francis Sterba (* 6. Mai 1898 in Wien; † 24. Oktober 1989 in Grosse Pointe (Michigan)) war ein österreichisch-US-amerikanischer Psychoanalytiker.

Sterba wurde Mitglied der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. Im Jahr 1926 heiratete er die Psychoanalytikerin Editha von Radanowicz-Hartmann. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 flohen beide in die Schweiz und gingen von dort in die Vereinigten Staaten, wo sie in Detroit mit Leo Bartemeier ein psychoanalytisches Institut aufbauten und eine eigene Praxis betrieben.

Forschungsschwerpunkt

Sterba prägte den Begriff der therapeutischen Ichspaltung (Das Schicksal des Ichs in therapeutischen Verfahren). Er sprach von einer therapeutischen Spaltung des „Ichs“ in ein erlebendes und ein beobachtendes „Ich“. Letzteres soll den Patienten in die Lage versetzen sich zu beobachten, in die Tiefe zu blicken und zu analysieren. Seine Arbeit bekommt durch die aktuelle Hirnforschung neuen Auftrieb, die belegt, dass die wesentlichen Unterschiede zwischen den Hirnen einfacher Vertebraten und dem menschlichen Gehirn darin bestehen, dass die entwicklungsgeschichtlich neueren Anteile die bereits vorhandenen analysieren, also übergeordnete Vorstellungen von den Reizwahrnehmungs- und Reizverarbeitungsprozessen aufbauen.

Schriften

  • Erinnerungen eines Wiener Psychoanalytikers, Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag 1985 ISBN 3-596-27354-4

Literatur

  • Elke Mühlleitner: Personenlexikon der Psychotherapie, Springer Verlag, 2005
  • Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945, Vol II, 2 München: Saur 1983 ISBN 3-598-10089-2, S. 1121
  • Richard Francis Sterba, : The Fate of the Ego in Analytic Therapie. International Journal of Psycho-Analysis 15:117–126
  • Heinz Kohut: Narzißmus. Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt a. M. 1976 [am. Orig.: The Analysis of the Self. A Systematic Approach to the Psychoanalytic Treatment of Narcissistic Personality Disorders. International Universities Press, New York 1971]
  • Wolf Singer: Bindungsprobleme, Neurobiologische Überlegungen. supposé Verlag 2003; ISBN 978-3932513480
  • Eleonore Schneiderbauer: Richard und Editha Sterba, in: Oskar Frischenschlager (Hrsg.): Wien, wo sonst! Die Entstehung der Psychoanalyse und ihrer Schulen. Wien : Böhlau, 1994, ISBN 3-205-98135-9, S. 142–150