unbekannter Gast
vom 23.04.2018, aktuelle Version,

Sektor Graz

Schießtraining des Sektor Graz

Der Sektor Graz (ehemaliges MEK Graz) ist eine Spezialeinheit der Bundespolizei in der steirischen Landeshauptstadt Graz. Der Sektor Graz ist eine Dienststelle des Stadtpolizeikommandos Graz, welches wiederum der Landespolizeidirektion unterstellt ist. Die Einheit wird vorrangig bei Einsätzen mit erhöhtem Gefährdungsgrad angefordert. Um ein schnellstmögliches Erreichen aller im Stadtgebiet befindlichen Örtlichkeiten zu gewährleisten, ist der Sektor Graz im SPK Graz in der Paulustorgasse stationiert.

Aufgabengebiet

Der Sektor Graz ist keine stehende, sondern eine operative Dienststelle, welche im überlagernden Streifendienst die Kräfte der Polizeiinspektionen in Graz unterstützt und von diesen auch angefordert werden kann. Weiters wird der Sektor Graz auch von anderen Polizeidienststellen, wie der Kriminalpolizei etwa als Unterstützung angefordert. Im Rahmen des GSOD, agiert der Sektor Graz (analog der Sondereinheit WEGA Wien) als Greiftruppeinheit, bei Fußballspielen, Demonstrationen oder Veranstaltungen mit einem gewalttätigen Gegenüber. Der Sektor Graz hat folgende Aufgabengebiete:

  • randalierende Personen
  • verbarrikadierte Personen
  • Selbstmörder
  • Schwerpunktdurchsuchungen und Kontrollen, bei denen mit Widerstand gerechnet wird
  • risikoreiche Festnahmen
  • andere Einsätze, bei denen mit Widerstand gerechnet werden muss
  • Auflösung von Hausbesetzungen
  • Greiftruppeinsätze im Rahmen der GSOD
  • Technischer Einsatzzug im Rahmen des GSOD (IFEX, MZP)
  • Schutz gefährdeter Objekte und Personen
  • Das Einsatztraining für Kollegen der Polizeiinspektionen in Graz
  • Einsatztraining-Grundausbildung im Polizeigrundausbildungslehrgang in der steirischen Polizeischule

Organisation

Die Sektorbeamten versehen ihren Dienst mit speziell ausgerüsteten Sektorfahrzeugen in Dreimann-Teams im überlagernden Streifendienst. In diesem System liegt der Vorteil darin dass in kürzester Zeit ein mit Spezialausbildung und Sonderausrüstung ausgestattetes Zugriffsteam sofort am Einsatzort ist. Das System und die Struktur ist analog dem der Sondereinheit WEGA und diversen amerikanischen SWAT-Teams. Gelöst werden all jene Lagen, welche den Risikorahmen der Polizeidienststellen übersteigen oder Sonderausrüstung und spezielle Ausbildungen und Schulungen erfordern, jedoch noch nicht in das Aufgabengebiet des Einsatzkommandos Cobra fallen. Es kann jedoch durchaus vorkommen dass Sektor-Kräfte das Einsatzkommando Cobra bei Hochrisikoeinsätzen unterstützten, etwa durch Sicherungstätigkeiten oder anderen zugriffsunterstützende Maßnahmen.

Die Beamten des Sektor werden durch ständige Fort- und Weiterbildung, zum einen im Rahmen des Dienstbetriebes und zum anderen durch eigene Ausbildungstage, geschult. Die Ausbildung erfolgt nur im internen Bereich, das heißt, dass Sektor-Beamte andere Sektor-Beamte ausbilden. Hiermit möchte man ausschließen, dass Ausbildungsinhalte nach außen getragen werden.

Geschult werden Schwerpunkte im Bereich Schießen, Einsatztechnik (Nahkampf) und Einsatztaktik. Alle Sektor-Beamten haben sich einer jährlichen Sportüberprüfung zu unterziehen, bei welcher der Fitnessgrad jedes Einzelnen überprüft wird. (Nähere Details zu dieser Überprüfung sind nicht bekannt) Die Zuständigkeit zum Sektor Graz ist verbunden mit der positiven jährlichen Leistungsüberprüfung.

Das Pendant zum Sektor Graz in Linz ist der Sektor Linz.

Rekrutierung und Ausbildung

Die Beamten des Sektor Graz werden vorrangig aus den Polizeiinspektionen der Steiermark rekrutiert. Alle Bewerber werden einer Aufnahmesichtung unterzogen (zu dieser Aufnahmesichtung ist nichts Näheres bekannt), welche in den Bereichen körperliche Fitness, Taktik, Schießen und in ein psychologisches Gespräch unterteilt ist. Bei dieser Sichtung werden Punkte vergeben und am Ende eine Reihung aufgrund der erbrachten Leistung erstellt. Die besten Absolventen dieser Sichtung werden dann zu einer zweimonatigen Grundausbildung einberufen.

In der Grundausbildung werden schwerpunktmäßig Taktik, Nahkampf und Überwältigungstechniken, sowie das Schießtraining geschult. Am Ende dieser Ausbildung werden die neuen Beamten in den Dienstbetrieb des Sektor Graz aufgenommen.

Ausrüstung

Wie auch anderen Polizeidienststellen, verwenden die Sektor-Beamten als Primärwaffe die Pistole Glock 17, weiters sind die Sektorfahrzeuge mit einem Steyr STG 77 mit kurzem Lauf ausgestattet. Zu der Ausrüstung der Beamten zählen auch noch die Mehrzweckpistole (MZP von Heckler und Koch) zum Verschießen von Tränengas und Leuchtschirmen und der Einsatzstock (Tonfa). Weiters sind die Sektorfahrzeuge mit einem großen Pfefferspraygebinde und diversen ballistischen Schutzausrüstungen bestückt.

Geschichte

Die Dienststelle Sonderdienste Sektor Graz wurde mit 1. Juli 2002 in Graz gegründet und bestand aus Kollegen des mit 1. Juli 2002 aufgelösten MEK Graz. Alle in Österreich befindlichen MEK wurden zum damaligen Zeitpunkt in das Einsatzkommando Cobra eingegliedert und aufgelöst. Jene Beamten, welche nicht in das Einsatzkommando Cobra eingegliedert wurden, versahen ihren Dienst ab diesen Zeitpunkt auf der Dienststelle PI Paulustorgasse. Nach einigen Reformen wurde aus dieser Polizeiinspektion die PI Sonderdienste Sektor Graz, welche neue Kompetenzen im GSOD und Einsatztrainerbereich übernahm.

Mit dem Auflösen des MEK Graz änderte sich jedoch nicht nur der Name der Dienststelle, sondern auch deren Abzeichen. Symbolisch wurde der „Hackher-Löwe“ als Abzeichen übernommen, da dieser Löwe als Wächter und Beschützer der Stadt Graz während der französischen Belagerung von 1809 gilt. Dieses Abzeichen ist jedoch kein offizielles Funktionsabzeichen im Sinne der Polizeiuniformtragevorschrift.

Literatur

  • Mike Ryan, Chris Mann, Alexander Stilwell: Die Enzyklopädie der Spezialeinheiten. Taktik-Geschichte-Strategie-Waffen. Pabel-Moewig Verlag, Rastatt 2003, ISBN 3-8118-1895-3.
  Commons: Sonderdienste Sektor - Graz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien